Liebe Freunde,

Paulus sieht die Beziehung von Mann und Frau eindeutig von der Liebe her,
der von Gott kommenden ganzheitlichen Liebe!
 
Wie soll denn der Kampf zwischen den
Geschlechtern  überwunden werden,
wenn nicht durch die größere Liebe?

Norbert Baumert

Frauen sind ein Geheimnis. Sie bringen uns zum Staunen und ins Schwärmen, zum Klingen und an unsere Grenzen. (Wie umgekehrt wohl auch.) Sie sind uns kostbares Gegenüber und echte Herausforderung. Wer ist sie - die Frau? Von Anfang an hat Gott die Würde und das Potential des Menschen in die spannungsvolle Polarität von Mann und Frau hineingelegt (Genesis 2). Und darum können Frauen ebenso wie Männer nur im Horizont der Geschlechterzuordnung erkannt werden. Das Weibliche an sich gibt es ebensowenig wie das Männliche an sich. Nur im Miteinander und im Aufeinanderhin erkennt sich die Frau als Frau und der Mann als Mann. Das zeigt zugleich, wo die besondere Aufgabe liegt: in der Gestaltung eben jener schöpferisch spannungsvollen Gegenseitigkeit, der abermals ein Geheimnis innewohnt.
Wir wollen mit diesem Salzkorn die Fährte dieser Geheimnisse aufnehmen und haben Frauen gesucht und Geschichten gefunden. Wir haben Geschichte gewälzt und die Bibel befragt. Wir haben Schmerzvolles und Hoffnungsvolles, Schweres und Schönes entdeckt. Vor allem aber eines: Töchter des Himmels.

Geheimnis oder Rätsel?

Objektiv betrachtet besteht die eine Hälfte der Menschheit aus Frauen, die andere aus deren Kindern. Frauen sind Bundeskanzlerin und Briefträgerin, Forscherin und Filmemacherin, Rennfahrerin und Rentnerin.
Eine Welt ohne Frauen? Unlebbar! Ein Leben ohne Geborgenheit und Kinder, ohne Vertrauen und Versöhnung, vermutlich auch ohne Musik und Poesie. Und es wäre eine Welt ohne die Auferstehungsnachricht! Das Leben wäre bei weitem quadratischer und die Momente von Glanz und Leichtigkeit, die uns zum Schwingen bringen, ganz sicher rar. Dass ein solches Szenario nicht an die "Ebenbildlichkeit Gottes" heranreichen würde, zu der wir als Menschen geschaffen sind, erkennt jedes Kind. Aber auch diese, so müssen wir zugeben, bedeutet mehr Geheimnis als verfügbares Wissen.
Weil wir uns abgewöhnt haben, mit Geheimnissen zu leben, weil uns alles nur noch Rätsel geworden ist, das wir zu entschlüsseln haben, ist uns der Kontext verlorengegangen, in dem wir einander als Männer und Frauen erkennen und empfangen können. Der Rahmen der großen Geheimnisse ist die Wirklichkeit Gottes und unsere Beziehung zu ihm. Von ihm her und auf ihn hin erschließt sich uns der Horizont der Geschichte, der Generationen und der Geschlechter.

Brunnenstube der Menschenrechte

Zu selten hat sich in den vergangenen Jahrhunderten die Wahrheit der biblischen Schöpfungsordnung von der gleichen Würde jedes Menschen gegen den Zeitgeist behauptet. Lange war die Frau Sklavin und Dienerin, gefügiger Besitzstand und Gebärerin, Prestigeobjekt vielleicht - jedenfalls weit entfernt von der ihr zugeeigneten Würde und ihrem Entfaltungspotential. In fast allen Kulturen oszillierte der Umgang mit Frauen zwischen Zähmung und Brechung des Weiblichen. Da hat sich in den vergangenen Dekaden - wenigstens in unseren Breiten - Gott sei Dank einiges verändert.
Wahr ist, dass der jüdisch-christliche Kulturraum die Brunnenstube der Menschen- und Frauenrechte ist. Erstmals im Schöpfungsbericht, später beim Propheten Joel (Joel 3), schließlich in den Worten Jesu und in seinem Umgang mit Frauen ist der Boden dafür bereitet worden, dass durch die Geschichte hindurch der Eigenstand und das Selbstbewusstsein der Frauen in nie gekannter Weise aufsteigen konnten. Paulus war es, der eine in Christus verankerte neue Freiheit lehrte, die eine bahnbrechende Botschaft in die damalige Welt brachte: Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (Gal. 3,28) Hier ertönt erstmals in der Menschheitsgeschichte die Melodie der freien Person, unabhängig von Geschlecht, Volk, Rasse, Stand oder Bildung. Keineswegs auf einen Schlag, eher mühsam, aber unaufhaltbar bildete sich von dort her das Bewusstsein von der Menschenwürde - auch von der der Frau.

Paulus und die Frauen

Wir müssen fragen, was diese Einladung zur Freiheit im Neuen Testament für uns heute bedeutet in Bezug auf die Stellung der Frauen in unseren Gemeinden. Allzu lange wurden der Wert und die geistlichen Gaben der Frauen weder wahr- noch ernstgenommen, oder aber stark eingegrenzt. Und noch heute geht man mancherorts von einem "eindeutigen Gefälle" zwischen den Geschlechtern als gottgewollt aus.
Am Text entscheidet sich alles! Was hat Paulus im Brief an die Korinther und Epheser eigentlich geschrieben? Und was hat er gemeint? Der Theologe Norbert Baumert fordert beide Seiten - die "bibeltreue" und die "emanzipatorische" - heraus, genau hinzusehen, was uns die Urkunden unseres Glaubens zu sagen haben, und eröffnet Perspektiven nach vorn (S. 117).

