Gottes Einfall ins Dunkel

Warum Weihnachten gefeiert werden muß

Liebe Freunde,

"Ziemlich heruntergekommen
ist euer Himmel",
sagten die Alten.
Die Jünger bestätigten:
"Ja - bis auf die Erde".

Immerzu Winter und niemals Weihnachten? Was wäre aus uns geworden, wenn nicht vor 2000 Jahren der Hoffnungsschein der Christnacht in die Dunkelheit dieser Welt eingebrochen wäre - durch die Geburt eines Säuglings! Nicht gewaltig, sondern zart und zerbrechlich wie das Licht in un­serer Glaskugel auf dem Titelbild. Es drückt sym­bolisch aus, was wir seitdem glauben und feiern dürfen: daß die Wirklichkeit des Ewigen unter uns ist und wir nicht länger dem Dunkel überlassen sind.

Gott hat sich uns geschenkt. Wer versucht, sich die rauhen Verhältnisse - nicht nur um das Jahr Null - in Israel vorzustellen, der spürt, welches unglaub­liche Wagnis der Schöpfergott eingegangen ist, um uns Menschen so nahe zu kommen, daß wir ihn ­begreifen können. "Immanuel - Gott rückt uns auf den Leib"! Roland de Pury will uns in einer tiefen, aber einfachen Sprache Herz und Augen für Gottes gutes Heilshandeln öffnen, damit wir das alte Geheimnis neu in uns aufnehmen und dem Kind in der Krippe erwartungsvoll und freudig begegnen können (S. 306).

Wendezeit - Reifezeit

Jesu Geburt bedeutete eine Revolution in der Menschheitsgeschichte, den Beginn einer Zeitenwende. Unser christlicher Kalender ist bis heute ein sichtbares Zeichen dafür. Das Licht seiner Liebesbotschaft hat sich tief in unsere Welt hinein ausgebreitet. Aber, um es mit Paul Tillich zu sagen, "mit dem Wachstum des Reiches Gottes wird auch das Dämonische stärker und zerstörerischer": Neid, Haß, Zwietracht und ihre häßlichen Geschwister lassen nicht locker, vertrauensvolle Beziehungen zu Gott und zu Menschen zu verhindern, zu sabotieren und wenn möglich zu zerstören. Aber hier, im Stall von Bethlehem, hat das versöhnende Licht Gottes seinen Siegeszug unumkehrbar angetreten, auch wenn uns unser Alltag und unsere Lage oft umkämpft erscheinen und es auch sind

Im Miteinander der vergangenen Wochen hier in der OJC sprach einer der Geschwister treffend aus, was die Herausforderung für uns ist: "Mit Jesus leben lernen, heißt reif werden für die Ewigkeit." Dieses Reifwerden bedeutet für uns, die wir offensiv leben wollen, vor allem zweierlei: klarer unterscheiden und inniger versöhnen lernen. Diese widerspruchsvolle Einheit auszuhalten und in den großen und kleinen Dimensionen unseres Lebens zu beherzigen, kostet Kraft und Ausdauer, weckt aber auch neue Lebenskräfte und bewirkt Hoffnung.

Klarer unterscheiden

Unlängst hat DIE ZEIT (13.10.05) über ein Aufklärungskonzept der Stadt München berichtet, das Jugendlichen helfen soll, ihre homoerotischen Gefühle zu identifizieren, und dafür wirbt, sich mit einem homosexuellen oder transsexuellen Lebensstil vertraut zu machen. Zu diesem Zweck wurden Briefe an alle Eltern von Schülern der 9. Klassen verschickt. Es ist ein weiteres Indiz dafür, daß die Agenda der Homosexuellenlobby längst in den öffentlichen Institutionen angekommen ist und daß weiter daran gearbeitet wird, die Fundamente einer Orientierung am jüdisch-christlichen Menschenbild zu zerstören. Bislang konnte man davon ausgehen, daß verantwortliche Aufklärung im Bereich Identität und Sexualität in Schulen ausgewogen dargestellt wird.

Die jetzt in München und wohl bald auch in anderen Bundesländern verfolgte politische Strategie macht anschaulich, wie eine derart einseitige Aufklärung zur Desinformation und Verführung beiträgt.

Es ist ein entwicklungspsychologisches Phänomen, daß in der Adoleszenz bei vielen jungen Menschen homoerotische Gefühle auftreten und später wieder verschwinden. An keiner einzigen Stelle weist das Münchner Projekt auf diese Tatsache hin und verschweigt, daß es sich in den meisten Fällen um eine vorübergehende Phase handelt. Um Eltern und pädagogische Begleiter von Heranwachsenden umfassend zu informieren und zu stärken, haben wir jetzt den Sonderdruck Herausforderung Adoleszenz herausgebracht.

Es ist uns wichtig, der einseitigen Informationspolitik zum Thema Homosexualität etwas entgegenzusetzen und Eltern und Multiplikatoren zu befähigen, junge Menschen in dieser Phase kompetent und einfühlsam auf dem Weg in ihre Identität als Mann oder Frau zu begleiten. Wir freuen uns, wenn Sie den Ratgeber bei uns bestellen (siehe Kasten rechts) und an Vertreter von Schulen und in Gemeinden weitergeben.

