Liebe Freunde!

Herr, unser Gott, Du hast unzählige Wege, auf denen Du möglich machst,
was uns unmöglich scheint. Gestern war noch nichts sichtbar, heute nicht viel, aber morgen - morgen steht es vollendet da.
Jeremias Gotthelf (1797-1854)

Unter allen unwichtigen Dingen ist Fußball bei weitem das wichtigste.
Papst Johannes Paul II. (1920-2005)

Gastfreundschaft gewähren, bedeutet, einander Rast geben auf dem Weg nach dem ewigen Zuhause. So schlicht und schön hat Romano Guardini (1885-1968) das Unterwegssein des Menschen, sein "Pilgern und Verweilen" zusammengefasst. Viele von uns machen sich dieser Tage auf, um loszulassen, aufzuatmen und den Alltag hinter sich zu lassen. Um selber Gast zu sein in der Kultur eines anderen Landes, einer fremden Sprache, bei anderen Menschen. Sommerzeit ist Ferienzeit.

Die Welt zu Gast bei Freunden (I)

Für manchen hat der Urlaub stimmungsmäßig schon Anfang Juni begonnen: Die Fußball-Weltmeisterschaft brachte unzählige Gäste aus anderen Nationen in unser Land und eine wohlige Atmosphäre zwischen spannenden Spielen und entspannten Zeiten des gemeinsamen Feierns. Vor einem Jahr war noch kaum vorstellbar, mit welcher Begeisterung und Selbstverständlichkeit sich auch Fußball-Unkundige in diesem Land über die guten Spiele der deutschen Mannschaft freuen und dieser Freude in Gemeinschaft mit vielen anderen Ausdruck geben können. Das Wunder hat einen Namen.

Ein Klinsmann-Sommer...

Aus Mangel an Alternativen war Jürgen Klinsmann eigentlich nur die Notlösung als Bundestrainer gewesen. Aber er entpuppte sich als Glücksfall für den Sport und für das ganze Land. Mit seiner Spielphilosophie und seinem Mut, sich von beißender Kollegen-Kritik und den Beharrungskräften in den Institutionen nicht beirren zu lassen, aktivierte er die Menschen in Deutschland. Ein befreites Aufatmen ging durchs Land: Endlich Schluss mit frustig!
Was war sein Geheimnis? Er entzündete in seinen Spielern, was er selbst verkörpert: Leidenschaft, Entschlossenheit und Hingabe - die Bereitschaft, Eigeninteressen freiwillig dem Ganzen unterzuordnen. Das Zauberwort, das aus einem
B-Team ein Top-Team machte, hieß Teamgeist. Ein Spiegeljournalist bekannte: Ich will Teil dieser Mannschaft sein. Die Zugehörigkeit zu einer verschworenen Gemeinschaft ist ein uralter Wunsch des Mannes. Bedingungsloses, kindliches Urvertrauen, die Abwesenheit von Neid und Eifersucht, reines, starkes Miteinander - davon träumt jeder von uns einmal.

... ist ein Anfang

Ein Klinsmann-Sommer allein genügt nicht. Die Zugehörigkeit zu einer verschworenen Gemeinschaft mit leidenschaftlicher Hingabe an ein Ziel kann man weder kaufen noch verordnen. Sie muss von innen heraus wachsen und sie darf erbetet werden! Denn genau sie ist es, die Gottes Geist in uns und unter uns wecken will. Der Epheserbrief aus der Tageslese dieser Wochen bezeugt es: "Werdet dem Ruf gerecht, der an euch erging; bemüht euch um Einheit, ein Leib, ein Geist, berufen zu einer Hoffnung!" (Eph 4).
Nicht nur die Welt war zu Gast bei Freunden, auch die Freude kam als Gast zu uns. Wie ein Herzkatheder hat diese Weltmeisterschaft den Deutschen wieder ein Stück Zugang zu ihrer Identität gegeben. Nach jahrzehntelangem Abgeschnürtsein vom Herzen der eigenen Nation hat sich durch die WM wieder ein Zugang eröffnet. Heilung braucht Zeit und unsere schwere Geschichte darf nie vergessen werden, aber unsere Zukunft geht darüber hinaus.

