Nimm deinen Raum ein!

Nimm deinen Raum ein!

Von der Kunst, in der Rufweite Jesu zu leben

von Írisz Sipos

Christen fragen sich oft, welcher Art ihre Berufung ist und welche konkrete Form ihre Nachfolge annehmen soll, um Frucht zu bringen. Anhand biblischer Berufungsgeschichten beschreibt Írisz Sipos drei grundlegende Impulse, an denen sich eine Lebensberufung entzünden kann und die Christus gebraucht, um seine Gemeinde zu festigen, zu formen und zu heiligen.

Berufung ist ein zentraler Begriff der biblischen Heilslehre. Wir sind Berufene und möchten auch als solche leben. Doch wie lässt sich das bewerkstelligen? Berufung fordert den Menschen zwar zum Handeln heraus, appelliert an seinen Willen und kann nur von ihm gestaltet werden; die Initiative dazu ist jedoch Gott vorbehalten und Berufung widerfährt dem Menschen naturgemäß. Diese Zweiheit im Wesen von Berufung lässt sich argumentativ nicht auflösen, weder für den Ruf im einzelnen, noch im Sinne einer eindeutigen dogmatischen Klärung des Zusammenspiels von menschlichem Wollen und göttlichem Bestimmen. In dieser Spannung müssen wir engagierte Nachfolge leben, Ungewissheit und Irrtümer in Kauf nehmen und Vertrauen wagen.

Berufen zum Sein

Hinzu kommt, dass wir als Erben von Humanismus, Reformation und Emanzipation des religiösen Individuums mit "Berufung" anderes assoziieren als die Menschen früherer Epochen. Im Neuen Testament beziehen sich alle Wortbildungen, die von dem griechisch Verb kaleo (lat. vocare) abgeleitet und bei Luther mit berufen übersetzt sind, durchweg auf eine bestimmte Lebens- und Seinsqualität. Berufen sind die Erlösten zur Freiheit, Hoffnung, Einigkeit, zum Frieden, in die Gnade, aus der Finsternis ins Licht, als Erben der Herrlichkeit, zum Mahl des Lammes. Berufung verweist auf die Wiederherstellung unserer Würde als Ebenbilder des Schöpfers durch Christus. Wenn wir "unsere Berufung festmachen" sollen, wie es im 2. Petrusbrief heißt, dann ist damit ein Lebenswandel gemeint, der dieser Würde gemäß ist. Kaleo bedeutet auch nennen, einen Namen geben; Berufung hat also viel mehr mit Sein zu tun als mit Handeln.

... zum Wirken

Dabei meinen wir meist letzteres, wenn wir uns fragen, "Was ist meine Berufung, wie kann ich sie finden - und vor allem: wie kann ich sie gestalten?"
In der Bibel findet sich keine Erörterung der "Berufungsfrage" in diesem Sinne. Das mag auch daran liegen, dass der Anspruch auf eine individuelle Lebensberufung und -sendung nicht im Horizont der biblischen Protagonisten und Autoren war. Ganz sicher liegt es aber daran, dass solche Berufung eben auch keine abstrakte Idee ist, sondern nur im Konkreten aufleuchtet und sich erst im gesamten Lebensbogen herauskristallisiert. Wir lesen, wie die Väter des Glaubens und der Kirche ihren ganz eigenen Weg geführt wurden und bestaunen ihre brüchigen Lebenszeugnisse, die dennoch ein Ganzes bilden und die Fülle eines in das Ziel gekommenen Lebens offenbaren. Ja, es gibt sie, die "Berufung zu Höherem", nur ist sie eben durch und durch individuell, einzigartig und unreglementierbar.

