Im Himmel war es klasse!

Unser Einsatz auf dem Kirchentag
Mit dem Bibelparcours in Hannover

Zwei Stunden Schlangestehen für den Bibelparcours?
Was manchem als unzeitgemäße Zumutung erschien, war für andere der fröhliche Auftakt zu einer spannenden Zeitreise in eine andere Welt.

Ca. 3000 kleine und große Besucher schlüpften während dreier Tage in die Rolle des Mose und erlebten am eigenen Leib etwas von seiner Zerrissenheit zwischen hebräischer Herkunft und ägyptischer Identität. Moses quälende Frage „Wer bin ich?“ und seine tiefe Gotteserfahrung wurde für manche der Zugang zu eigenen Fragen und eigener Gottesbegegnung.

Schon von weitem waren der Trubel und das Treiben auf dem Jerusalemer Markt zu hören. Dort konnte man sich verkleiden, seine Euro gegen Schekel eintauschen und damit handeln, antike Brettspiele spielen, filzen, exotische Gewürze kosten und mit ­allen Sinnen in die Welt Jesu eintauchen.

Ein kurzer, eindrücklicher Passionsweg führte die Besucher auf den Spuren Jesu von der Verurteilung zur Kreuzigung und von dort weiter in den „Himmel“. Der Himmel – erfüllt von den Klängen von Händels großem Halleluja – war für viele das Schönste.

Doch dabei blieb es nicht: der Weg führte weiter durch die Jahrhunderte zurück ins Heute. Dabei kam es zu Begegnungen mit Gestalten der Kirchengeschichte wie Martin Luther, Elisabeth von Thüringen, Bob Pierce und Helen Keller, deren Biographien Zeugnisse sind, wie Jesus Menschen in Bewegung setzt, mit seiner ­Botschaft unsere Welt zu verändern.

Am Schluß erwartete den Besucher noch eine Überraschung: Wer das Schild mit der Aufschrift „Wie sieht ein Mensch aus, den Gott liebt?“ passiert hatte, bog um eine Ecke und blickte in einen großen Spiegel.

Die Botschaft kam an – die meisten Besucher konnten sich erst nach zwei, manche erst nach drei oder vier Stunden trennen – verschwitzt, glücklich und inspiriert. Zum Glück gab’s das Café, in dem sie die Beine lang machen, sich mit Kaffee und Keksen bedienen lassen und das Erlebte verarbeiten konnten.

Fazit einer Besucherin: „Die Wartezeit hat sich gelohnt – mitten im Alltag in eine andere Welt zu treten und von Mut und Verzweiflung, von Heilung und Neubeginn zu hören. Vielen Dank für dieses Erlebnis.“

Ein Projekt greift nach den Sternen

Ein Projekt greift nach den Sternen
... und vor dem brennenden Dornbusch

Elke Werner ist leitende Mitarbeiterin des Christus-Treffs in Marburg, Autorin und gefragte Referentin, aber vor allem Religionspädagogin und Erfinderin des Bibelparcours. Rebekka Havemann fragte sie, welchen Weg sie mit diesem Projekt gegangen ist und wie es ihr Leben geprägt hat.

Elke, etwas „mit allen Sinnen zu erleben“ gilt ­heute als modern. Aber als Du mit den Erlebnis­parcours zur Bibel begonnen hast, war das noch anders –oder?

Ja, als wir 1996 einen „Gebetsgarten“ zum Vaterunser entwickelt haben, war das völlig neu, kam aber bei den Besuchern gut an. Nachdem wir später auch die Passionsgeschichte in solch einem Erlebnis-Weg umgesetzt hatten, kam uns die Idee, etwas für das „Jahr der Bibel“ zu entwickeln. Daraus entstand 2003 der Bibelparcours mit den Themen „Identität“, „Freundschaft“ und „Freiheit“. 

Warum gerade diese Themen?

Wir haben uns überlegt: Was ist jungen Menschen wichtig? Was sind ihre Themen? Und da stehen die Frage „Wer bin ich?“ und die Sehnsucht nach echter Freundschaft und Freiheit ganz obenan.

Wer ist das Zielpublikum?