Wege zum Leben (I)

Immer wieder überrascht uns das Leben mit solchen Durchbrüchen und Neuanfängen, so dass wir nur staunen können. Und gerade in diesen Momenten wird unwiderstehlich klar, was wir im Alltag häufig vergessen: Christsein ist ein Abenteuer. Wir sind leibhaftig eingewoben in die lebendige Geschichte des lebendigen Gottes mit lebendigen Menschen! Wir sind keine Anhänger einer Buchreligion, sondern Teilhaber eines Dramas mit Happy End - hineingestellt in den großen Horizont der Heilsgeschichte Gottes, die sich zwischen der Schöpfung dieser Welt und der von Gott verheißenen und von uns erwarteten Vollendung in der Zukunft abspielt.
Diese Wege zum Leben immer wieder neu zu entdecken, uns aufzumachen und überraschen zu lassen, dazu wollen wir einander ermutigen und inspirieren. 

Wege zum Leben (II)

Dass wir den Zugang zu unseren Lebenswurzeln wiederfinden und die unsichtbare Wirklichkeit Gottes durch das sichtbare Dasein hindurch erkennen, ist leider nicht selbstverständlich. Die Traditionsabbrüche unserer jüdisch-christlichen Kultur - gepaart mit der Schnellebigkeit unserer Zeit - hat den tragenden Boden innerer Zugehörigkeit brüchig werden lassen. Die Frage nach Herkunft, Identität und Zukunft bleibt für viele - gerade junge - Menschen heute unbeantwortet. Orientierung tut not. Was könnte unser zeitgemäßer Anteil sein, um die junge Generation mit der Frage nach ihren Lebenswurzeln und ihrer Lebenshoffnung in Berührung zu bringen?
Anfang des Jahres haben wir uns in der OJC dafür entschieden, unserer Tagungsstätte Schloss Reichenberg eine neue inhaltliche Bestimmung zu geben und ein innovatives missionarisches Projekt zu starten, das Menschen wieder mit dem Abenteuer des Glaubens in Berührung bringen kann. Schloss Reichenberg soll Heimat des Erfahrungsfeldes "Wege zum Leben" werden. Wir sind überzeugt, dass es heute Orte des Glaubens braucht, an denen man Menschen, Geschichten und Symbolen begegnen kann, die diesen Glauben in sich tragen. Auf der Burganlage soll eine moderne Pilgerstätte entstehen. Wir stellen Ihnen heute zum ersten Mal vor, wie wir das Projekt gestalten wollen und welchen erlebnispädagogischen Zugang wir dafür entwickelt haben (S. 166). Es wird viel Glaube, Kraft und Ausdauer brauchen, um es in den nächsten Monaten und Jahren voranzutreiben. Wir freuen uns, wenn Sie innerlich mit einsteigen und uns nach Kräften begleiten, vielleicht sogar mit anpacken (s. Rückseite) und Teilhaber an diesem missionarischen Zukunftsprojekt werden.

Die Welt zu Gast bei Freunden (II)

Einen fröhlichen und gesegneten Himmelfahrtstag mit über 900 Gästen hatten wir im Rahmen des OJC-Festivals vom 25.-27. Mai. Die von Jahr zu Jahr wachsende Freundesschar hat uns sehr ermutigt und viele Freunde konnten ihrerseits kostbare Impulse für ihren Alltag mitnehmen. Schluss mit frustig! war unser gemeinsames Motto. Horizonte für eine Offensive der Hoffnung haben wir miteinander ausgewickelt. Die Impulse für ein geistliches Kämpferleben von Markus Spieker
(S. 154), Maria Kaißling (S. 160) und Stefan Kunz (S. 174) haben wir für Ihre geistige Urlaubsapotheke in Salzkornformat gegossen.
Mein persönliches Highlight am OJC-Festival war die Begegnung mit der kleinen Lea Kampa (9) aus Krefeld, die mir in einem kurzen Dialog eindrücklich klar machte, dass ich mir keine Gedanken um den Nachwuchs der Gemeinschaft zu machen brauche. Lea: "Wie alt bist Du?" Ich: "37 Jahre." Lea (nach kurzem Rechnen): "Dann kannst Du ja noch leben, wenn ich bald ein FSJ bei Euch in der OJC mache."

