In Gottes Augen taugen

Zukunft für Slumkinder in Manila

von Joachim Hammer

Das ONESIMO-Werk in Manila auf den Philippinen gibt verwahrlosten und drogensüchtigen Jugendlichen ein Zuhause, professionelle Therapie und die Möglichkeit einer Schul- und Berufsausbildung.
Seit 1996 fördert die OJC dieses Projekt. Im letzten Jahr konnte das dringend benötigte "Ausbildungszentrum für benachteiligte Jugendliche und ehemalige Straßenkinder" eröffnet werden. Jochen Hammer, OJC-Schatzmeister und bislang zuständig für diakonische Projekte, hat in diesen Tagen den Abschlussbericht für das Projekt aus Manila erhalten: Die ersten 15 Absolventen haben ihre Abschlussprüfung bestanden!

Geschafft! Die 19-jährige Jennifer Ruiz zeigt stolz das Zertifikat: sie hat ihre Ausbildung in Lebensmitteltechnik und Kochen erfolgreich abgeschlossen und kann sich nun auf einen qualifizierten Arbeitsplatz bewerben.

Wunderbare Heilung

Wir in der OJC freuen uns mit ihr und sind stolz auf sie, denn das ist alles andere als selbstverständlich! Noch vor einem Jahr konnte sie den Anblick von Messern und spitzen Gegenständen nicht ertragen. Als Kind war Jennifer aus der armseligen Slumhütte der Familie davongelaufen, um den gewalttätigen Übergriffen ihres Vaters zu entgehen. Ihr blieben nur die Straße, die Müllhalden, Kindergangs, kleinere und größere Gaunereien oder die brutale Welt der Kinderprostitution, um nicht zu verhungern - und als letzte Flucht aus dem Elend der billige Rausch aus der Klebstoffbüchse. Unzählige Kinder fristen so ihr Dasein auf den Müllhalden der philippinischen Hauptstadt, in der ein Kinderleben nicht viel zählt.

Dass Jennifer noch lebt und zuversichtlich in die Zukunft sehen kann, ist ein Wunder. Es ist aber auch die Frucht der jahrelangen Arbeit unserer Freunde bei ONESIMO, die sie in ihrer verzweifelten Situation aufgenommen und ihr in ihren Ängsten beigestanden haben. Ihr neues Zuhause, Ermutigung durch Therapie und die Ausbildung haben Heilung und Wachstum möglich gemacht.

Wertschätzung und Förderung

Der Name "Onesimo" ist Programm. Das Werk ist nach dem biblischen Ausreißer Onesimos benannt, dem Diener Philemons, der entlaufen war und weder seinem Herrn noch seinem Namen, der soviel bedeutet wie wertvoll, nützlich, Ehre machte. Paulus hatte ihn, den reuigen "Taugenichts", wie er schreibt, unterwegs aufgegabelt, in seine Dienste genommen und bei Philemon ein gutes Wort für ihn eingelegt, denn Onesimos hatte sich zu einem wertvollen Missions-Gehilfen gemausert. Onesimos hat Vergebung, Wertschätzung und Freundschaft erfahren. Vor Christus ist jeder der Liebe und der Wertschätzung wert. Es ist das Anliegen der Mitarbeiter bei ONESIMO, Heranwachsenden, die durch viel Elend entmutigt wurden, eben das zu vermitteln.

Nützliche und verantwortliche Glieder der Gesellschaft sollen sie werden. Dazu bedarf es neben der pädagogischen Begleitung auch der Verbesserung ihrer Berufschancen. ONESIMO hat dafür ein umfassendes Projekt gestartet: die Errichtung eines neuen Zentrums für Ausbildung und Arbeitsförderung, das 2006 eingeweiht wurde. In Autowerkstatt, Kantine, einer Anlage zur Trinkwasseraufbereitung und Einrichtung für Metall- und Textilverarbeitung erhalten ehemalige Slumkinder nun eine Berufsausbildung, einige sogar den ersten Arbeitsplatz. Schüler können sich in den Klassen für Analphabeten und Schulabbrecher auf staatliche Examen vorbereiten.

Fruchtbare Zusammenarbeit

Seit nunmehr 11 Jahren steht unsere OJC-Gemeinschaft in regem Kontakt mit dem Gründer des Werks, dem Schweizer Christian Schneider. Dank der Unterstützung unserer Freunde durch Gebet und Spenden können wir ONESIMOs wirkungsvolle Projekte unterstützen.

Als meine Frau Sieglinde und ich im Winter 2000/01 ONESIMO besuchten, waren wir bei Familie Schneider im Philcoa-Slum eingeladen. Dort lebten Christian und Christiane damals mit ihren beiden Kindern, ausgesandt von der Organisation "Servants to Asia’s Urban Poor" in der Schweiz. Unermüdlich waren Christian und sein Team unterwegs, um Jugendlichen zu helfen,  Leiter zu stärken, Helfer zu motivieren und Mitarbeiter auszubilden. Sieglinde und ich begleiteten ihn in jenen zwei Wochen auf seinen Wegen durch den Metropolendschungel, auf Müllberge und bestaunten Autos, die die Kinder aus Schrottteilen zusammengebaut hatten. Hier entstand die Vision für eine richtige Autolehrwerkstatt. Es folgten 6 Jahre der Planung, Vorbereitung und der Suche nach Finanzierungsquellen.

Tragende Freundschaft

In dieser Zeit wurde die Freundschaft mit ONESIMO-Mitarbeitern weiter gefestigt. Mehrfach trafen wir uns in Basel und Reichelsheim. Die OJC stellte einen Förderantrag an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Er wurde bewilligt, und so konnten wir unsere eigenen Zuwendungen erheblich aufstocken. Insgesamt konnten wir seit 2001 233.550 € an ONESIMO überweisen. Ihnen und allen Freunden, die mit Gebet und Geldspenden das Zustandekommen dieses Projekts voranbrachten, möchten wir hier besonders danken. Die Unterstützung durch unsere Spendenaktionen läuft weiter, denn wir möchten ONESIMO beim Aufbau des neuen Kids-Zentrums für Kinder unter 14 Jahren, zu dem weitere 10.000 € benötigt werden, unterstützen.

Jennifers Weg in eine hellere Zukunft ist einzigartig, aber Gott sei Dank kein Einzelfall geblieben! Daran arbeiten viele engagierte Helfer unermüdlich und voller Zuversicht. Ihre "Garantie" ist die Verheißung Jesu, dass er unseren Glauben, unser Beten und Tun segnen wird. Die Freundschaft mit armen Menschen in Manila ist für uns im reichen Deutschland nicht nur eine großartige Möglichkeit, Teilen zu üben, sondern auch eine unschätzbare Bereicherung und Ermutigung. Gott ruft alle seine "Taugenichtse", auch uns, in seine Arbeit und wir dürfen uns dankbar und stolz  onesimoi - "die Ihm von Nutzen sind", nennen.

Von

  • Joachim Hammer

    ev. Theologe, ehem. CVJM-Sekretär und OJC-Kommunitätsmitglied, leitete den Wiederaufbau des Schmittsbauernhofs im Ortskern, des heutigen Reichelsheimer Europäischen Jugendzentrums. Er war viele Jahre Schatzmeister der OJC und ist im Vorstand der ojcos-stiftung.

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