... zur Freude

Da hilft uns ein Gleichnis von Paulus, dem "Apostel der Zielgeraden": der Lauf. Das Wort - griechisch dromos, in der lateinischen Übersetzung, der Vulgata cursus - bezeichnet die Königsdisziplin, den Wettlauf. Sport als die "schönste Nebensache" stand (idealerweise) stets über den Notwendigkeiten des Lebensalltags und unterlag nicht den Zwängen von Ökonomie, Politik oder Kriegsführung. Freiwilligkeit, Fairness, Bereitschaft zur Konzentration der Kräfte und Ausdauer waren Voraussetzung für die Teilnahme. Die Athleten waren einander Herausforderung und Ermutigung; nicht das Übertrumpfen, sondern das gegenseitige Anspornen zeugte von Sportsgeist.
Immer wieder ermutigt Paulus, dranzubleiben bis zum Ziel und bezeugt schließlich im Timotheusbrief dankbar, er habe seinen Lauf vollendet. Wohlgemerkt: nicht sein Heil, denn das liegt nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen (Röm 9,16); Paulus hat vielmehr das mit Fülle gekrönte Leben, den Siegeskranz, im Blick, der nicht welkt, weil er in der Ewigkeit geflochten wird. (1. Kor 9, 25) Der Lauf handelt nicht davon, dass wir erlöst werden, sondern von dem, wozu wir befreit sind; der dromeas läuft nicht um sein Leben, sondern aus Freude am Leben!
Mit dem großen Lauf ist also der ganz persönliche, in Freiheit erbrachte Einsatz eines Menschen für das "Reich Gottes" gemeint, das Gott initiiert und durch Christus verwirklicht hat. Frappierend und zugleich befreiend ist das spielerische Moment der Metapher: auf dem ernsten Boden des Heils entsteht die Arena als freier Raum mit neuen Regeln, in dem ein Wettstreit im besten Sinne darüber ausgetragen wird - untereinander, nicht gegeneinander! -, wie die Herrlichkeit Gottes am besten sichtbar zu machen sei. Dabei ist unsere Initiative, unsere Kreativität gefragt - und Jesus zieht mit! In dem Maße, wie wir uns ihm zur Verfügung stellen, erleben wir, dass auch er sich zu uns, zu unseren Plänen und Sehnsüchten stellt.

In Rufweite zu Jesus

Im Horizont solcher Freiheit wird Berufung als eine Bündelung unserer Gaben, Ambitionen und Einsatzbereitschaft erkennbar und greifbar. Jesus ruft uns in die Arena, er hat die Voraussetzungen für unsere Teilnahme geschaffen und die Regeln formuliert. Berufene sind wir, wenn wir in Rufweite bleiben, auf seine Stimme hören und auf das von ihm gewiesene Ziel zustreben.
Diese Rufweite markiert die Grenzen für den Raum, in dem sich unsere Berufung zu entfalten und zu bewähren hat - selbst dann, wenn er uns bedrohlich eng und reglementiert vorkommt oder verunsichernd weit und unübersichtlich. Ihn eigenmächtig zu erweitern oder ängstlich schrumpfen zu lassen, hieße in jedem Fall, das Ziel zu verfehlen: der Raum will ausgefüllt sein. Dieser Raum ist für jeden anders beschaffen, aber wir dürfen darauf vertrauen, dass die Weite, in die wir gestellt sind, unserem tiefsten Wesen entspricht - schließlich hat ihn unser Schöpfer selbst abgesteckt.
Drei Grundformen von Lebensberufung aus biblischen Berichten sollen die verschiedenen Wirkungsfelder anschaulich machen, die Gott für die Berufenen jeweils eröffnet hat.

I. AUSDRUCK UND GESTALT

Wir begegnen in der Schrift einer ganzen Reihe von Menschen, die als Persönlichkeiten beeindrucken und deren ganzes Sein und Tun von der Sehnsucht durchdrungen ist, das, was sie im Herzen und im Geist erspüren, zum Ausdruck zu bringen. Ihr schöpferisches Talent lässt sie Gegenstände, Umstände, Ordnungen schauen, bevor es sie gibt und sie haben die Gabe und Stetigkeit, ihnen Gestalt zu verleihen. Jakob/Israel ist so ein begabter, wenn auch ungeduldiger Macher. Wie auch sein Sohn Joseph kann er das verborgene Potential im eigenen Leben und dem der anderen nicht nur träumend erkennen, sondern auch strategisch geschickt realisieren.
Auch der Tempelbauer Salomon oder Nehemiah, der allen Prognosen zum Trotz die Mauern Jerusalems befestigt, gehören in diese Reihe. Der Impetus kann ästhetisch sein, sich in handwerklich-baulichem Geschick oder im Geschäftssinn ausdrücken. Er kann aber auch im gedanklichen Bereich liegen, in der Poesie, in der theologischen Reflexion. Bei anderen ist er ethisch, also im Zwischenmenschlichen verankert und gibt ihnen die Fähigkeit, andere Menschen in soziale, politisch-militärische oder geistlich-gemeinschaftliche Gefüge zu integrieren.
Der gestalterische Mensch erlebt Gott als einen, der erschafft, ordnet und regiert. Er findet zu seiner Berufung, indem er lernt, seinen inneren Motor, seine Sehnsüchte, Begabungen und Grenzen zu benennen und sie vorbehaltlos dem Schöpfer zur Verfügung zu stellen. In den vom Geist Gottes geläuterten und verstärkten Gaben erhält seine Berufung eine verbindliche Gestalt.

