Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein

Abschied vom EKD-Beauftragten für die Kommuntäten Christian Zippert    

von Dominik Klenk

Am 30. Oktober wurde der "Kommunitätenbischof" Prof. Dr. Christian Zippert in einem Festakt auf Schloss Schwanberg offiziell verabschiedet. Im Namen der deutschen Kommunitäten und geistlichen Gemeinschaften hielt Dominik Klenk folgende Abschiedsrede und überreichte dem scheidenden Bischof "seinen Engel".

Lieber Bruder Zippert,

im Namen der evangelischen Kommunitäten und der geistlichen Gemeinschaften möchte ich Ihnen ganz herzlich danken. Wir haben viel Gutes durch Sie empfangen.
Was bedeutet es, Beauftragter der Ev. Kirche für den Kontakt zu den Kommunitäten zu sein?
Die Aufgabenbeschreibung der EKD für dieses Amt kenne ich nicht, würde aber im Erleben Ihrer Person und Ihrer Tätigkeiten Ihren Auftrag etwa so beschreiben: Sie sollten die oft gar nicht so leicht einzuordnenden Kommunitäten und kommunitätsähnlichen Gemeinschaften, die in meist nicht definierten Verhältnissen zu ihren Landeskirchen stehen und zu dynamischen und heterogenen Entwicklungen neigen, in der Weise begleiten, dass ein fruchtbares Miteinander von Landeskirche und Gemeinschaften möglich und die lebendige Vielfalt am Leib Christi sichtbar wird.
Das lässt einiges an Herausforderungen Ihres Dienstes erahnen, für das Ihnen weder ein Büro noch ein Sekretär, geschweige denn ein Chauffeur zur Verfügung stand. Sie waren wahrlich nicht nur ein Beauftragter, Bruder Zippert, Sie waren ein Sonderbeauftragter.
Es waren sechs kostbare und reiche Jahre, die Sie mit uns gegangen sind - in denen Sie mit uns gerungen, für uns gesprochen und mit uns gebetet haben. Drei Weg-Marken Ihres Dienstes sind uns besonders wertvoll geworden:

Wegbegleitung

Mit großer Ausdauer haben Sie jährlich weite Strecken auf sich genommen, um unsere Gemeinschaften zu besuchen, sie kennen- und verstehen zu lernen.
Sie haben in Krisenzeiten Übergänge und in Aufbruchszeiten neue Wege begleitet. Sie haben mitgelitten, mitgefeiert und sind ein ganz wichtiges Stück des Weges mitgegangen.

Wegbereitung

Es war die Einheit der Kirche, die Ihnen immer am Herzen lag: innerevangelisch, aber auch darüber hinaus. Sie haben um Vertrauen gerungen für die Durchführung eines Geistlichen Zentrums von evangelischen und katholischen Klöstern und Gemeinschaften auf dem ökumenischen Kirchentag in Berlin. "Wie wächst die Ökumene?", habe ich Sie einmal gefragt. Ihre Antwort damals: "Langsam, aber sicher."
Den Weg mitbereitet haben Sie für die Gründung des Treffens Geistlicher Gemeinschaften (TGG) in der EKD, das neben dem Treffen der zölibatär Lebenden in der Konferenz evangelischer Kommunitäten (KeK) als Forum auch für die Gemeinschaften dient, die mit Familien bestückt sind. Angeregt durch die Impulse aus beiden Konferenzen haben Sie sich starkgemacht für eine Klärung des Verhältnisses von Kommunitäten und geistlichen Gemeinschaften innerhalb der Evangelischen Kirche: Was ist eine Kommunität? Wo und wie sind solche Gemeinschaften verortet? Was ist ihr Dienst an der Kirche? Was ist der Dienst der Kirche an den Kommunitäten?
Seit nahezu zwei Jahren arbeitet die "Arbeitsgruppe Kommunitäten" mit Vertretern aus EKD und Kommunitäten an einem Grundlagentext, der wohl noch in diesem Jahr vom Rat der EKD verabschiedet wird.
"Wie finden geistliche Gemeinschaften und Kommunitäten ihren Platz in der EKD?", fragte ich Sie auf einer gemeinsamen Zugfahrt nach Hannover. "Langsam, aber sicher", lautete erneut Ihre gelassene und zuversichtliche Antwort.

Wegzehrung

Bruder Zippert, Sie haben die Kommunitäten nie nur verwaltet. Sie haben im Gegenteil immer auch Sorge getragen für ihr geistliches Wohl. Sie haben für Ernährung gesorgt. Wenn ich ein Bild wählen müsste, um Ihren Dienst an unseren Gemeinschaften zu veranschaulichen, so wäre es die Szene, die wir oft mit Ihnen erlebt haben: Sie stehen im weißen Talar am Altar, sprechen die Einsetzungsworte und teilen das Abendmahl aus.Sie haben uns - angesichts aller Unregelmäßigkeit der Gemeinschaften, aller Unterschiedlichkeit zwischen den Kommunitäten und aller Unüberschaubarkeit und Vielfalt der individuellen Lebenswege - in Lehre und Praxis immer wieder zum Zentrum hingeführt, zum gemeinsamen Mahl im Geben und Empfangen: "Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Christus" (1. Kor 3,11). Ganz gleich, welcher Generation wir angehören und wie wir geprägt sind: Ihm sind wir alle gleich nah. Christus der Eckstein - wir die lebendigen Steine seiner Kirche. Das Grundnahrungsmittel des Abendmahls war die Wegzehrung, die Sie uns immer wieder ausgeteilt haben.Lieber Bruder Zippert, Sie waren uns sechs Jahre lang ein wertvoller Wegbegleiter, Wegbereiter und haben immer wieder für die wesentliche Wegzehrung gesorgt. Sie waren ein außergewöhnlicher Sonderbeauftragter für die Kommunitäten - wir sind Ihnen dafür von Herzen dankbar. Am Ende dieser gemeinsamen Wegstrecke möchten wir Ihnen gerne etwas schenken, um unserem Dank einen bleibenden Ausdruck zu verleihen. Wir haben uns überlegt, Ihnen gleichfalls einen Sonderbeauftragten zu übergeben - einen Sonderbeauftragten des Himmels. Einen, der Ihnen und Ihrer Frau beistehen und Sie daran erinnern soll, dass das Beste noch vor uns liegt. Ein Bote, der mit starken Händen der Erde zugewandt ist und den Himmel fest im Blick hat. Die hölzerne Substanz dieses Engels ist schon über 1000 Jahre alt. Die Skulptur kündet dennoch von der Gegenwart des Kommenden. Wie wir der Ewigkeit näher kommen? Lieber Bruder Zippert: Langsam, aber sicher! Der geschnitzte Engel verkörpert etwas von seinen großen Erz-Geschwistern: Michael - Wer ist wie Gott? Gabriel  -  Gott ist Kraft! Raphael - Gott heilt!Möge der Sonderbeauftragte des Himmels nun Ihnen und Ihrer Frau ein treuer Wegbegleiter sein auf dem Weg in eine neue Zeit.

Von

  • Dominik Klenk

    Journalist und Medienpädagoge; Leiter und Prior der OJC von 2002-2012; seitdem Leiter des fontis' Verlags (ehemals Brunnen Verlag), Basel

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