Editorial über Dankbarkeit

Liebe Freunde!

Das Leben ist ein Abenteuer – und die Sehnsucht nach diesem Abenteuer wohnt wohl in jedem Menschen. Unverdeckt und anrührend begegnet mir diese Sehnsucht im Antlitz unserer Kinder. Salomon (6), unser Jüngster, offenbarte mir gerade eindrücklich seinen innersten Berufswunsch: „Papa, ich will mal Entdecker werden.“ „So – na, was willst Du denn entdecken?“ „Das Land und das Leben.“ Was für ein beherzter Wunsch, was für eine freudige Erwartung nach vorne! Gerne würde unser eigenes Herz in diese Erwartung mit einstimmen, wäre es nicht so oft gehalten von den Fesseln entmutigender Alltagskämpfe…

Advent ist die Zeit der sehnsüchtigen Erwartung und erinnert uns an das Abenteuer, das mit der Geburt Jesu begonnen hat. Das englische Wort für Abenteuer heißt bezeichnenderweise adventure, was aus derselben Sprachwurzel kommt. Weihnachten ist der Einbruch des Heils in das Unheil dieser Welt durch das Kommen Jesu und der Beginn einer neuen Zeitrechnung! Gottes Geschichte mit uns Menschen ist Heils-Geschichte – und sie ist noch nicht zuende. Die Ausdauer unseres Glaubens zeigt sich in dem Nachdruck, mit dem wir daran festhalten: daß Gott selbst nicht überwunden werden kann, von dem, was heute geschieht, oder von dem, was wir tun oder nicht tun.

Bollwerk gegen die Zerstörung

Diese Spannung auszuhalten ist freilich nicht immer einfach. Die Kunst der Dankbarkeit gehört hier zum wichtigsten Einübungsfeld, denn sie ist ein Schutz unserer Seele gegen alle Kräfte der Zerstörung von innen und außen. „Danken hilft vor Wanken – loben zieht nach oben“, lautet ein weiser Merksatz unserer Glaubensvorfahren. Allerdings geht das nicht, ohne unser inneres Auge zu schulen: Wir wollen hinter dem nur vordergründig Sichtbaren erkennen lernen, was Gott in unserem Leben Gutes getan hat. Hat er uns nicht auch in diesem Jahr treu hindurchgeführt? Gott danken heißt, ihm darauf Antwort zu geben, ihn wiederzulieben und das hat eine große Macht. Auf diesem Weg können Hoffnung und Mut wieder erwachen und auch die Beharrlichkeit wachsen, Durststrecken im Heute durchzustehen. Davon sollen die folgenden Zeilen berichten.

Durststrecke in wüster Zeit

Nicht unbedingt in die Weihnachtsnummer, aber leider in diese Zeit gehören Ereignisse, mit denen still und leise ein Kulturbruch gewaltigen Ausmaßes in unserem Land und in Europa stattfindet, die auch uns nicht unberührt lassen.
Seit Jahren kämpfen wir als OJC-Gemeinschaft für eine schöpferische Zukunft von Ehe und Familie sowie den Erhalt der Denk- und Meinungsfreiheit – auch in der Deutung und Beurteilung von sozialethischen und moralischen Lebensfragen. Beides wird durch gegenwärtige Entwicklungen massiv in Frage gestellt. Aus aktuellem Anlaß möchte ich Ihnen gerne etwas ausführlicher darstellen, welcher gesellschaftlichen Großwetterlage wir momentan unterliegen, wie wir – speziell auch als OJC-Gemeinschaft – in die derzeitigen Herbststürme verwickelt sind und mit welchen weiteren Entwicklungen zu rechnen ist.

Zur Vorgeschichte: Angestoßen durch junge Männer und Frauen, die uns um Hilfe beim Ausstieg und Herauswachsen aus ihrem homosexuellen Lebensstil baten, setzen wir uns seit 25 Jahren für diese Menschen ein und haben die Thematik auch wissenschaftlich intensiv reflektiert. Manchen jungen Menschen haben wir seither auf diesem Weg begleitet und ihm helfen können. Einige sind inzwischen verheiratet und haben eine Familie gegründet. Ihr Lebenszeugnis belegt, daß Homosexualität kein unveränderbares Schicksal sein muß.

