Falsche Fährte

Wie uns das geplante Adoptionsrecht für homosexuelle Paare in die Irre führt und warum Widerstand notwendig ist

Christl R. Vonholdt

Ehe und Familie sind die tragenden Kräfte jeder Gesellschaft. Sie verbinden Mann und Frau, Großeltern und Enkel und ermöglichen einen Friedensschluß zwischen den Geschlechtern und Generationen. Die Umdeutung der Ehe mit dem Ziel, homosexuellen Beziehungen ein „Eherecht“ zu geben, ebenso wie die Umdeutung der „Familie“ mit dem Ziel, homosexuellen Beziehungen über ein Adoptionsrecht ein „Recht auf ein Kind“ zu geben, greift tief in unsere menschheitsgeschichtlich tradierten Vorstellungen von Ehe und Familie ein. Auf unsere Kinder und die nächsten Generationen können sich diese Umdeutungen nur zerstörerisch auswirken.

Mutter- und Vaterentbehrung

Da die lesbisch orientierte Frau ja gerade deshalb lesbisch lebt, weil sie mit dem Mann und der Männlichkeit keine intime, von Nähe geprägte Beziehung haben will oder kann (auf die Gründe kann hier nicht eingegangen werden), wird sie dem Kind immer eine gravierende Vaterentbehrung zumuten. Entsprechend der homosexuell lebende Mann: Er lebt ja gerade deshalb homosexuell, weil er eine intime Beziehung mit der Frau nicht haben kann. Er wird seinem Kind immer eine schwere Mutterentbehrung zumuten.

Die Folgen der Vaterentbehrung sind seit langem bekannt. Nach US-amerikanischen Studien kommen 63 Prozent der jugendlichen Selbstmörder, 71 Prozent der schwangeren Teenager, 85 Prozent der Jungkriminellen und 75 Prozent der Drogenabhängigen aus vaterlosen Familien.

Eine neue Langzeitstudie aus Schweden (Ringbäck Weitoft u.a. 2003) bestätigt: Kinder, die ohne Vater oder ohne Mutter aufwachsen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für psychiatrische Erkrankungen, Selbstmord und verschiedene Süchte. Das gilt auch dann, wenn die Vater- oder Mutterentbehrung nicht mit sozioökonomischen Nachteilen verbunden ist.

Ein Kind, das bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwächst, weiß in der Regel und darf auch wissen, daß jemand fehlt. Es kann seinen Vater- oder Muttermangel konstruktiv bearbeiten und betrauern. Die Auswirkungen seines Mangels können so verringert werden. Im „Familienbuch“ des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) und anderswo lautet dagegen die ausdrückliche Botschaft: Zwei Frauen oder zwei Männer mit Kind sind eine „komplette Familie“. Wo solche Vorstellung von einer „kompletten“, vollständigen, nur eben „alternativen“ Familie genährt wird, kann die Trauer über das, was fehlt, gar nicht zugelassen werden. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ (31.12.2003) berichten zwei lesbisch lebende Frauen, die einen Sohn durch eine Samenspende bekommen haben, wie sie sich das Verhältnis zum Samenspender vorstellen: Das Kind wisse zwar, wer der Vater ist, „Aber Papa soll er nicht zu ihm sagen... Wenn er Papa sagt, würde er nur eine Leerstelle markieren, dann würde auffallen, daß etwas fehlt.“ In solchem Verbot, die Mutter- oder Vaterentbehrung zu benennen und zu betrauern, liegt eines der Unrechte, die einem Kind in einer homosexuellen „kompletten Familie“ zugemutet werden. In solchen Beziehungsarrangements kann das Kind nicht nur den eigenen Vater- oder Mutterverlust nicht bearbeiten, es kann auch den damit einhergehenden Verlust an eigener Identität nicht bewältigen.

Mama, Mami und der weibliche Vater

Im LSVD-„Familienbuch“ werden weitere Beispiele aufgezählt, die zeigen, wie die Homosexuellenbewegung als Vorreiter eines Adoptionsrechts für homosexuelle Partnerschaften die homosexuelle „Familie“ sieht. In einem Beispiel wird suggeriert, daß auch die „Co-Mutter“, das heißt die lesbische Partnerin, das Recht habe, vom Kind als von „ihrem Kind“ zu reden. In einem anderen wollen Mutter und „Co-Mutter“, daß das Kind beide Frauen mit Mama anredet. Einem weiteren Bericht zufolge soll das Kind zur Mutter Mama und zur „Co-Mutter“ Mami sagen. Außenstehende, so heißt es, sollen nicht wissen, wer die „richtige“ Mutter ist. Eine andere „Co-Mutter“ will die Rolle des Vaters vollständig übernehmen und versucht, über Gerichtsentscheidungen „alle Rechte eines Vaters“ zu bekommen. Im genannten Bericht der „Zeit“ sagt ein homosexueller Mann, der in der homosexuellen Partnerschaft für das Kind zuhause zuständig ist: „Ich bin die Papa-Mama.“ Kinder, die in solchen Familien aufwachsen, werden in ihrer eigenen geschlechtlichen Identität verunsichert.