Petrus steht

Die Geschichte von Simon Petrus beschreibt diesen Typus im Neuen Testament. Schon früh wird dem Jünger vom Meister verheißen: Auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen. Simons Zeugnis über die Gottessohnschaft Jesu ist das fundamentale Credo, der Steinboden, auf dem der Glaube der Christenheit ruhen wird. Mit dem neuen Namen Kephas (aramäisch Stein) wird der Apostel zum Miterbauer, Haushalter und Bewahrer eines Hauses bestellt, das Zeit seines Lebens im Aufbau begriffen sein wird und noch heute ist. Petrus ist der Statiker der neuen "Behausung des Geistes ", die Raumgestalt seiner Berufung entfaltet sich in der Architektur aus "lebendigen Steinen" (1. Petrus 2). Solange er sich in diesem Raum aufhält, bleibt er in Rufnähe zu Jesus. Er bricht selten aus Eigeninitiative auf, sondern lässt sich von Jesus rufen, schicken. Erst wenn der Meister selbst den Grundriss des Hauses erweitert, zieht Petrus nach: in den Tempel zu Jerusalem oder in das Haus des Römers Kornelius.
Bis er beginnen kann, den Raum einzunehmen, wird er freilich einen steinigen Weg geführt, denn sein Talent, Verantwortung zu übernehmen, der Gruppe vorzustehen und aus Begeisterung mutig vorzupreschen - ob über oder im Wasser - reichen nicht aus für das große Werk. Im kläglichen Scheitern und in der Erkenntnis, dass er nur in der Liebe zu Jesus "die Schafe weiden und die Lämmer hüten" kann, reift jene Demut, die ihn qualifiziert, der Gemeinde vorzustehen, sie zu festigen und die "Brüder zu stärken".

II. WAHRHEIT UND RICHTUNG

Ein anderes Antriebsmoment, durch das Menschen in die Nachfolge berufen werden, ist die Sehnsucht nach Echtheit, das Heraustreten aus dem Beliebigen, sowie die Bereitschaft, alles auf eine Karte zu setzen und unter vielen Möglichkeiten die zu wählen, die als die richtige erkannt wurde. Die drängende Lebensfrage zielt weniger auf das Was als auf das Wohin: In welche Richtung soll sich mein Leben entwickeln? Dramatische Umkehrerlebnisse oder jähe Lebenswegkorrekturen kennzeichnen diese Berufung und immer wieder das Loslassen des Alten, um das Neue ergreifen zu können.
Zu diesen Radikalen des Glaubens gehört Mose, der sich auf ein Ziel einstimmen lässt und noch darauf zusteuert, als er ahnt, dass es für ihn selbst unerreichbar bleiben wird. Dabei entspricht der in der Berufung erhaltene Auftrag nicht unbedingt den Neigungen oder Stärken der Gerufenen: Mose zum Beispiel kann nicht reden, Gideon ist risikoscheu, Jeremia zu jung, Amos ungebildet und Jona voller Ressentiments. Aber Gott lockt und packt sie bei ihrer unbestechlichen Liebe für seine Wahrheit und Gerechtigkeit. Ihre Berufung erhält durch ihren oftmals unabsehbaren, aber von Gott bestätigten und korrigierten Lebenskurs eine klare Richtung.