Sachverständigen-Anhörung im Bundestag

Immer häufiger wurden wir in den letzten Jahren nicht nur von einzelnen Menschen, sondern auch von Gemeinden, Kirchen im In- und Ausland und anderen Institutionen als Gutachter, Berater und Experten zur Thematik angefragt. Zum 18. Oktober 2004 wurde Dr. Christl R. Vonholdt vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft zu einer Anhörung vor dem Rechtsausschuß des Deutschen Bundestages nach Berlin eingeladen. Als eine von acht Sachverständigen hat sie zu zwei Gesetzentwürfen Stellung genommen, die eine weitere rechtliche Angleichung der homosexuellen Partnerschaft an die Ehe sowie ein (Stiefkind)-Adoptionsrecht für homosexuell lebende Paare vorsehen. Dabei hat sie ein klar begründetes Votum für das Recht des Kindes auf Vater und Mutter und gegen das vorgeschlagene Adoptionsrecht abgegeben (S.248). Trotz der anschließend im Parlament sehr kontrovers geführten Diskus­sion wurde das Gesetz einige Tage später mit der Mehrheit der rot-grünen Koalition und der FDP verabschiedet. Am Tag der Anhörung vor dem Bundestag berichtete DER SPIEGEL (Nr.43/2004) über uns und es folgten viele andere Berichte in diversen Medien. Soweit die Fakten. Vordergründig handelt es sich lediglich um die Verabschiedung eines kleinen, scheinbar unbedeutenden Gesetzentwurfes. Wer aber genauer hinsieht, kann die große gesellschaftliche Tiefenwirkung dieser Entscheidung vorausahnen und auch die akribische Strategie einiger Schwulen- und Lesbenverbände erkennen. An diesen Vorgängen dürfen wir nicht länger vorbeischauen.

Die Strategie der Homosexuellen-Lobby

Angetreten sind die politischen Vertreter eines prohomosexuellen Lebensstils in den 1960er Jahren mit der Forderung, die Diskriminierung ihrer Neigung und ihres Lebensstils abzubauen. Was vereinzelt begann, hat sich inzwischen zu einer wirksamen politischen Strategie ausgewachsen.1

Die erste Stufe: Desensibilisierung

Die Öffentlichkeit wird so lange systematisch über die Medien (Fernsehserien, Werbung, Geschichten, Nachrichten) mit homosexuellen Beziehungen und Informationen „bekannt gemacht“, bis Homosexualität als völlig normal wahrgenommen wird.

Die zweite Stufe: Manipulation

Es wird vermittelt, daß Homosexualität genau das gleiche sei wie Heterosexualität mit dem winzigen Unterschied, daß hier Männer Männer und Frauen Frauen lieben. Alle anderen schwerwiegenden Unterschiede und Folgen werden systematisch ausgeblendet. Von dieser Ideologie abweichende Informationen und Meinungen werden massiv angegriffen (mit sogenannten „Haßmails“; öffentlichen Anprangerungen in Leserbriefen; Etikettierung von Andersdenkenden mit Begriffen wie Fundamentalist, Faschist, Nazi etc.). Ziel ist es, Andersdenkende mundtot zu machen. In der Folge kommt es zu einer Verzerrung der Wirklichkeitswahrnehmung, weil faktisch eine Minderheit die Medien dominiert.

Die dritte Stufe: Konversion

Positive homosexuelle Ideale werden gesucht und produziert, indem Prominente aus Politik, Kunst und Musik geoutet werden oder sich selber outen. Ziel: Dem normalen Bürger sollen positive Vergleichsmomente zwischen homo­sexuellen Partnerschaften und der Ehe geliefert werden. Er soll dadurch gefühls-, verstandes- und willensmäßig umorientiert werden.

