"... und du bist rrraus!?"

Mitten drin beim Jugendgottesdienst am OJC-Festival

Lukas G. macht ein Freiwilliges Soziales Jahr im REZ-Team und ist mitverantwortlich für die Jugendgruppenarbeit und das b::seen-Team, einer Jugendgruppe, die die b::seen-Jugendgottesdienste vorbereitet und leitet. Er berichtet vom Jugendgottesdienst am OJC-Festival, zu dem ca. 120 Jugendliche auf Schloß Reichenberg zusammengekommen sind.

Und du bist raus! – Wer von uns hat diesen Ausspruch noch nie zu hören bekommen? Eine sarkastische Bemerkung hier, ein Tuscheln dort und schon ist „man raus…“ Das tut weh, denn irgendwie möchte ja jeder dazugehören. Eigentlich geht es mir gut, eigentlich habe ich doch alles: eine super Familie, viele Freunde, gute Noten in der Schule… und trotzdem bin ich nicht perfekt, fühle mich manchmal einsam und schlecht, sehne mich danach, angenommen zu sein – doch von wem?

Dieses Thema stand im Mittelpunkt des letzten b::seen Jugendgottesdienstes. Ein Thema, das mich in der Vorbereitungszeit für den Gottesdienst in unerwarteter Weise noch sehr beschäftigen sollte, denn… – dieses Mal war alles anders. Die Vorbereitungen liefen getreu dem Motto: „Der Mensch denkt, Gott lenkt.“ Vor allem in eine Richtung, die WIR uns nicht ausgedacht hatten.

Der b::seen sollte am Nachmittag als Abschluß vom TdO-Jugendtag stattfinden. Für unser Team war es eine Premiere, den Gottesdienst als Openair im Schloßhof zu veranstalten. Dies stellte uns unvermeidlich vor neue Herausforderungen: eine Bühne zu beschaffen, Instrumente zu transportieren, Tontechnik zu besorgen und viele andere Dinge zu bedenken…, zu viele!!! – wie sich dann in der Planungsphase herausstellte.

Jeder aus dem Team versuchte, seinen Teil zum Ganzen beizutragen, seine Fähigkeiten einzubringen, soweit es ihm möglich war. Aber würde das ausreichen? Das Anspiel sollte diesmal nicht als Video, sondern live vorgetragen werden. Das hieß: mehr Proben, was trotz guter Planung öfters scheiterte! Ein Tanz, auch ­eine Form, um Gott zu loben, kann nicht synchron aussehen, wenn man nicht vorher viel Zeit und Kraft inve­stiert…! Das Equipment wird nicht vorhanden sein, wenn einem erst ein paar Tage vorher bewußt wird, was man eigentlich noch zusätzlich braucht …!

Dies und vieles mehr stellte uns als Team vor fast nicht zu bewältigende Aufgaben. In all diesen Unklarheiten kam bei mir die Frage auf, warum machen wir das alles eigentlich? Ich fühlte mich einsam, verlassen und mutlos! Und plötzlich stand für mich die Frage im Raum: Sind wir bei Gott  „rrraus …!?“.

Nein!!!  Im Gebet miteinander wurde mir neu bewußt, daß Gott über all unserer Unfähigkeit steht und einen Blick für das hat, was wir noch nicht sehen können. In unserer Schwachheit sind wir stark durch Jesus (2. Kor 12,10). Ermutigt durch diese Zusage Gottes und im Vertrauen auf sein Wirken ging ich in die letzte Vorbereitungsphase. Trotz allem Streß fühlte ich einen Frieden in mir, der mir in allen Ungewißheiten Ruhe schenkte.

Es machte mir nun keine Sorgen mehr, daß zwei Tage vor dem b::seen spontan die Küche unserer Männerwohngemeinschaft zur Backstube umfunktioniert wurde. Zwei Teenies backten Plätzchen als Begrüßungsgeschenk für die erwarteten Besucher. Ich wurde gelassen darüber, daß wir am Abend vor dem Gottesdient bis 22 Uhr eine letzte Bandprobe hatten und uns sehr spät einfiel, daß wir noch Liedplakate schreiben müssen. Schließlich hatten wir noch die Kraft, bis um 23 Uhr die Instrumente auf das Schloß zu fahren.

Am Donnerstagmittag war es dann so weit. Nachdem das Jugendprogramm vom Vormittag beendet war, blieben uns noch 2 Stunden, um alles aufzubauen. Um 15 Uhr waren ca. 120 Leute da und der b::seen Jugendgottesdienst fand tatsächlich statt. Wir wurden von Gott mit schön­stem Sonnenschein und von Herzen kommender Freude beschenkt, über das, was uns nun erwarten sollte.

Die Hauptsache blieb, daß Gott mit dabei war und jedem Einzelnen die Kraft gab, die er für seinen Part im Ganzen brauchte. Er wendet alles zum Guten. Während der message von Salome (15 Jahre) begriff ich neu: Gott wartet immer auf mich, bei ihm bin ich nie „rrraus“, ich muß ihn „nur“ annehmen, kann immer mit ihm rechnen. Einige Besucher waren begeistert, manche weniger. Aber wir hatten unser Ziel erreicht: jeder hatte sich auf seine Weise auf die Botschaft eingelassen.

Um 16.30 Uhr waren wir glücklich, es geschafft zu haben. Haben wir es geschafft? Nein. Gott hat uns nicht allein gelassen, sondern durch uns gewirkt. Unsere Freude drückte sich spontan in einer ausgelassenen Wasserschlacht im Schloßhof aus. Beim gemütlichen Grillen am Abend stellten wir fest, daß wir als Team selber zu den Beschenkten des Jugendgottesdienstes gehören. Und meine zweifelnde Frage nach dem warum??? erschien mir auf einmal, als ob sie sich mir nie gestellt hätte …!

Von

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