Friede mit dir selbst?

Warum es sich lohnt, den eigentlichen Bedürfnissen nachzugehen

von Konstantin Mascher

Selbstbefriedigung ist nach der Sexualaufklärung in den Medien ein unbedingtes Muß und ihre Ausübung – egal wie häufig – ein Zeichen von gesunder Entwicklung. Daß hinter dem Bedürfnis nach Selbstbefriedigung oft ganz andere Fragen als die der momentanen sexuellen Befriedigung stehen, wird dabei vernachlässigt. Es ist aber lohnend, sich dem zu stellen, was dahinterliegt.

Der Mensch ist von Grund auf ein bedürftiges Wesen. Die Bedürftigkeit kommt in bestimmten Situationen oder Umständen deutlicher zum Vorschein. Wie gehen wir mit unserer Bedürftigkeit um? Suchen wir geduldig nach Lösungen und „echter Nahrung“? Oder stillen wir den „Hunger“ sofort mit dem erstbesten Mittel? Der Fernseher, der Griff zum Kühlschrank, der Computer können solche Kompensationsmittel für innere Bedürfnisse sein wie eben auch die Selbstbefriedigung.

In bestimmten Phasen des Lebens, insbesondere in der Pubertät, mag die Selbstbefriedigung ihren berechtigten und begrenzten Raum einnehmen. Männer und Frauen berichten aber immer wieder von dem Drang, „es“ tun zu müssen, als gäbe es einen zwingenden Grund. Spätestens hier stellt sich die Frage, ob die Selbstbefriedigung bei ihnen nicht zu einer ihre Entfaltung behindernden Ersatz- oder Ventilfunktion geworden ist für einen tiefen Mangel.

Selbstbefriedigung schenkt keinen Frieden

Viele nehmen diesen Mangel als ein undefinierbares „graues“ Gefühl wahr. Meistens liegt eine tiefe Unzufriedenheit mit sich selbst vor. Die Gefühlslage ließe sich mit folgenden Begriffen umschreiben: Sehnsucht nach einem Partner, Einsamkeit, Entmutigtsein, Selbstmitleid, Hilflosigkeit, Selbstzweifel, Versagen, das Gefühl, gedemütigt, kraftlos, vernachlässigt,  nicht geliebt zu sein...

Das Wort „Selbstbefriedigung“ vermittelt den Eindruck, man könne bestimmte Bedürfnisse selbst befriedigen – sie also befrieden. Sie bringt wohl eine kurzfristige Entspannung, doch das eigentliche Bedürfnis wird nicht gestillt, das nächste emotionale Tief ist vorprogrammiert. Die „schnelle Lösung“ wird so zu einem eingeschliffenen Verhaltensmuster, das sich in einem immer wiederkehrenden Ritual äußert.

Hindernis im Wachstum

Selbstbefriedigung bleibt so ein Kreisen um die eigene Bedürftigkeit, ohne dabei den wahren Kern zu treffen. Oft ist sie an sexuelle Phantasien gekoppelt, die meistens wenig oder keinen Bezug zur Realität haben. Dadurch entfremden sie mich von anderen Menschen – nicht zuletzt vom Ehepartner oder auch von  mir und meiner Realität der Einsamkeit.

Selbstbefriedigung ist wie „Fast Food.“ Es ist eine schnelle Lösung, die doch nicht wirklich satt macht. Wird der dahinterliegende seelische Hunger nicht zugelassen und durch schnelle (Selbst-)Befriedigung „zugedeckt“, verhindert das die Möglichkeit, sich mit ihm auseinanderzusetzen, Antworten zu finden und daran zu reifen.

Die negative Alternative lautet: zwanghafte Kontrolle. Ich versuche krampfhaft, den Wunsch zu unterdrücken – ich fange an zu zählen, wie häufig ich „es“ jetzt wieder getan habe. Die Folge ist, daß die ganze Energie in die Kontrolle geht, die sowieso nichts bringt, im Gegenteil – sie wirkt eher wie ein Verstärker.  Man sagt sich: „Ich mache es nie wieder“ und macht es dann doch wieder. Frust und Unzufriedenheit sind die Folge.

Eine positive Herangehensweise ist, sich zu fragen: „Warum stehe ich gerade unter Druck? Was versuche ich in mir auszugleichen, zu stillen?“ Der Mechanismus, der zur Selbst­befriedigung führt, ist immer derselbe – der Ursprung mag unterschiedlich aussehen. Es gilt, diesen Mechanismus zu durchschauen.

Praktische Tips

1. Nimm die Wirklichkeit wahr, denn sie wirkt an dir! Gib dem Impuls nicht nach, sondern schau genau hin: Was will er dir sagen?  Versuche, ihn zu verstehen.

2. Suche das Gespräch mit einer reiferen Person. Versuche, mit ihr gemeinsam zu verstehen, was dich dazu geführt hat, die „schnelle Lösung“ zu wählen. Entwickle mit dieser Person Alternativen, wie diese Bedürfnisse konstruktiv gestillt werden können.

3. Nimm das Thema und die Gefühle ins Gebet. Bitte Jesus, daß er dir hilft zu verstehen, welche Bedürfnisse hinter der Selbstbefriedigung stecken und wie du ihnen begegnen kannst.

4. Wenn es mal wieder vorkommt, dann ist das kein Grund, sich selbst zu verdammen. Gott verdammt dich auch nicht. Vielmehr kannst du überlegen: Wie ist es dazu gekommen? Welche Ereignisse haben sich davor oder in den letzten Tagen abgespielt? (Wurde ich von jemandem beleidigt? Habe ich durch meine Eltern, Vorgesetzte, Freunde Ablehnung erfahren? Wächst mir gerade eine bestimmte Situation über den Kopf? Bin ich unzufrieden mit mir?)

5. Phantasien sind Ausdruck einer gesunden Gefühlswelt. Doch auch hier gilt die Frage: Wie gehe ich mit meinen Phantasien um? Phantasien nicht verdrängen oder bekämpfen. Sie werden dadurch nur noch stärker. Es gilt, sie zu betrachten und zu verstehen, was sie mir sagen wollen.

Es lohnt sich, den seelischen Hunger kennenzulernen und ihn mit „fester“ Nahrung zu stillen. In der Auseinandersetzung gewinne ich ein tieferes Verständnis von mir und meinen Bedürfnissen und kann lernen, mich frei zu entscheiden. Ich bin nicht mehr ein „Untertan“ meiner Empfindungen.

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