Liebe Freunde!

Jesus bewegt. Er bringt uns in Bewegung, ohne uns die Luft zum Atmen zu nehmen. Er mutet uns Anfeindungen zu, aber er gibt uns auch die Kraft zu widerstehen. Er achtet unsere Grenzen, aber er nimmt uns auch an die Hand, um uns auf neue Wege zu führen. Wege, die wir uns nicht immer ausgesucht hätten, die auch schwer fallen. Wege in die Passion. Wege zur Auferstehung. In allem aber: Wege zum Leben. Er spricht uns zu: Ich lebe und ihr sollt auch leben! Christival

Der Weg zum Christival hat es in sich. Seit drei Jahren sind die Organisatoren, Planungsgruppen und Beter um Roland Werner, den Vorsitzenden des Christival e.V., unterwegs, um das größte Jugendfestival evangelischer Prägung in Deutschland auszurichten. Bis zu 20.000 junge Menschen werden vom 1. bis 4. Mai in Bremen aus allen Himmelsrichtungen zusammenkommen. Sie werden miteinander beten, geistige Impulse aufnehmen, Gottesdienste feiern und vom Geist Jesu bewegt werden. Wohl dem Land, das Orte hat, an denen die junge Generation geistlich auftanken und Kirche erleben kann!

Angefeindet

Wie jedes Großereignis ging das Christival 2008 in der Vorbereitung auch durch Planungskrisen, Terminnöte, Raumprobleme und mancherlei Schwierigkeiten. Neu und in ihrer Aggressivität unerwartet waren die öffentlichen Attacken gegen das Christival durch politische Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen. Eindrücklich schildert Elke Pechmann, was im Vorfeld des Christival an Anfeindungen stattgefunden hat und beleuchtet die Hintergründe  (S. 58).

Sie berichtet aber auch davon, dass dieser unerwartete Druck Christen herausgefordert hat, ihre Stimme zu erheben und enger zusammenzurücken. Hier wird deutlich, warum es in der kommenden Zeit auf die Stimme jedes einzelnen Christen in dieser Gesellschaft ankommt. Dass sich inzwischen die EKD und einzelne Bischöfe öffentlich und unmissverständlich hinter das Christival und seine Seminarinhalte gestellt haben, macht Mut im Weitergehen.

Historischer Unterbau

Die Aggressivität politischer Aktivisten gegen dezidiert christliche Initiativen unserer Tage und gegen ethische Positionen, die sich aus dem jüdisch-christlichen Menschenbild herleiten, ist neu, wiewohl nicht ohne Vorgeschichte. In Deutschland geraten Christen aller Konfessionen, auch der historischen Kirchen, zunehmend in die Defensive - sei es bei der Debatte um Bioethik und Embryonenschutz, sei es in den Auseinandersetzungen um Stammzellenforschung, Euthanasie oder Abtreibung. Der Generalvorwurf gegen christliche Positionen lautet: Fundamentalismus und Hinterweltlertum, vor allem bei den Fragen der Sexualethik. Was die Studentenrevolte von 1968 noch als Provokation gegen bürgerliche Prüderie veranstaltete, gilt heute als "normal".  Inzwischen muss man für die Anerkennung von Ehe und Familie als tragende Bausteine der Gesellschaft mit Lobbygruppen werben. Dabei zeigt die Geschichte und belegt die wissenschaftliche Forschung, dass Ehe und Familie, Vater und Mutter die beste Voraussetzung für ein gesundes Heranwachsen der nächsten Generation bieten. Dass unsere Gesellschaft nicht zur Unvernunft verpflichtet ist und mutig Prioritäten setzen sollte, zeigt der kluge Essay des Psychiaters und Therapeuten Christian Spaemann (S. 64).

Toleranz und Gleich-Gültigkeit

Blickt man auf die Verschiebungen des Wertekanons in unserer Gesellschaft, so fällt insbesondere eines auf: Die gelebte Kultur einer christlichen Ethik wurde allmählich durch ein neues Paradigma abgelöst. Gut ist, was sich gut anfühlt - vor allem in Sachen Lust. Das Zwillingspaar Toleranz und Gleich-Gültigkeit aller Werte eroberte den öffentlichen Raum. Aus dem berechtigten Kampf um den Schutz der Rechte von Minderheiten wurde eine Idealisierung des Minderheitenstatus. Nicht mehr Gut und Böse, sondern Minderheit und Mehrheit wurden zum Wertmaßstab ethischer Beurteilung. In der Minderheit sein ist gut, in der Mehrheit sein ist nicht gut. Der Opferstatus wird ein Mittel zur Durchsetzung der eigenen Ziele: Wer sich als Opfer fühlt, ist automatisch im Recht. Allgemeine Wertmaßstäbe darf man nicht mehr anlegen. Man darf nicht mehr sagen: Ehe ist gut und andere sexuelle Lebensformen sind nicht gut. Vielmehr gilt: Gut sind die, die sagen, dass alle sexuellen Lebensformen gleich-wertig sind. Wer etwas anderes behauptet, ist böse.
Das Evangelium redet klar von Sünde und auch von Sündern. Den Sünder lieben, die Sünde, die immer zerstörerisch wirkt, hassen, ist die biblische Grundlinie, die eine fruchtbare christliche Ethik ermöglicht hat. Für eine christliche Ethik, die Leben schützt und ermöglicht, wollen wir einstehen und aufstehen!

Dawar, dawar - da war doch was?