Frauenhass und Vergebung

Eines ist klar, dass auch eine partnerschaftliche Zuordnung der Geschlechter nur auf dem Boden der gemeinsamen Christusbeziehung fruchtbar werden kann. Ohne das Gebundensein an ihn bleibt von der frohen Botschaft nicht viel mehr übrig als ein Steinbruch für Argumentationsbrocken, mit denen wir einander bewerfen.

Wie abgrundtief zerstörerisch der Riss zwischen den Geschlechtern wirken kann, zeigen die Spuren von Frauenhass, der viel Unheil in unserer Kultur anrichtet. Mehr Menschen als wir ahnen sind in ihrem Denken und Empfinden davon gezeichnet. (S. 144) Gerade unser Land trägt hier an einem schweren Erbe. Denn noch vor nicht so langer Zeit haben das vermeintlich "schwache Geschlecht" und die sensiblen, verwundbaren und schöpferischen Kräfte in besonderer Weise Verachtung und Demütigung erfahren von seiten einer Ideologie, die von Männlichkeitswahn und Überlegenheitskult besessen war.
Was würde es an Erneuerungskräften freisetzen, wenn einmal offiziell um Vergebung gebeten würde für das Unrecht, das Frauen im Namen von Kirche und Staat erlitten haben, einfach, weil sie Frauen waren?

Geschlechter oder Gender?

In manchen Bereichen hat die Frauenbewegung in Europa ein notwendiges "Durchlüften des Hauses" angestoßen. Aus einem verqueren Verständnis von Gleichheit heraus hat sich nach der Weltfrauenkonferenz in Peking (1995) allerdings eine Bewegung etabliert, die vordergründig eine Gleichstellung der Geschlechter propagiert, hintergründig aber auf deren Gleichschaltung hinwirkt. Sicher teilweise aus Schmerz an der Geschichte, vielleicht aus Resignation heraus, jedenfalls mit entschlossener Initialkraft haben einige politisch aktive Frauen und ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen Allianzen geschmiedet zur politischen Durchsetzung des Gender-Mainstreaming in Europa und diese in den letzten Jahren auch weitgehend erwirkt. Die Gleichheit, die damit gemeint ist, ist aber nicht die geschöpflich-komplementäre, polar-ergänzende des jüdisch-christlichen Menschenbildes, sondern eine gewissermaßen abstrakte, geschlechtslose, "herrschaftsfreie" Gleichheit, die jede Ungleichheit einebnen muss, weil sie dahinter Machtgefälle argwöhnt. Das Konstrukt der Genderkonzeption will bewusst die gegebene Geschlechterpolarität ab- und auflösen und gegen eine gefügigeres Deutungsspektrum von "Mann" und "Frau" eintauschen. Dem sollten wir weiterhin wachsam begegnen.

Pfingstgeist atmen

Frieden zwischen den Geschlechtern, dauerhafte Beziehungen und fruchtbare Teamarbeit müssen täglich neu miteinander gesucht und gestaltet werden. Das bleibt ein unauflösbares Spannungsfeld. Da hilft weder eine falsche Engführung der Paulusaussagen noch die Gender-Mainstreaming-Utopie. Da hilft im Zweifelsfall nur der Heilige Geist. Wir kommen von Ostern her und gehen auf Pfingsten zu. Es gibt begründete Hoffnung, dass beides immer wieder neu im Alltag unseres Miteinanders durchbricht, in unseren Ehen, Gemeinschaften und Gemeinden. Pfingsten ist mehr als ein historisches Ereignis. Der Geist wird auch heute bei uns "landen", wenn wir ihm die Räume dafür bereiten. (S. 128)
Ein einschneidendes Erleben der Erneuerungskraft des Heiligen Geistes hatten wir als OJC-Mitarbeiterschaft in den Vorostertagen. Durch das Gebet seelsorgerlicher Freunde für Lasten aus unserer Geschichte konnten sich geistliche Bindungen lösen, die uns jahrelang blockiert hatten. Gott hat uns als Gemeinschaft eine neue Freiheit nach vorne geschenkt. Das sind Pfingstfeste im Kleinen, die uns ins Staunen und Danken führen - und die Gott jedem schenken möchte.

Himmelfahrt feiern

Und so freuen wir uns, dass wir mit Ihnen gemeinsam unterwegs sind als Gotteskinder, als Männer und Frauen, die das Leben miteinander feiern dürfen. Der nächste gute Anlass dazu ist in Kürze, nämlich am 17. Mai in Reichelsheim. Wir freuen uns, wenn Sie - auch kurzentschlossen - kommen und Ihre Familie und Freunde mitbringen. (S. 159)

Bis dahin oder spätestens bis zum nächsten Salzkorn grüße ich Sie herzlich mit allen Mitarbeitern aus Reichelsheim und Greifswald,

Ihr Dominik Klenk

(abgeschlossen am 27.4.07)

Von

  • Dominik Klenk

    Journalist und Medienpädagoge; Leiter und Prior der OJC von 2002-2012; seitdem Leiter des fontis' Verlags (ehemals Brunnen Verlag), Basel

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