Die Masken fallen

Diese Strategie ist auf eine Gleichschaltung in den Köpfen angelegt. Sie wird akribisch und zum Teil aggressiv durchgesetzt. Das ist auch der Grund, warum im Erscheinungsbild der Öffentlichkeit keine gemäßigt Andersdenkenden – aus welchem Hintergrund auch immer – auftauchen: entweder man beugt sich dem politisch korrekten Verständnis von Homosexualität oder aber man steht als Extremist am Pranger. Eine Alternative gibt es nicht. Wer sich dem Meinungsdiktat nicht unterwirft, muß mit hartem Beschuß rechnen. In den vergangenen Wochen haben wir folgende Eskalationsstufen erleben müssen, die so vor ein paar Jahren noch nicht vorstellbar waren:

  1. Beleidigung, Schmähungen und Verleumdungen durch E-Mails und Briefe.
  2. Bewußt falsche Wiedergabe und Verbreitung von Aussagen zum Thema in unseren Veröffentlichungen.
  3. Drohungen: z.B. durch anonyme Briefe an uns („Frau Dr. Mengele in die Gummizelle (…) nur ein toter deutscher Arzt ist ein guter deutscher Arzt“). 
  4. Zensur: Seit dem Tag nach der Anhörung im Bundestag ist unser Institut im Internet über die Suchmaschine von Google nicht mehr direkt erreichbar.
  5. Existenzbedrohung: Ein Angestellter des Psychologischen Instituts der Universität Düsseldorf hat einen Brief an verschiedene ärztliche Berufsverbände verfaßt mit dem Ziel, ein Berufsverbot gegen eine unserer Mitarbeiterinnen zu erwirken. In dem Brief heißt es u.a.: „Der Brief ist mit dem Verband lesbischer Psychologinnen und schwuler Psychologen e.V. (VLSP) abgestimmt und der VLSP unterstützt diesen Brief.“ Daß er sich dabei des offiziellen Briefkopfes der Fakultät bedient und ohne Rücksprache mit den Verantwortlichen des Universitätsinstituts diesen für ein privates Anliegen mißbraucht, zeigt das skrupellose Vorgehen der Schwulen-Lobby.

„Trojanische Verpuppung“

Die oben beschriebenen Strategieschritte wurden zum gesellschaftlichen und politischen Boden des Lebenspartnerschaftsgesetzes für homosexuelle Paare, das im August 2001 in Kraft trat.
Durch das jetzt im Oktober 2004 verabschiedete Gesetz ist eine weitere rechtliche Angleichung an das Eherecht erlangt worden und zudem die Stiefkindadoption für homosexuell lebende Paare. Aber auch das ist nur ein Zwischenschritt für die nächsten Ziele zum Umbau unserer Gesellschaft. Schon jetzt fordern nicht nur Sprecher der Homosexuellen-Verbände, sondern auch Abgeordnete das volle Adoptionsrecht und die vollen Familienrechte. Es ist absehbar, daß auch Bisexuelle, Transsexuelle und morgen auch Pädophile dem beschriebenen Vorbild folgen und in den kommenden Jahren gesellschaftliche Anerkennung und Rechte einfordern werden.
Bereits in Arbeit ist der Gesetzentwurf für ein Antidiskriminierungsgesetz. Obwohl es hierzu noch widersprüchliche Informationen gibt, scheint auch dieses Gesetz von der Homosexuellenbewegung benutzt zu werden, um ihre Ziele durchzusetzen: den homosexuellen Lebensstil tiefer in unserer Gesellschaft zu verankern und von den tatsächlichen Risiken dieses  Lebensstils abzulenken. Vor allem aber jede Opposition zum Schweigen zu bringen, die sich nicht dem Diktat dieser Minderheiten-Ideologie beugen will.
Schon heute erleben wir, daß religiös oder wertkonservativ motivierte Äußerungen als rassistisch und diskriminierend bezeichnet werden. Eine Vorahnung, wie sich das auswirkt, zeigt der Umgang mit dem italienischen Europapolitiker und überzeugten Christen Buttiglione, der sehr differenziert unterschieden hatte zwischen seinem persönlichen Glauben und dem geltenden EU-Recht, zwischen Theologie und Politik. Vergeblich.
Der Fall Buttiglione zeigt, wie heute bereits Meinungs- und Denkfreiheit politisch bestraft werden: Beide tragenden Grundlagen unserer modernen Demokratie sind in wenigen Jahren mehr als brüchig geworden. Das ist der Anfang vom Ende einer freien und offenen Gesellschaft. Wir dürfen uns nicht länger damit beruhigen, daß Brüssel weit weg ist.
Via der Desensibilisierungs-, Manipulations- und Konversions-Strategie wurden die Landkarten im Kopf kräftig umgeschrieben. Die Tendenz ist offensichtlich: Unter dem Vorwand der Toleranz regiert inzwischen die Intoleranz. Abweichende Positionen werden mit massiven Drohungen belegt. Hier wird der Rechtsstaat schleichend zugunsten eines Gesinnungsstaats mit totalitären Zügen aufgeweicht.