Das Reden Gottes, sein Hineinsprechen in das Tohuwabohu, hat den Kosmos erschaffen underhält ihn bis heute. Das Sprechen Gottes wird im Hebräischen mit dem Wort dawar gefasst. Dawar hat vier gleichgewichtige Bedeutungen: Wort, Sinn, Kraft und Tat. Gottes Kraft zielt auf Verleiblichung, das Wort will Fleisch werden. Ethik in diesem Sinne ist das, was ins Leben führt. Daher geht es bei christlicher Ethik nicht um abstrakte Werte, um das bessere Denken, nicht um weltferne Spiritualität oder um politische Macht: es geht um das konkrete, fruchtbare und schöpferische Leben. Als Ebenbilder Gottes haben wir Anteil an dieser Schöpferkraft. Unsere Worte und Werke können ins Leben ziehen oder zu Boden reißen. Das hat die andere Revolution von 1968 anschaulich gezeigt (S. 72).

Die Revolution der Herzen

Es war im Frühjahr 1968, als auf Studententagungen der Impuls für eine Offensive von jungen Christen entstand. Nicht aggressiv, wie manche politischen Kräfte jener Tage im Zeichen des roten Sterns wollte man sein, aber auch nicht defensiv; sondern vom Evangelium her offensiv und dynamisch leben. Wichtig wurde damals die Botschaft des Paulus: Wir schämen uns des Evangeliums von Jesus Christus nicht, denn es ist eine Kraft, die selig macht alle, die daran glauben (Römer 1,16). Aus diesen Aufbrüchen ist die OJC-Großfamilie erwachsen (S. 78). Im Laufe der Jahre wurde daraus eine Lebensgemeinschaft auf Zeit, die heute in einem weltweiten Freundesnetzwerk verbunden ist. Tausende von nicht nur jungen Menschen haben durch die Begegnung mit der OJC im Laufe der Jahre Heimat, Freundschaft und Richtung für ihr Leben gefunden.

Komm - deine Revolution ist jetzt!

Die Proklamation des Paulus gilt heute noch: Wir alle sind gerufen, der Kraft zu trauen, die alles Erstarrte lebendig macht und alles Verkrustete aufsprengt. Einer Kraft, die radikal ist. Sie geht an die Wurzel von Hoffnungslosigkeit und Resignation. Sie ist revolutionär! Wer die Freude der Veränderung im eigenen Leben erfahren hat, der möchte andere anstecken.

Jesus bewegt, Jesus verändert, denn er ist der ganz andere.

Jesus ist die Revolution des unantastbaren Gottes - er macht sich für dich berührbar. Folge ihm nach und halte deine Herzhaut weich.

Jesus ist die Revolution für dein einsames Heldentum - denn er ist der Sohn. Folge ihm nach und suche die Verbindung zum Vater im Himmel.

Jesus ist die Revolution in deinen Beziehungen - denn er ist der Freund. Folge ihm nach und werde zum Freund der Menschen.

Jesus ist die Revolution der Machtspiele - denn er ist der Unbestechiche. Folge ihm nach und wachse in Klarheit und im Stehvermögen.

Jesus ist die Revolution in der Spirale der Gewalt - denn er liebt. Folge ihm nach und erlebe, dass die Liebe stärker ist als der Tod.

68 war gestern - deine Revolution ist jetzt!
Riskiere dein Herz, lade Jesus neu in dein Leben ein. Es ist ein kleiner Schritt mit großen Folgen: er verändert dich und die Welt.

Aufbruch nach 40 Jahren

Die vergangenen Jahre haben uns gelehrt, dass der Generationswechsel in der OJC uns auf die Zukunft ausrichtet und in eine neue Verbindlichkeit hineinruft. Darum werden wir nach 40 Jahren Weggemeinschaft in eine neue geistliche Wirklichkeit aufbrechen. Wir wollen miteinander befestigen, was wir dem Namen nach längst sind: eine Kommunität. So sind wir daran, einen "modernen Orden" zu gründen, in dem Familien und Ledige, Männer und Frauen, Alte und Junge verbindlich zusammenleben und sich einem gemeinsamen Auftrag verpflichtet haben. Unsere begründete Hoffnung ist, dass wir durch den Zugewinn an Verbindlichkeit eine größere Schwerkraft nach innen entwickeln. Diese befähigt uns, in Zukunft offensiver nach außen zu wirken: sowohl, was unseren Auftrag im Horizont der oben erwähnten Kampffelder betrifft, als auch, was die "Auspflanzung" von neuen geistlichen OJC-Zellen anbelangt.
Danke für Ihr Mitbeten und Mittragen dieses Aufbruchs!

Eine wichtige Wegbereitung für diesen Aufbruch war der intensive Kommunikationsprozess mit der Evangelischen Kirche (EKD) der letzten Jahre, der die Anerkennung von Kommunitäten und Gemeinschaften als wesentlichen Ausdruck von Kirche zur Sprache brachte. Wir sind überzeugt, dass das Miteinander von verbindlichen geistlichen Gemeinschaften und der Kirche vor Ort ihre beste Zeit noch vor sich hat.

Wir sind dankbar für Gottes Wegweisung, alle Bewahrung und Zuspruch in diesen Tagen. Und wir sind gewisser denn je, dass ein offensives und dynamisches Leben an seiner Hand die stärkste innovative Kraft in Kirche und Gesellschaft ist.

Danke, dass Sie diesen Weg mitgehen und auch in Zukunft zu uns stehen.
In herzlicher Verbundenheit und mit offensiven Grüßen,

Ihr Dominik Klenk

Reichelsheim, den 25. März 2008

Von

  • Dominik Klenk

    Journalist und Medienpädagoge; Leiter und Prior der OJC von 2002-2012; seitdem Leiter des fontis' Verlags (ehemals Brunnen Verlag), Basel

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