Liebe Freunde!

40 Jahre OJC - ein lohnender Grund zum Feiern!

Wer hätte geahnt, dass aus dem Impuls einer Reihe von Studententagungen vor 40 Jahren, der Umkehr junger Menschen und dem Experiment eines gemeinsamen Lebens ein Dauerbrenner würde, der seit vier Jahrzehnten geistlich-erwecklich in Kirche und Gesellschaft hineinstrahlt?

"Von der Kommune zur Kommunität" titelte das Darmstädter Echo kürzlich frech zum Geburtstag der OJC. Überschaut man den Bogen von 1968-2008, ist das durchaus treffend. Was einst als geistliche Alternative zur Kommune-Bewegung begann, die christliche "Großfamilie", hat sich zu einer verbindlichen ökumenischen Gemeinschaft unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) entwickelt und steht heute in Verbindung zu christlichen Kirchen in der ganzen Welt.

Verlässlich und elastisch

Damit ein solcher Aufbruch lebendig bleibt und nicht erstarrt, braucht es beides: Reformationsenergie und Beständigkeit.

Geblieben - wenn auch in neue Sprache gefasst - ist der Inhalt unseres Miteinanders: Auftrag der OJC ist es, jungen Menschen in Jesus Christus Heimat, Freundschaft und Richtung zu geben.

Geändert und verdichtet hat sich über die Jahre die Form unseres Miteinanders: Die fruchtbare Zuordnung von Verbindlichkeit und Freiheit musste eine verlässliche und zugleich elastische Gestalt erhalten.

In den vergangenen Monaten haben wir wagemutig begonnen, was jetzt nicht nur in der sichtbaren Welt Wirklichkeit geworden ist: Am 13. April 2008 sprachen die langjährigen Gefährten der OJC in einem feierlichen Gottesdienst in der Michaelskapelle auf Schloss Reichenberg ihr gemeinsames Bundesversprechen und gründeten damit die OJC-Kommunität. Aus einer Lebensgemeinschaft auf Zeit wurde eine Gemeinschaft auf Lebenszeit. Gottes Zuspruch erfuhren wir dabei nicht nur in der Kapelle durch Pfr. Dr. Stefan Kunz (S. 104). Wie uns Freunde im Dorf berichteten, erstrahlte just während der Minuten unserer Verbündung ein leuchtender Regenbogen über dem Reichenberg.

Zeichen und Wunder

Dass aus einem Haufen 68er eine Kommunität wird, bedarf zweifelsohne des Zuspruchs von höchster Stelle und der Kraft zur Veränderung, denn es ist nicht selbstverständlich, dass eine Gemeinschaft die Gründergeneration "überlebt", dem Gründer dankbar bleibt und sich von ihm ablösen kann. Die "Mehraltrigkeit" einer Gemeinschaft, also die Fortpflanzung eines Aufbruchs in die nächste Generation, ist nicht das Übliche sondern die Ausnahme. Geistliche Aufbrüche kann man nicht erben - jede Generation ist gerufen, die Urberufung neu zu empfangen und ihr eine eigene Ausprägung zu geben.

Es ist etwas Großes, wenn eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, Alten und Jungen, Familien und Ledigen freiwillig, entschieden und mündig in Treue miteinander lebt, arbeitet und bereit ist, die Unterschiedlichkeit wertzuschätzen, ohne sie überzubewerten oder einzuebnen.

All dies wurde nur möglich, weil ein wachsender Freundeskreis die Dienste der OJC mit ihren Mitteln und Möglichkeiten über 40 Jahre lang finanziell getragen hat. Das sprengt den Horizont planbarer Überlegungen und ist für uns ein ständiger Grund zum Danken.

Fruchtbar bleiben - ran ans Eingemachte!

Das Titelbild hat uns Freude gemacht, weil es die aufgeräumte Vielfalt und Farbenfreude des Gemeinschaftlichen abbildet: "Communio di pomodori - Gemeinschaft der Paradiesäpfel", haben wir in der Redaktion gespaßt, "außerdem steht das Tomatenrot eindeutig für OJC". Aber es war noch mehr, was uns ansprach: Das Eingemachte, das sind auch die Erntefrüchte aus den erlebten Jahren. Von Jean Vanier, dem Gründer der Archegemeinschaften, haben wir gelernt: "Um Zukunftspläne zu schmieden, muss eine Gemeinschaft ihre Vergangenheit gut verarbeitet haben und einen Sinn für die eigene Tradition entwickeln." Die Ernte muss achtsam ausgelesen, verarbeitet und eingeweckt werden, damit wir langfristig davon zehren und uns kraftvoll nach dem nächsten Frühling ausstrecken können. Wir haben das Eingemachte unseres gemeinschaftlichen Lebens in eine innere Ordnung - wir nennen sie die Grammatik der Gemeinschaft - gefasst und die Kommunität auf dieses, jetzt verschriftlichte Fundament gemeinsamen Lebens gegründet.

Streitbar bleiben - rein ins Angedachte!