Wofür wir uns einsetzen

Selbstverständlich steht es in einer offenen Gesellschaft jedem Menschen frei, seinen Lebensstil selbst zu wählen. Wer homosexuell leben möchte, dem sei das unbenommen. Uns liegt es am Herzen, denjenigen ihr Selbstbestimmungsrecht

zu erhalten, die ihre homosexuelle Neigung bewußt nicht ausleben, sondern verändern wollen.Wo das jüdisch-christliche Menschenbild des einzigartigen Aufeinander-Zugeordnetseins von Mann und Frau aufgegeben wird, wird es beliebig neue Identitätsvarianten geben. Ehe und Familie werden zunehmend als Leitbild entwertet. Den Kindern der nächsten Generation wird der Lebensboden entzogen. Es ist nötiger denn je, daß wir uns für das schöpferische Lebensmodell Ehe und Familie mit Kopf, Herz und Hand einsetzen.

Vermutlich wird es in der kommenden Zeit nicht leichter, das biblische Bild vom Menschen und die Botschaft von der Freiheit des Evangeliums öffentlich weiterzusagen. Als Christen brauchen wir deswegen weder aggressiv noch depressiv zu werden. Wir brauchen uns „des Evangeliums nicht zu schämen, denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben“ (Röm 1,16). Deshalb wollen wir uns nicht einschüchtern lassen und die Botschaft von der Hoffnung und dem Angebot der Umkehr und des Neuwerdens in Jesus Christus auch weiterhin fröhlich und offensiv weitersagen. Das gilt auch für die Bereiche, die durch die Niederschläge des Zeitgeistes derzeit einseitig „besetzt“ sind. Unsere Hoffnung wurzelt tiefer und trägt weiter als das, was vor Augen ist.

Der Advent ist eine gute Zeit der Zubereitung, um uns aufs Wesentliche zu besinnen und unsere Erwartung entschlossen auf Gottes Zusage auszurichten. „Daß Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht, sein wird die ganze Welt!“ (Ch. Blumhardt). Was für ein Vorrecht, zu ihm zu gehören.
Als Christengemeinde in Europa brauchen wir dringend eine Vernetzung, um im Gottvertrauen, aber auch klug und wach die politischen Herausforderungen der kommenden Zeit anzugehen. Als OJC-Gemeinschaft brauchen wir vor allem Ihre Gebetsunterstützung, um in diesem Kampf, in dem wir es nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Mächten und Gewalten zu tun haben, bestehen zu können. Es ist ein sehr kostbarer Dienst, wenn Sie uns in diesen Wochen oder sogar dauerhaft in unserem Stellvertreterdienst unterstützen können.

Ganz herzlich grüße ich Sie – einschließlich der OJC-Großfamilie mit den vielen neuen jungen Gesichtern – mit der kürzesten Hoffnungsbotschaft der neuen Zeit, die in den kommenden Wochen in Ihnen aufklingen möge: Welt ging verloren – Christ ist geboren – freue Dich, o Christenheit!

Ihr Dominik Klenk

Von

  • Dominik Klenk

    Journalist und Medienpädagoge; Leiter und Prior der OJC von 2002-2012; seitdem Leiter des fontis' Verlags (ehemals Brunnen Verlag), Basel

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