Völlig durchgeknallt oder total radikal?

Ein Anruf zum Abheben mit Jesus

von Roland Werner

Ich sitze in der Wartehalle auf dem Frankfurter Flughafen. Der Koffer ist eingecheckt, die Passkontrolle liegt hinter mir. Jetzt bleiben noch wenige Minuten, bevor wir in das Flugzeug einsteigen. Eine ganz normale Situation. Wirklich?

Selbstbestimmung ade?

Eigentlich ist das absurd: in wenigen Minuten werde ich zwei wesentliche Dinge an eine mir völlig unbekannte Person abgeben: Das grundlegende Menschenrecht auf Selbstbestimmung sowie das fundamentale Bedürfnis nach Kontrolle.
Wie das? Ist doch klar: Ich werde in einen überdimensionalen Kasten aus Stahl einsteigen, der sich dann vom Boden abheben und eine Höhe von elf Kilometern gewinnen wird, dabei mehrere Gebirge und einen Ozean überquert, um  schließlich auf einem anderen Kontinent zu landen.
Am Steuer dieses Ungetüms mit der verharmlosenden Bezeichnung "Flugzeug" befindet sich ein Pilot, den ich nicht kenne. Ihm vertraue ich mein Leben an, ohne irgendwelche Garantien zu haben, dass er verantwortlich damit umgehen kann und wird. Ich weiß nicht, ob er seinen Flugschein rechtmäßig erworben oder auf dem Schwarzmarkt gekauft hat. Ich weiß nicht, ob er nüchtern ist oder den Flug in alkoholisiertem Zustand zurücklegen wird. Ich kenne das Flugzeug nicht, weiß nicht, ob es fachgerecht gewartet und repariert worden ist oder nicht.
Und dennoch: Ich setze mich seelenruhig in den Flieger, lese die Zeitung oder ein Buch, trinke meinen Kaffee und nicke zwischendurch sogar ganz entspannt ein.
Ziemlich durchgeknallt, so etwas zu machen, oder?

Völlig verrückt?

Ähnlich radikal ist es bei der Sache, um die es hier geht: Jesus Christus nachfolgen.
Allein schon diese Worte klingen ziemlich radikal. Um nicht zu sagen: durchgeknallt.
An Jesus Christus glauben? Ihm nachfolgen? Ihn zum bestimmenden Faktor meines Lebens machen?
Ist das nicht völlig verrückt? Ist das nicht etwas für religiöse Fanatiker?
Und dann noch der Anspruch, dass Jesus die Schlüsselfigur ist. Dass es auf ihn ankommt wie auf keine andere Person.
Ist das nicht völlig vernagelt? Ist der Glaube an Jesus nicht etwas von vorgestern, etwas, das im 21. Jahrhundert keine Bedeutung mehr hat?
Wie kann ein gebildeter Mensch sein ganzes Leben auf diese eine Karte setzen?
Das fragen viele Zeitgenossen. Es ist doch besser, sich die verschiedenen Möglichkeiten offen zu halten. Gerade in solchen Sachen wie Religion und Glaube! Wer weiß da denn schon genaues?

Und die Fragen hören nicht auf. Ist die Sache mit Jesus wahr? Lohnt es sich überhaupt, sich mit ihm zu beschäftigen? Und was bringt das Ganze?

Ein radikaler Anspruch?

So wirft das Thema Nachfolge Jesu unzählige Fragen auf. Und bei vielen erzeugt es nur Kopfschütteln.Viel anders waren die Reaktionen damals auch nicht. So sehr seine Zeitgenossen auch von ihm angezogen wurden, so sehr sie begeistert waren von seinen Worten und Wundertaten, so sehr waren sie auch verunsichert.Jesus trat mit einer unglaublichen Autorität auf. Er konfrontierte die Menschen mit einem ungeheuren Anspruch. Einem reichen jungen Mann, der zu ihm kam und ihn nach dem Sinn des Lebens fragte, sagte Jesus unverblümt. "Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen. Und dann komm und folge mir nach!" Radikaler geht es wohl nicht. Aber genau das ist die Sache. Christsein heißt eben nicht, ein netter Mensch zu sein, engagiert, aber im Grund doch harmlos. Sondern es heißt, sich mit seiner ganzen Existenz dem Rabbi Jesus aus Nazareth anzuvertrauen. Sich mit ihm auf den Weg zu machen. Ihm nachzufolgen.Wer sich darauf einlässt, wird entdecken, dass es sich lohnt. Und dass er dabei dem Leben auf der Spur ist.

Von

  • Roland Werner

    Dr. phil., ist Sprachwissenschaftler und evang. Theologe. Er leitet mit seiner Frau Elke die ökum. Gemeinschaft Christus-Treff in Marburg, ist Autor vieler Bücher und war bis Anfang 2010 Vorsitzender des Christival.

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