Mit Jesus in Greifswald

Eine Hoffnungsgeschichte von heute

Die Geschichte der OJC-Zelle in Greifswald begann vor sieben Jahren. Nun geht sie in eine neue Phase: Nach 12 Monaten Umbauarbeiten am Haus der Hoffnung ist es soweit: das neue Haus ist einzugsbereit!

Renate Böhm / Rebekka Havemann

Erinnern Sie sich? Im September 2002 bekamen wir nach einer langen Zeit des Suchens und Betens ein ziemlich verfallenes Haus nahe der Greifswalder Innenstadt überraschend geschenkt. Diese Ruine wandelte sich – unter enormem Einsatz fleißiger Mitarbeiter und Helfer und treuer Beter und Spender – allmählich in ein Zuhause. Inzwischen sind die Bauarbeiten fast abgeschlossen, die Kisten gepackt, die Spannung steigt...

Anfang August beginnt für Maria Kaißling, Familie Böhm und Familie Kittel der Umzug ins neue Haus. Mit der „Einnahme“ des lang ersehnten gemeinsamen Hauses beginnt ein neuer Abschnitt für die kleine OJC-Zelle, mit der Chance, nun näher beieinander zu sein, tiefer zusammenzuwachsen und auf dieser Grundlage wirksamer den Dienst für Einzelne, Familien und Gemeinden ausüben zu können.

Auch wenn sie nach wie vor in verschiedenen missionarischen und seelsorgerlichen Diensten der diversen Kirchengemeinden – Haus-  und Gesprächskreisen, Frauenfrühstückstreffen, Gottesdienstgestaltung etc. – aktiv sind, wird sich am eigentlichen Auftrag der Mitarbeiter nichts ändern: nicht in erster Linie Programme und Projekte anzubieten, sondern Ohren, Herzen und Wohnzimmer für die Menschen zu öffnen und „einfach da zu sein“.

Daß schon jetzt viel ansteckende Hoffnung von der kleinen Zelle ausgeht, bezeugte Renate Böhm am „Tag der Offensive“ anhand einer bewegenden Geschichte, die für viele andere steht:

Geschichten der Hoffnung

Am liebsten würde ich Sie alle einladen, mit mir nach Greifswald zu kommen, um vor Ort zu sehen und zu entdecken, was wir als immer noch kleiner „Blütenzweig im Ostseewind“ gerade erleben.

Da ist zum Beispiel Frau S., so um die 35. Sie ist geschieden und lebt mit ihren zwei Kindern zusammen. Sie kommt aus einem atheistischen Elternhaus, beide Eltern sind Alkoholiker. Das hat ihre Kindheit geprägt. Vor zwei Jahren kam sie zum 1. Mal zum Frühstückstreffen für Frauen, das in Greifswald zweimal im Jahr stattfindet und von Frauen aus verschiedenen christlichen Gemeinden – wir als OJC sind auch dabei – vorbereitet und durchgeführt wird.

Dort erwacht in Frau S. eine Sehnsucht nach Gott. Durch eine Lebenskrise wird sie auf ­eine weitere Spur gebracht: ihr Lebensgefährte ist Alkoholiker, und nachdem sich die familiäre Situation zuspitzt, sucht sie Hilfe bei der Suchtberatung. Es kommt zur Trennung. In alldem läßt sie die Frage nach Gott nicht los.

Eines Tages ruft der Suchttherapeut bei mir an und fragt, ob er Frau S. nicht mal vorbeischicken könne, sie habe so viele Fragen wegen Gott, Beten und Bibel. ­Eine Woche später treffen wir uns. Mich bewegt diese Begegnung sehr. Frau S. macht den Eindruck eines ängst­lichen, geschlagenen Kindes, das voller Sehnsucht ist nach Ansehen und Geliebtwerden.

Schon beim 1. Mal lesen wir miteinander die Bibel. Durch eine innere Eingebung wähle ich die Begegnung Jesu mit der ‚Frau am Brunnen‘ (Johannes 4) – Frau S. ist in der Tiefe angesprochen. Als sie ihre eigene Geschichte erzählt, die der der ‚Frau am Brunnen‘ sehr ähnlich ist – gerade mit ihrer ungestillten Sehnsucht nach Liebe –, füllen sich ihre Augen mit Tränen. Sie möchte noch mehr von Jesus erfahren.

Das war vor einem halben Jahr. Seitdem treffen wir uns regelmäßig zum Bibellesen. Als sie letzte Woche zu mir kam, erzählte sie freudestrahlend, daß sie Jesus ihre Herzenstür geöffnet und ihr erstes Gebet laut gesprochen hat. Das geschah in einem Glaubensgrundkurs, an dem sie nach einem missionarischen Gottesdienst teilgenommen hatte.

Als ich sie fragte: „Was hat sich denn für dich verändert?“, da antwortete sie spontan: „Ich habe tiefen Frieden. Und ich kann den Menschen jetzt in die Augen schauen, wenn ich mit ihnen rede. Das konnte ich vorher nicht.“ Sie hat intuitiv erfaßt, was ihr geschenkt worden ist: eine neue Identität. Sie hat ihre Würde wiederentdeckt; dieses geschlagene, gedemütigte Menschenkind ist von Gott ihres Wertes vergewissert worden. Jesus hat sie angesehen und auch sie kann jetzt ihren Mitmenschen in die Augen sehen.

Im Sommer will sie sich taufen lassen. Frau S. blüht sichtbar auf unter der Liebe Jesu. Es ist eine große Freude, das mitzuerleben.

Orte der Hoffnung

Nun wird manch einer vielleicht denken: „Na, dafür brauchen die doch kein neues Haus, sie könnten doch wohnen bleiben, wo sie sind....”

Seit fast sieben Jahren leben wir jetzt in Greifswald und haben festgestellt, daß wir ein Haus brauchen, in dem wir alle miteinander leben können, wo wir als Gemeinschaft zusammen wachsen und zusammenwachsen können, mit allem, was dazugehört, an Freude und Reibung, an Kon-flikten und Ergänzung.

Wir brauchen einen Ort, durch den nach außen sichtbar wird: wir gehören – in unserer ganzen Unterschiedlichkeit – zusammen. Ge­rade das ist hier und heute, wo so viele Familien, Beziehungen und sogar Gemeinden auseinanderbrechen, ein deutliches und wirksames Hoffnungszeichen.

Wir brauchen auch einen Ort, wo wir den Krankheiten unserer Zeit entgegenwirken und die Menschen zum Gesunden stärken können, indem wir Tagesseminare z.B. zu Ehe- und Erziehungsfragen anbieten. Wir brauchen einen Ort, an dem Menschen sich begegnen, ihr Leben teilen, sich ermutigen und mitein­ander feiern können.

Unser Wunsch ist, daß das Haus der Hoffnung, über unsere bisherigen Möglichkeiten hinaus, zu einem Ort wird, an dem Menschen auf vielerlei Art und Weise der Liebe Jesu begegnen, von ihm berührt werden, Heilung erfahren und wieder neue Hoffnung schöpfen – so wie wir es bei Frau S. miterleben durften.

Von

  • Rebekka Havemann

    Krankenschwester, lebt seit 1999 in der OJC. Seit Sommer 2014 verstärkt sie das Team vom Haus der Hoffnung in Greifswald. Seit 2016 gibt sie die Zeitschrift Brennpunkt Seelsorge heraus.

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  • Renate Böhm

    Gemeindepädagogin, ist seit 1991 Mitarbeiterin in der OJC. Sie lebt mit ihrem Mann Rudi im Haus der Hoffnung in Greifswald.

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