Alle. Von Schulkindern bis Rentnern und von langjährig engagierten Christen bis „Kirchenfernen“ ist für jeden etwas dabei. Der Bibelparcours deckt verschiedene Ebenen ab. Primär geht es um das Erlebnis: Es gibt viel zum Anfassen, Schmecken, Riechen, Selbermachen; man kann auf dem Markt handeln, sich verkleiden und ganz in eine andere Welt eintauchen. Auf einer anderen Ebene kann man sich mit den biblischen Personen beschäftigen, mit der Zeit, dem Leben und der Botschaft Jesu. Und dann gibt es die dritte Ebene, auf der die Übertragung geschehen kann: Was heißt das für mein Leben, für unsere ­Gesellschaft? Jeder ist ganz frei, sich soweit ein­zulassen, wie er will und kann.

Wie reagieren die Besucher?

99 % sind begeistert, wurden angesprochen und berührt und nehmen etwas Positives mit. Viele, die schon seit Jahren christlich engagiert sind, kommen ganz beglückt heraus, weil sie etwas Neues entdeckt haben. Und viele, die noch nie was mit der Bibel oder dem Glauben zu tun hatten, kreuzen auf dem ­Auswertungsbogen oft an: „Der Bibelparcours hat mir mehr über Gott gezeigt.“ Das ist genau, was wir erreichen wollten.

Welcher dieser Räume ist Dein persönliches Herzstück?

Der „brennende Dornbusch“. In diesem Raum ­geschieht sehr viel. Besucher erleben, daß Gott durch ein gutes Wort in ihre Situation und in ihre verwundete Seele hineinspricht. Im Gästebuch hat jemand das treffend ausgedrückt: „Es war wie ein Kuß auf das Herz.“

Hast Du das alles allein entworfen und umgesetzt?

Nein, das ging nur im Team. Am Anfang hatte der ­Arbeitskreis 16 Leute. Am Ende waren wir sechs Frauen, die durchgehalten haben. Dann gab es noch einen Projektreferenten und einen FSJler, der angestellt wurde. Wir ­haben alles gemeinsam geschultert: von den ersten Ideen über die Hörspiele, die wir geschrieben und die Kostüme, die wir genäht haben bis zur letzten Schraube, die gekauft werden mußte. Es war ein riesiger Aufwand.

Wie viele Arbeitsstunden habt Ihr investiert?

Die kann man nicht zählen. Insgesamt haben wir zwei Jahre daran gearbeitet.

Und woher kam das Geld?

Im „Jahr der Bibel“ wurde der Bibelparcours als ein ­offizielles Projekt des Trägerkreises akzeptiert. Außerdem gab es Sponsoren, die wir hauptsächlich durch persönliche Kontakte gefunden haben. World Vision hat uns z.B. sehr unterstützt. Der ERF hat die Tonaufnahmen kostenlos für uns gemacht, der Christus-Treff Marburg, der Architekt der Bauhütte Volkenroda und andere waren Partner.

Hast Du nie befürchtet, daß dieses gewaltige Projekt mißlingen könnte?

Doch, natürlich. Aber wir haben uns immer gesagt: Wir greifen nach den Sternen und gehen davon aus, daß wir ­genügend Geld und Mitarbeiter haben werden. Natürlich mußten wir Abstriche machen und konnten nicht alles so professionell umsetzen, weil uns Zeit und Geld fehlten. Bei der ersten Eröffnung haben wir dann schon gezittert: Kommt das an? Lassen sich die Leute darauf ein? Was ist, wenn Schulklassen kommen; also Kinder, die nicht freiwillig hier sind? Als wir dann aber sahen, wie fröhlich und begeistert auch die Schulkinder nach Stunden herauskamen, wußten wir: das ist der richtige Weg. Nach diesem „Probelauf“ mit jungen Menschen haben wir uns auf dem Berliner Kirchentag an die große Öffentlichkeit gewagt. Das war ein großer Erfolg mit 5000 Besuchern. Seitdem war der Bibelparcours in acht Orten aufgebaut und hatte bis jetzt ca. 60.000 Besucher.

Jetzt ist der Bibelparcours das letzte Mal in dieser Form zu sehen.
Wie ist das für Dich?

Natürlich ist ein weinendes Auge dabei. Aber ich denke, daß er seine Zeit hatte und daß jetzt etwas anderes dran ist, auch für mich persönlich. Wenn man an einer Methode – egal wie ­erfolgreich –  kleben bleibt, verpaßt man die Bewegungen Gottes in der Zeit. Es ist gut, diesen Parcours jetzt loszulassen. Vielleicht kann daraus ­später etwas neues entstehen.