Studien

Von Befürwortern homo­sexueller „Elternschaft“ wird immer wieder behauptet, es gäbe Studien, die nachweisen, daß Kinder in homosexuellen Beziehungen ebenso gut oder sogar besser aufwachsen könnten als in der Familie mit Vater und Mutter. Tatsächlich gibt es aber keine einzige Studie, die das nachweisen kann. Die meisten Studien, die dabei erwähnt werden, haben so gravierende methodische Mängel, daß ihre Ergebnisse für die grundlegende Frage, ob Kinder in homosexuellen Haushalten ebenso gut aufwachsen können wie bei Vater und Mutter, bedeutungslos sind. Eine 2000 in den Vereinigten Staaten von Lerner u.a. durchgeführte Analyse von 49 vorhandenen Studien kommt zu dem Ergebnis, daß keine einzige Studie geeignet ist, die Ebenbürtigkeit homosexueller gegenüber heterosexueller Elternschaft nachzuweisen. Dagegen gibt es einige Studien, die auf mögliche Gefährdungen für Kinder, die bei homosexuellen „Eltern“ aufwachsen, hinweisen. Wenn diese Studien auch nicht repräsentativ sind (eine solche gibt es bisher nicht) und ihre Ergebnisse deshalb nur Hinweise für weitere Forschungen sein können, so muß doch in der Verantwortung für das Kind und die nächsten Generationen hier jeder möglichen Gefahrenquelle nachgegangen werden.

Eine Analyse von 21 US-amerikanischen Studien zur homosexuellen „Elternschaft“ aus der Universität Südkalifornien (Stacey und Biblarz 2001) kommt zu dem Ergebnis: Jungen aus lesbischen Haushalten zeigen mehr weibliches, Mädchen aus diesen Haushalten mehr männliches Verhalten. Kinder in homosexuellen Haushalten haben häufiger als andere schon homosexuellen Sex praktiziert.

Eine australische Studie (Sarantakos 1996) bestätigt, daß Kinder, die mit homo­sexuellen „Eltern“ leben, deutlich häufiger als andere Kinder Verunsicherungen bezüglich ihrer geschlechtlichen Identität haben. Mädchen aus männlichen homosexuellen Haushalten haben mehr „männliches“, Jungen aus weiblichen homosexuellen Haushalten mehr „effeminiertes“ Verhalten. Die Kinder aus homosexuellen Haushalten haben außerdem größere Schwierigkeiten, in der Gruppe zu arbeiten, weil sie nicht gerne mit Mitschülern arbeiten, deren Geschlecht ein anderes als das ihrer „Eltern“ ist. Besonders Kinder aus lesbischen Haushalten neigen dazu, ihren männlichen Mitschülern zu mißtrauen.

Die Studie von Cameron u.a. (1996) untersuchte unter anderem die Häufigkeit häuslichen sexuellen Mißbrauchs bei Kindern mit homosexuellen „Eltern“. In der Studie gaben 29 Prozent der Teilnehmer mit homosexuellem Elternteil an, im Kindes- oder Jugendalter von ihrem homosexuellen Elternteil sexuell belästigt worden zu sein. In der heterosexuellen Vergleichsgruppe gaben nur 0,6 Prozent an, von einem heterosexuellen Elternteil sexuell belästigt worden zu sein. 67 Prozent der Männer, die bei einem homosexuellen Elternteil aufgewachsen waren, sagten, daß ihre erste sexuelle Erfahrung homosexuell gewesen sei. In der heterosexuellen Vergleichsgruppe sagten dies nur 8,5 Prozent. Die Zahlen mögen erschrecken und hoch scheinen und auch diese Studie ist nicht repräsentativ. Die Studie fand außerdem heraus: Kinder von homosexuell lebenden Vätern oder Müttern bezeichnen sich häufig als Erwachsene selbst als homosexuell und waren als Kind häufig mit ihrem eigenen Geschlecht unzufrieden.

Neue Forschungen zum Thema

Neue Studien kommen zu erschütternden Ergebnissen, was bestimmte Risiken anbetrifft, die deutlich vermehrt bei einem (männlichen oder weiblichen) homosexuellen Lebensstil zu finden sind.

Zu diesen Risiken gehören schwere Depressionen, Angststörungen und Eßstörungen sowie eine erhöhte Rate für Suchterkrankungen und für Selbstmordversuche. Die neueste Studie (Sandfort 2001) dazu stammt aus den Niederlanden, wo mittlerweile die „Homo-Ehe“ eingeführt wurde. 

Homosexualität ist nicht einfach „angeboren“. Es gibt bisher keine einzige wissenschaftliche Arbeit, die biologische Ursachen für Homo­sexualität nachweisen könnte. Dagegen hat die Forschung zahlreiche Hinweise darauf, daß eine homosexuelle Neigung in einem komplizierten Entwicklungsprozeß erworben wird und daß frühkindliche emotionale Verwundungen, chronische Traumata und bestimmte Störungen in der Familienstruktur dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die Frage, was Homosexualität ist und woher sie kommt, darf deshalb bei der Frage nach dem Adoptionsrecht nicht außen vor gelassen werden. Auch wenn es politisch nicht korrekt ist, müssen wir den Mut haben, offen an diesen Fragen weiter zu forschen.

Das Recht auf Vater und Mutter

Eine Gesellschaft, die Ehe nennt, was nicht Ehe ist und Familie nennt, was nicht Familie sein kann, betrügt die nächsten Generationen. Es gibt kein „Recht auf ein Kind“ - für niemanden. Bewußt wird heute darauf geachtet, daß ein Kind nach Scheidung oder Trennung der Eltern die Beziehung zu möglichst beiden biologischen Elternteilen beibehält. Das Wohl des Kindes und damit sein Grundrecht auf Vater und Mutter sollte Leitschnur politischer Entscheidungen bleiben. Ein Adoptionsrecht für homosexuelle Beziehungen ist abzulehnen.

Von

  • Christl Ruth Vonholdt

    Dr. med., Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Leiterin des Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft. Arbeitsschwerpunkte: Identität, Identitätsentwicklung, Bindungstheorien, Sexualität, Auseinandersetzung mit den Gender-Theorien und christliche Anthropologie.

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