Die Welt zu Gast bei Freunden (III)

Das Beste an uns sind unsere Freunde! Dieses Wahr-Wort hat sich in diesen Wochen wieder voll bestätigt. Ein Höhepunkt aus den letzten Wochen war der sehr anrührende Besuch und interkulturelle Austausch mit jungen Israelis hier in Reichelsheim (S. 150).
Verändert hat uns auch die Begegnung mit unserem Projektpartner Albert Baliesima. Er gewann uns neu für seine brennende Hoffnung im Kampf gegen AIDS im Kongo: Schon mit 60 € kann man ein Neugeborenes durch eine medizinische Kur vor der Infizierung durch die HIV-positive Mutter schützen und sein Leben retten! Dieses Projekt und den vorbildlichen medizinischen Dienst der Anglikanischen Kirche im Kongo wollen wir weiter unterstützen.
Eine Freundschaftsvertiefung erlebten wir dieser Tage mit Arthur Goldberg und seiner Frau aus New Jersey. Mit viel jüdischem Charisma und Herzblut leiten sie die segensreiche Arbeit von JONAH (Jews Offering New Alternativs to Homosexuality) in den USA. Es hat uns tief bewegt, wie vielen Menschen sie in den vergangenen Jahren aus persönlicher Not und Identitätsverwirrung heraushelfen konnten.
Immer schön ist es, alte Freunde und OJC-Ehemalige nach vielen Jahren wiederzusehen. In den vergangenen Wochen waren das u.a. Ron und Maria Rova von den Fidjis, Ute Paul aus dem Chaco/Argentinien, Ina Orme und Karen Folkerts aus den USA. Schon fast selbstverständlich ist der Austausch mit unseren Schweizer Nachbarn von der Schleife, dem CVJM Basel, dem Hasliberg und Chrischona. Dass wir als Christen in ein weltweites Netz aus Geschwistern eingewoben sind, gehört zum Schönsten unseres Christenlebens und "ist ein Zeichen anbrechender Gottesherrschaft" (Otto Michel).

Wege zum Leben (III)

Mit jedem Salzkorn versuchen wir, mit Ihnen zu teilen, was uns wertvoll und wichtig ist. Salzkörner zu "backen" und an Freunde und Multiplikatoren in Kirche und Gesellschaft weiterzugeben, ist ein zentraler Teil unseres OJC-Auftrags: Wir wollen das Leben und Denken der nächsten Generation auf Christus lenken.
Dass die OJC bis heute fast ausschließlich durch die freien Gaben und Spenden unserer Freunde getragen wird, erfüllt uns mit Dank und Freude. Nur darum kann das Salzkorn bleiben, was es ist: werbefrei, würzig, christusverpflichtet und unabhängig.

Wie es um unsere Finanzen im vergangenen Geschäftsjahr (2005) aussah, möchten wir Ihnen heute gern ausführlicher darlegen (S.183f). Grundsätzlich kann gesagt werden: Es war finanziell ein gutes Jahr für die OJC! ! Der Blick auf den aktuellen Finanzbarometer zeigt, dass das Sommerloch im anrollen ist und dass wir sowohl weiter Ihre Unterstützung als auch die Unterstützung neuer Freunde brauchen, wenn wir die inhaltlich anspruchsvollen Aufgaben auf diesem Niveau weiterführen und die neue Vision der "Wege zum Leben" auf Schloss Reichenberg in Angriff nehmen wollen.
Bitte betet mit, dass Gott Menschen bereit macht, unsere missionarische Arbeit durch regelmässige Spenden zu unterstützen.
Zum 1. September werden zwei junge Mitarbeiterfamilien mit ihren Kindern zu unserem Team dazustoßen: Andreas und Dagmar Link werden die pädagogische Arbeit auf dem Schloss verstärken, Ralf und Marsha Nölling werden die Dorfgemeinschaft und unser Organisationsteam ergänzen. Wir sind dankbar, dass Gott bis heute junge und motivierte Mitarbeiter in unseren "Bettelorden" sendet und freuen uns miteinander auf die vor uns liegenden Herausforderungen.
Danke für alle Freundschaft und Verbundenheit,  Ihre Rückendeckung, Ihr Mittragen und alle Unterstützung unseres Dienstes!
Mit der ganzen OJC

Ihr

Dr. Dominik Klenk
abgeschlossen am 9.7.2006

Von

  • Dominik Klenk

    Journalist und Medienpädagoge; Leiter und Prior der OJC von 2002-2012; seitdem Leiter des fontis' Verlags (ehemals Brunnen Verlag), Basel

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