Das kommunitäre Leben hat einen hohen Eigenwert, aber es ist kein Selbstzweck. Kommunität ist für uns die notwendige Gestalt, in der wir unseren Auftrag auch weiterhin kraftvoll umsetzen. Es bleibt die Herausforderung, Leben und Denken miteinander in Beziehung zu setzen. Ohne die Anschauung verbundenen Lebens werden die Landkarten im Kopf der nächsten Generation allmählich mithilfe einer desorientierten Medienmaschinerie umgeschrieben. Im Namen des Forschritts und zur angeblichen Vermeidung von Diskriminierung gerät heute alles, was sich Werten verpflichtet, unter Generalverdacht und Beschuss.

Man gewinnt den Eindruck, dass sich im derzeitigen politisch-gesellschaftlichen Geschehen alte sozialistische "Familien"-Ideale mit neokapitalistischen Profitidealen paaren. Das Beziehungsgefüge der Kernfamilie wird als überkommen gebrandmarkt und verliert auf lange Sicht seine gesellschaftsbildende Kraft. Das macht die Einzelnen anfälliger für ökonomische Verführung und Ausbeutung. Die so vorprogrammierte "kontaktreiche Beziehungsarmut" des produktiven Individuums bringt unvermeidlich den idealen Bürger als idealen Konsumenten hervor (S. 108).

Wachsam bleiben und Segel setzen

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum sich Christen einmischen müssen. Wir sind überzeugt, dass die erprobten Grundlagen für ein schöpfungsgemäßes und schöpferisches Leben in der biblischen Überlieferung enthalten sind; sie müssen nur immer neu ausgewickelt werden. Die jüdisch-christliche Wertetradition dient uns als Orientierung für Beziehungskultur. Seit jeher stößt sie auf Widerspruch. Es gibt deutliche Anzeichen, dass öffentliche Angriffe auf christliche Positionen zunehmen - darauf sollten wir uns einstellen. Wo sich Christen fundiert für ein Leben in Zusammenhängen aussprechen, ist mit Gegenwind zu rechnen. Wo Gegenwind aufkommt, heißt es, gelassen bleiben und Segel setzen. Was wir brauchen, sind Menschen, die bereit sind, wenn nötig hart am Wind zu segeln und sich das Ruder des eigenen Lebens nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Dabei gilt: Christen sind nicht kurz angebunden, sondern hoch angebunden (S. 120). Das gibt ihnen in den Niederungen des Hier und Jetzt Mut und Zuversicht.

Mit insgesamt fast tausend Freunden aus ganz Deutschland und Projektpartnern aus der ganzen Welt haben wir beim OJC-Festival diese hohe Anbindung miteinander feiern dürfen (S. 116). Als Überraschung konnten wir alle Gäste zum ersten Mal über die Baustelle und ersten Stationen auf den "Wegen zum Leben", unserem bibelpädagogischen Großprojekt auf Schloss Reichenberg, führen. Biblische Botschaft mit Freude und Kreativität erfahrbar machen -  so verstehen wir unseren kulturmissionarischen Auftrag "Hoffnung in die Herzen - Kultur in die Knochen" (S. 124).

Wunder und Wagnisse

Wer sein Herz riskiert, geht ein Wagnis ein. Wer wagt, gewinnt nicht immer - doch wer beherzt und aufrecht seinen Weg geht, macht wundervolle Erfahrungen. Davon erzählen die Geschichten in einem Buch, das wir uns und vielen Freunden der OJC zum 40. Geburtstag geschenkt haben. Es sind Zeugnisse von gewöhnlichen Männern und Frauen, die mit Gott ernst gemacht und Großes erlebt haben. Es ist ein Mutmach-Buch, auch prima geeignet für Zweifler und für solche, die mit dem christlichen Glauben nicht unbedingt etwas zu tun haben. Es sind vor allem wahre Geschichten, in denen Menschen ehrlich und authentisch berichten, was ihnen widerfahren ist (S. 144).

Verwegenes Vertrauen

Dass Gott mit uns in den vergangenen vier Jahrzehnten Geschichte geschrieben und uns durchgetragen hat, gibt Mut zum Weitergehen. In allen Herausforderungen, in allen Siegen und Niederlagen, in allem Unvollkommenen und Brüchigen unseres Lebens war erfahrbar, was der Nehemia-Vers, den wir in der OJC gerne singen, so auf den Punkt bringt: "Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke!" Das ist bis heute wahr und spürbar, wie auch unser Kommunitätenbischof Jürgen Johannesdotter nach dem Gründungsgottesdienst im April bestätigte. Als wir ihm nach den beiden vollen Festtagen für seinen Einsatz dankten, nahm er mich zur Seite und meinte: "Bruder Klenk, eigentlich müsste ich für diesen Aufenthalt bei Ihnen Vergnügungssteuer zahlen."

Erfüllt von dem fröhlichen Ernst unserer Gründungs-Wochen grüßen wir Sie herzlich aus der OJC. Wir wünschen Ihnen, dass auch Sie unterwegs bleiben - unterwegs und in Verbindung mit Jesus Christus, unterwegs mit Ihrer Flotte vor Ort und mit uns und verbunden in dem verwegenen Vertrauen, dass das Beste noch vor uns liegt!

Ihr

Dr. Dominik Klenk

Reichelsheim, den 20. Juni 2008

Von

  • Dominik Klenk

    Journalist und Medienpädagoge; Leiter und Prior der OJC von 2002-2012; seitdem Leiter des fontis' Verlags (ehemals Brunnen Verlag), Basel

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