Der Bibelparcours hat das Leben vieler Leute berührt – auch Deines?

Ja. Ich habe gelernt, Gott noch mehr zu vertrauen. Am Anfang hatten wir gar nichts und dann konnten wir immer wieder sehen, wie Gott uns beschenkt; daß Gelder hereinkommen, sich Mitarbeiter finden und es – oft auf die letzte Minute – irgendwie weiterging. Diese Erfahrung hat mich sehr ­geprägt: man kann Gott vertrauen, auch wenn man nach den Sternen greift.

Es war richtig harte Arbeit...

Es war richtig harte Arbeit
Zu Zeiten Jesu spielen wie ein Kind

Im Bibelparcours ging es nicht darum, schnell möglichst viele Informationen aufzunehmen, sondern sich auf Begegnungen mit der biblischen Geschichte und mit sich selbst einzulassen, damit aus dem Erlebnis eine Erfahrung wird.

Das machte den Erfolg dieses Projektes aus und ist auch der Grund, warum für diesen Einsatz mehr als 100 Mitarbeiter vom Christustreff Marburg und der Offensive nötig waren. Wir waren täglich in zwei Schichten eingeteilt, um die Besucher an den einzelnen Stationen zu begleiten, sie hinterher (mit insgesamt 30 kg) Kaffee zu bewirten und sich mitten im Kirchentags­­trubel Zeit für ihre Fragen über Gott, die Bibel und das Leben in Gemeinschaft zu nehmen.

Mitarbeiterstatements

Schön war die gute Laune der wartenden Leute in der Schlange. Mit denen ins Gespräch zu kommen, fand ich toll. Auch das Miteinander im Team – wir haben zusammen gearbeitet, gebetet und gelacht.    
Stefanie

Es war richtig harte Arbeit. Gut, daß wir uns vorher immer zusammengesetzt haben und versucht, uns auf Gott zu besinnen und auf die Botschaft, die wir rüberbringen wollen. Dadurch war es möglich, die langen Schichten durchzuhalten und auch zum letzten Gast noch freundlich zu sein.
Jeppe

Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, weil mir die Arbeit so viel Spaß machte.   
David

Die Zusammenarbeit im Team faszinierte mich am meisten und daß auch ich ein Mosaikstein in diesem großen Bild sein konnte. Klaus-Martin

Ich habe am Ausgang gearbeitet und die Leute verabschiedet. Als ich sie so strahlend herauskommen sah, wußte ich, daß dieser ganze Aufwand gerechtfertigt ist.
Mirjam

Aus dem Gästebuch

  • Viele meiner Fragen wurden hier beantwortet. Ich denke bestimmt noch lange nach. Danke!
  • Besonders der Himmel war toll. Ich freu mich schon drauf.
  • Ich war in einer anderen Welt – nein in vielen Welten – und dabei ganz bei mir.
  • Die Kinder (8-13) wollten endlich nicht immer nur mit ihren Handys spielen, sondern haben sich hier 2 Stunden mit uns aufgehalten.
  • Das ist Religionsunterricht zum Anfassen.
  • Ich habe noch nie so lebendig in der Bibel gelesen.
  • Ich habe Lust bekommen, meine Bibel zum Nachlesen zu Hause in die Hand zu nehmen.
  • Danke für einen meiner schönsten Tage in meinem Leben mit Gott.

Von

  • Rebekka Havemann

    Krankenschwester, lebt seit 1999 in der OJC. Seit Sommer 2014 verstärkt sie das Team vom Haus der Hoffnung in Greifswald. Seit 2016 gibt sie die Zeitschrift Brennpunkt Seelsorge heraus.

    Alle Artikel von Rebekka Havemann

Das Salzkorn im Abonnement

Jede Ausgabe dieser Zeitschrift können Sie kostenfrei bestellen »

Auch künftige Ausgaben vom Salzkorn (erscheint vier Mal im Jahr) senden wir Ihnen gerne zu. Hier können Sie das Salzkorn abonnieren »

Unsere Veröffentlichungen unterstützen

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, christliche Werte und eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit Strömungen der Zeit auf der Grundlage des Evangeliums an nachfolgende Generation zu vermitteln.

So können Sie spenden:

» Bankverbindung
» Spendenformular
» PayPal