Paulus läuft

Die Berufung des Paulus beginnt mit einem Knall, der sprichwörtlichen paulinischen Wende. Der junge Saulus ist ein "reißender Wolf, auf Beute aus" (1. Mose 49,27), ein stolzer Eiferer wie der König, nach dem er benannt ist, voller Ungeduld, Unrast und Fanatismus. Er donnert gegen die Wahrheit des Auferstandenen wie gegen eine Betonwand. Doch Jesus weiß den Antrieb im Wesen des Paulus zu nutzen, ja, ihm scheint dieses unbedingte und leidenschaftliche Ringen um das einzig Wahre willkommen zu sein, denn er wird zum Weggefährten des jungen Mannes. Die Beziehung, die Paulus zu ihm entwickelt, gründet weniger auf dem Erleben als auf dem Erkennen, und während Petrus Jesus als den Christus bezeugt, wird ihn Paulus vor allem lehrend verkündigen.
Die Rufweite, in der Paulus seinem Herrn folgt, ist von großen Entfernungen geprägt. Der Raum seiner Berufung erstreckt sich in unerschlossene Bereiche, in die kultischen Zentren des römischen Imperiums. Je weiter er ins Neuland vorprescht, desto klarer hört er die Stimme Jesu.
Wie ein Bogen spannt sich alles Denken und Trachten des Paulus in die Zukunft hinein, dem telos (griech. Ziel) entgegen, auf das er zurennt. Während Petrus das Wachstümliche des Königreiches betont, beschreibt Paulus die Heilsgeschichte als eine Folge von Verwerfungen, gegenläufigen Prozessen, die sich erst vom Finale aus als Kontinuität herausstellen. Für ihn kommt es vor allem darauf an, den kairos, den richtigen Zeitpunkt zu ergreifen, das Timing Gottes für Veränderung, Umbruch und Wandel zu erspüren. Wenn er diesen Bewegungen folgt, ist er an seinem Platz.

III. BEZIEHUNG UND NÄHE

Ein drittes Moment entspringt der schlichtesten und kostbarsten Motivation: der Sehnsucht nach Nähe - nach immer mehr Nähe - zu Gott. Aus dieser Regung heraus bringt das Leben seine Frucht. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist Abraham, der "Vater des Glaubens", dem beim Warten auf das Eintreffen der Verheißung nichts als die Freundschaft zu Jahwe bleibt. Er erfüllt seinen Auftrag, indem er bei Gott ausharrt, "vor ihm wandelt". (1. Mose 48,15) Solche Sehnsucht bewegt auch die treue Moabiterin Ruth, die zur Urmutter des Messias und zum Urbild der Gemeinde aus den Heiden wird. Daniel bezweckte mit seinen Gebeten keine Provokation; er konnte gar nicht anders als anzubeten. Auch David ist ein "Mann nach Gottes Herzen", weil sein innigstes Trachten sich auf "Gott in seinem Heiligtum" konzentriert. Lieber als das Reich zu einen und seine rebellischen Söhne zu züchtigen hätte er den Tempel Gottes erbaut - besungen hat er ihn unzählige Male.
Bei all diesen  Männern und Frauen ist die Bewegung des Herzens den äußeren Umständen und Ereignissen vorgeordnet. Ihr Auftrag entsteht entlang der Notwendigkeiten, die sich ergeben, weil und solange sie in Gott ruhen. Da die wahren Kriterien für ihre Entscheidungen nicht objektivierbar sind, haben die Scheidewege, an die ihr Leben geführt wird, oft keine erkennbaren Schilder: es gibt keine richtige oder falsche Richtung - solange ihre Hand in der Hand Gottes ruht. Ihr ausgeprägtes Talent zu lieben, Freundschaften zu pflegen und ihr Sinn für Loyalität (zu Gott und zu Menschen) ist anziehend. Ihre Gabe, sich in der Liebe Gottes zu sonnen, weckt auch in anderen das Verlangen nach ihr. Das ist auch ihr Grundauftrag: durch Liebe zum Glauben einzuladen. Je intensiver ihre Beziehung zu Gott wird, desto tiefer wachsen sie in ihre Berufung hinein.

