Bauen – beten – begreifen

Wie uns die Herausforderung des Baucamps in Kroatien verändert hat

Ein Jahr in Gemeinschaft leben – ein Wagnis, auf das sich 16 Freiwillige im Alter von 19-23 einließen. In diesem Jahr fand der Auslandseinsatz in Kroatien statt, bei dem wir mithalfen, das Pastoralzentrum der Baptisten in Cakovec weiter fertigzustellen. Während unseres Baucamps erlebten wir (23 Freiwillige im Sozialen Jahr und OJC-Mitarbeiter) das Schlagwort „wir teilen mehr als nur die Arbeit“ in einer neuen Intensität! Zwei Wochen lang teilten wir auf engstem Raum Leben und Arbeit (Bad und Stichsäge). Wir sind zusammengerückt. Nicht nur räumlich, sondern auch innerlich.

von Friedrun Müller

Miteinander bauen... Was passiert, wenn wenige Handwerker und viele Laien – Deutsche und Kroaten – gemeinsam am Werk sind?

Die wenigsten von uns hatten bis vor kurzem eine genauere Vorstellung, was sich hinter einer Dachschräge alles verbirgt. Genau dies sollte sich jedoch in den zwei Baucamp-Wochen ändern. Unter der fachmännischen Anleitung unserer Handwerker isolierten wir Teile des Dachgeschosses im Pastoralzentrums der Baptisten in Cakovec, einer Stadt in Nordkroatien. Wir bauten mit an einer großen Vision: dem Wunsch der Christen dort, in die Gesellschaft hineinzuwirken – sozial, missionarisch, innovativ, kreativ.

Miteinander bauen – dabei waren alle wichtig: Alleine kam man nämlich ganz schnell an seine Grenzen. Wir waren aufeinander angewiesen – auf die Kraft, auf die „dritte Hand“ und manchmal einfach auf den Meterstab des anderen. Wo ich alleine verzweifelte, ging es ganz schnell voran, wenn ich um Unterstützung bat: Gemeinsam schaffen wir’s! Unterstützt wurden wir auch von einigen kroatischen Jugendlichen aus den Gemeinden vor Ort. Immer wieder arbeiteten sie mit uns zusammen und auch in der Freizeit trafen wir uns. Allmählich kamen wir uns näher. Anfangs wirkten die Kroaten eher zurückhaltend und verschlossen. Aber im Laufe der ersten Woche entwickelte sich eine gute Gemeinschaft. Dazu hat besonders der Ausflug nach Vukovar beigetragen: Vukovar, die Stadt, die den Krieg der 90er Jahre mit voller Wucht in die Gegenwart bringt, denn in jeder Straße, an fast jedem Haus ist die brutale Realität des Krieges noch zu sehen. Für die meisten Kroaten, die uns begleiteten, war Vukovar genauso neu wie für uns. Wir machten uns gemeinsam auf den Weg in die Geschichte. Gemeinsam standen wir schweigend vor den vielen Kreuzen und Grabsteinen auf dem Friedhof. Gemeinsam war uns auch die Frage nach dem „Warum?“. Es ging nicht nur um die geschichtliche Situation in Kroatien, sondern um Menschen – um uns! Und das hat uns zusammengebracht.

Und während wir später wieder Hunderte von Brettern lasierten, kam es zu Gesprächen, die weit über den Bretterstapel, der noch zu bewältigen war, hinausgingen: Wie hast du das erlebt? Was denkst du über die Begegnungen, die wir gestern hatten? Was wird bleiben?

Mit einer neuen Tiefe erzählten wir einander von unseren Eindrücken, was uns berührt hat und nachdenklich stimmt. Das gemeinsam Erlebte verband uns und machte uns offen füreinander. Wir konnten beim Streichen über Unwesentliches und Wesentliches reden, unverkrampft und locker unser Miteinander genießen und einander ganz neu bzw. besser kennenlernen.

Der letzte Abend war ein Höhepunkt und Zeichen dafür, daß Beziehungen gewachsen sind. Nach einem leckeren Essen wurden Geschenke ausgetauscht – dabei ging es ganz kroatisch zu: wir saßen einfach locker beisammen, redeten, lachten, sangen Lobpreislieder und der Abend entwickelte sich spontan. Fotos von den letzten zwei Wochen zeigten noch einmal, was alles geworden war. Es war eindrücklich zu sehen, was möglich ist, wenn alle mit anpacken. All die vielen Hände haben dazu beigetragen, daß etwas Großes entstehen konnte: die Isolierung des Dachgeschosses!

Aber es war mehr als nur eine Baustelle...

... den Kroaten war unser Einsatz ein Zeichen dafür, daß es vorwärtsgeht, daß etwas passiert. Der Präsident des kroatischen Baptistenbundes, Thoma Magda, verdeutlichte dies: „Für viele Leute hier seid ihr eine Ermutigung, ein Zeichen, daß es vorangeht mit ihrer Vision, ein Zeichen von Anteilnahme.“

Und für uns...

... ein Ort, an dem wir voneinander und miteinander gelernt haben. Ganz praktische Dinge wie zum Beispiel den Gebrauch einer Kappsäge oder daß Steinwolle tatsächlich Juckreiz auslöst.

... Ein Ort, an dem wir Menschen begegnet sind – einander und den Kroaten. Obwohl ich vor drei Jahren schon einmal als Rucksackurlauberin in Kroatien war, habe ich das Gefühl, daß ich Kroatien erst jetzt kennengelernt habe. Das geschah durch intensive Begegnungen mit den Menschen dort – so bekam das Land ein Gesicht. Ich habe gemerkt, daß man sich nicht einfach von Deutschland aus ein Bild über Kroatien, über die politische Situation, über das Leben der Menschen dort machen kann. Ich werde den Leuten nicht gerecht, wenn ich den Anspruch erhebe, mein Urteil aus „Nachrichtenwissen“ zu fällen. Mir wurde mal wieder bewußt, wie sehr sich der „zweite Blick“ lohnt!

Von

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