Miteinander vernetzen

Im Ringen um eine Kultur des Lebens sind uns auch unsere Partnerschaften und Vernetzungen mit Multiplikatoren in andern Ländern ­wichtig. Gerade kam unser Institutsmitarbeiter Konstantin Mascher von der NARTH-Kon­ferenz in den USA zurück, wo er als Referent sprechen konnte. Neben Therapie- und Forschungsarbeit leistet NARTH, in der über 1.000 Therapeuten zusammengeschlossen sind, auf dem US-amerika­nischen Kontinent Aufklärungs- und Bildungsarbeit in den Bereichen der Entwicklung von Männlichkeit und Weiblichkeit (www.narth.com). Es geht bei dieser Thematik um nicht mehr und nicht weniger als die Grundorientierung und das innere Lebensfundament für die nächste Generation. Darum bleiben wir dran.

Inniger versöhnen

Berührt und verändert hat uns auch die Begegnung mit jüdischen Eltern, deren Kinder in den letzten Jahren durch Terrorakte in Israel schwer verletzt oder getötet wurden. Nachdem der iranische Präsident im November öffentlich zur Vernichtung Israels aufgerufen hat, ist es uns besonders wichtig, an den Versöhnungswegen mit un­seren jüdischen Geschwistern festzuhalten und Flagge zu zeigen. Wir sind dankbar, daß wir mit unserer Greifswalder OJC-Zelle abermals mithelfen konnten, einzelnen israelischen Familien zeichenhaft aber konkret "Tage ohne Gewehrschuß" zu ermöglichen. Wir werden die Begegnungen mit israelischen Terroropfern auch im neuen Jahr in Reichelsheim fortsetzen (S. 294).

Einander entdecken

Bereits zum dritten Mal in Folge trafen sich über den Buß- und Bettag 50 Vertreter evange­lischer Gemeinschaften und Kommunitäten zur Jahrestagung des TGG (Treffen Geistlicher ­Gemeinschaften). Vor drei Jahren hatten wir das erste Treffen hier in Reichelsheim mit angestoßen. In diesem Jahr fand es im ökumenischen Lebenszentrum Ottmaring bei Augsburg statt. Inzwischen ist das TGG eine feste Größe in der evange­lischen Kirchenlandschaft geworden und ein wichtiger Integrationsort für die Belange evangelischer Gemeinschaften, insbesondere der Fami­liengemeinschaften in der EKD. Es bildet so die Ergänzung zu den zölibatären Gemeinschaften in der Konferenz evangelischer Kommunitäten (KeK).

Das wachsende Netzwerk in Deutschland ist auch deswegen interessant, weil die parochiale Struktur der Ortsgemeinden - bisher ohne Alternative in der Evangelischen Kirche - allmählich porös wird. Die jenseits dieser Struktur sich bildenden Gemeinschaften aber wachsen. Im Raum der EKD engagieren sich momentan mehr als 200 Gemeinschaften mit über 5000 Mitgliedern

Beziehungen klären

Die verfaßte Kirche (EKD und Gliedkirchen) und die Gemeinschaften bzw. Kommunitäten stehen nun vor der spannenden Aufgabe, ihr Selbstverständnis und ihre Beziehung zueinander zu klären. Die EKD hat sich dieser Herausforderung gestellt und vor einigen Monaten eine "Arbeitsgruppe Evangelische Kommunitäten" gebildet, in der auch die OJC mitarbeitet.

Wir sind gespannt, welche Impulse und Empfehlungen aus diesem Gespräch an die Landeskirchen hervorgehen werden. Fest steht, wie Bischof Zippert (Marburg) beim TGG-Treffen betonte, daß "die Gemeinschaften unregelmäßige Verben in der bisherigen Kirchenlandschaft sind, die nicht nach den Prinzipien der ­Parochie konjugiert werden können, in ihrer Andersartigkeit aber eben auch einen besonderen Schatz in der Kirche darstellen".

Zippert nannte es eine zentrale Aufgabe, einander besser kennenzulernen und den Schatz der Gemeinschaften für die Kirche fruchtbar zu machen. Wir freuen uns an dem, was da in Bewegung gekommen ist 

Reichtum teilen

Weihnachten ist auch das Fest der weltweiten Geschwisterschaft. Die Freudenbotschaft von Gottes Menschwerdung gilt allen - er ist gekommen als Licht, zu erleuchten die Völker. Wo wir können, dürfen wir diese Botschaft mittragen, indem wir unseren Reichtum teilen mit denen, die weniger haben als wir. Wir werden auch in diesem Jahr wieder mit der OJC-Weihnachtsaktion in Krisen­regionen unseren bewährten Partnern helfen, gegen Hunger, Haß und Hoffnungslosigkeit Zeichen der Hoffnung zu setzen und Not zu lindern (S. 295).

Gott kommt. Wir müssen ihm nicht nachhelfen - aber wir können uns auf ihn vorbereiten, auf den König aller Könige, und ihm die Wohnung bereiten. Das ist zuallererst der Raum unseres Herzens. Putzen und Einkaufen, Essen und Geschenke, Besuch und Gäste - das alles gehört auch zu Weihnachten. Aber im Innersten brauchen wir die offene Türe für den Besuch des Kindes und die Bereitschaft, mit ihm in ein Zwiegespräch einzutreten ­(S. 300).

Danke für Ihre Weggemeinschaft im Glauben und für alles Mittragen in diesem Jahr. Mit der ganzen OJC hier und in Greifswald - die wir Ihnen in diesem Heft wieder im Bild vorstellen - grüße ich Sie herzlich mit dem Zuruf unseres starken Gottes für das kommende Jahr: "Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht" (Josua 1,5b)

Ihr

Dr. Dominik Klenk

abgeschlossen am 28.11.05

Von

  • Dominik Klenk

    Journalist und Medienpädagoge; Leiter und Prior der OJC von 2002-2012; seitdem Leiter des fontis' Verlags (ehemals Brunnen Verlag), Basel

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