Johannes bleibt

Wer sonst als der "Jünger, den Jesus liebte" (Joh 13,23), könnte unter den Aposteln als Inbegriff dieser Berufung gelten? Die ihn charakterisierende Formel ist genau: Sie besagt nicht etwa, dass er Jesus am meisten liebte, sondern, dass er sich am meisten von ihm lieben lässt! Während Jesus Petrus vor der Beauftragung auf dessen Liebe hin befragt, kommt es bei Johannes darauf an, dass die Liebe Gottes fließen kann, in ihn hinein und durch ihn auf andere.
Glaube ist für Johannes immer Beziehung. Das Grundmotiv aller seiner Schriften bildet die Mahnung zur "Liebe" und zum "Bleiben in Christus" (bes. 1. Joh 3). Einigkeit, Verbundenheit ist für ihn das Gütesiegel, mit dem der Geist die Erlösten kennzeichnet. Selbst in seiner Schau vom Weltengericht erscheint als entscheidendes Heilskriterium nicht das richtige Handeln der Menschen oder ihr theologisch richtiger Glaube. Die ultimative Frage ist die nach Zugehörigkeit. Womit hast du Gemeinschaft: mit dem Licht oder mit der Finsternis? Womit bist du gekennzeichnet: mit dem Blut des Lammes oder mit dem Zeichen des Tieres? Welchen Samen trägst du in dir: den Tod oder das Leben?
Die Rufweite, in der Johannes bleibt, ist die denkbar kürzeste: sie endet kurz vor Jesu Lippen! Wir sehen ihn förmlich mit dem Ohr "am Herzen des Meisters" ruhen. (Joh 13,23) Darin formt sich folgerichtig auch sein Auftrag. Er berichtet nicht, was er dort hört, sondern dass es eine Wonne ist, dort zu sein. Der Raum seiner Berufung ist zutiefst innerlich und schließt sich eng um ihn und den Meister. Was der Jünger auch tut und wohin er auch unterwegs ist: die eigentliche Weite trägt er in seinem Herzen.

Dem Rufenden ähnlicher ...

Selbstverständlich sind die drei hier beschriebenen Impulse, die Gott als Anlass für den Auftrag nimmt und in deren Kraftfeld er seine Kirche baut - festigt, formt und heiligt -, nicht Reinform, sondern Aspekte unserer Existenz. Auch Petrus und Paulus kamen ihrem Auftrag in der innigen Beziehung zu Christus nach, Johannes und Paulus waren hingebungsvolle Hirten in den Gemeinden, und niemand würde die theologische Klar- und Weitsicht von Petrus oder Johannes infragestellen. Dennoch ist das jeweilige Profil ihrer Dienste und die Dynamik, die ihr Wirken entfaltet, denkbar verschieden.
Was sie eint: sie spiegeln das Wesen ihres Meisters, der als "guter Hirte" die Herde schützt und nährt und als "Eckstein" das Gemeindegefüge zusammenhält. Jesus ist die Wahrheit, die befreit, und der Herr, der das Gottesreich durch die Epochen zur Vollendung bringt. Jesus ist auch der "geliebte Sohn", der bis ans Kreuz in inniger Hingabe zum Vater verharrte, damit wir, die wir uns durch die Sünde aus der Verbundenheit gelöst hatten, in sie zurückgelangen.
Erst wenn alle Facetten der Natur Jesu - und die ist unendlich reich! - an seinem sichtbaren Leib, der Gemeinde, erkennbar werden, wird Christus für die Welt erkennbar. Daher entscheidet sich jede Berufung an der Bereitschaft, Christus ähnlicher zu werden, sich in sein Bild hineinverwandeln zu lassen. 

... liebender

Um den Impuls zu erspüren, der unserer Berufung zugrundeliegt, müssen wir also herausfinden, was wir an Jesus eigentlich lieben, was uns vor allem an ihm imponiert. Wenn uns dazu wenig spontanes, lebendiges einfällt, dann ist es angebracht, mehr in die Freundschaft mit Jesus zu investieren, um uns nicht vergeblich in einer vermeintlichen Berufung zu verausgaben.

Immer wieder müssen wir in die Rufweite der "ersten Liebe" zurückkehren, in der wir ihn in unser Leben hineinsprechen hören. In ihr wird uns nicht nur sonnenklar, was wir an Jesus haben und was uns zu ihm hinzieht, sondern auch das, was er an uns besonders schätzt, fördert und uns an Kostbarem anvertrauen möchte!

Jesus lädt jeden zu einer eigenen und originellen Beziehung ein: zur Freundschaft! "Ihr seid meine Freude" - diesen Zuspruch haben Petrus, Johannes und die anderen Jünger mehrfach hören dürfen und er hat Paulus aus der Dunkelheit wieder ins Helle geführt. Der Zuspruch gilt noch heute, gilt auch uns. Mit ihm eröffnet Jesus den Raum der Berufung, die Arena, in der wir auf sein Wort hin endlich so richtig durchstarten können.

Von

  • Írisz Sipos

    ist stellvertretende Chefredakteurin des Salzkorns und mitverantwortlich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der OJC-Kommunität.

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