Auf dem Weg nach Hause

Bildmeditation zu Mt 2,1-12

von Ralph Pechmann

Es ging ein Gerücht um in Jerusalem, das Gerücht vom neugeborenen König der Juden. Gojim hatten es in die Welt gesetzt, Ungläubige, die nichts mit dem jüdischen Leben gemein hatten. In jüdischen Augen galt ihre religiöse Praxis als Götzendienst.

Wer waren sie? Weise Männer, Gelehrte, die es verstanden, die Ereignisse menschlichen Lebens, irdisches Schicksal, aus den Sternen und ihren Bewegungen am nächtlichen Firmament zu lesen. Gewöhnlich  Botschaften an andere. Doch diese eine traf in ihr Herz und auf ihre ureigenste Sehnsucht. Entschlossen machten die Weisen sich auf den Weg nach Jerusalem - mit dem einen Wunsch, den Weltenretter, den neugeborenen König zu finden. Nicht einen persischen König, geboren in ihrer babylonischen Heimat. Der Stern wies sie in ein kleines, bescheidenes Land. Getrieben von ihrer Sehnsucht, folgten sie ihm über vertraute Grenzen hinaus.

Was den Sternkundigen Verlangen war, weckte bei dem großen Herodes pures Grauen. Wo sie die Erfüllung ihrer Sehnsucht erwarteten, da witterte er, der Judenkönig, die Bedrohung seiner Macht - durch ein Kind. Die bloße Auskunft der Schriftgelehrten, der neue König werde in Bethlehem geboren, reichte ihm nicht. Er musste  Zeit und Stunde wissen, "wann der Stern erschienen wäre", um das Übel mit der Wurzel zu beseitigen. So empfahl er den drei Weisen, fleißig nach dem Kind zu forschen. Würden sie fündig, wäre es für sie das Ziel ihrer Träume, für Herodes die Chance, den Konkurrenten auszuschalten.

Von neuer Hoffnung beflügelt, zogen sie ihren Weg, dem Gott ein Ziel gesetzt hatte. Geleitet von ihrer Sehnsucht wurde ihnen der Weg durch die Fremde zum Weg nach Hause: Der Mensch ist nicht bei sich zu Hause, sondern er ist auf dem Weg nach Hause, schreibt Anselm Grün. Und er wird dort nur ankommen, wenn er aus sich selbst auszieht und sich auf den Weg zu Gott macht, der ihn anzieht und solange auf den Weg schickt, bis er sich nicht mehr bei Vorläufigem aufhält, sondern bei Gott selbst ankommt und bei ihm für ewig daheim ist.

Als die Magier in fremder Umgebung das vertraute Sternzeichen wiedererkannten, "freuten sie sich über die Maßen". Geleitet von diesem Zeichen, traten sie in die Herberge ein und "fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter".

Drei Männer, die um ihre soziale Stellung und ihre priesterliche Würde wissen, beugen nicht so leicht ihre Knie. Aber von diesem Kind mitten in einem armseligen Stall ging ein ungewöhnlicher Glanz aus, so dass sie niederfielen, überwältigt von Ehrfurcht. Gott hat Wort gehalten - in einem Kind kam er auf die Erde ohne Macht und Prunk: nicht um zu herrschen, sondern uns zu dienen.

Das öffnete ihnen das Herz für Gottes Menschenzuneigung. Vor Freude und Dank teilten sie mit ihm ihre Schätze: Gold, Weihrauch und Myrrhe, das Wertvollste aus dem Vorrat ihres Lebens. Die alten Kirchenväter deuteten das Gold als Liebe, den Weihrauch als Sehnsucht, die Myrrhe als Schmerzen. So schenkten sie dem Kind nicht nur, was sie hatten, sondern was sie waren: ihre Liebe und ihre Sehnsucht ebenso wie ihre Schmerzen, Enttäuschungen und Leiden, ständige Begleiter auf dem Lebensweg. Dies alles  reichten sie dem Kind als goldene Krone dar und huldigten ihm, dem größten aller Könige.

Mit gestillter Sehnsucht und reich beschenkt kehrten sie heim in ihr Land.

Von

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