Zwischenruf aus Knast und Kloster

Wir haben zwei der ersten "Offensiven Christen" gefragt,
welche Spuren ihre Begegnung mit der OJC
in ihrem Leben hinterlassen hat.

1968

... eine restaurative Republik und Gesellschaft.

"Leise rieselt der Kalk, Professoren werden alt" reimten die Studenten. Der Besuch des Schah von Persien in Berlin und die Erschießung eines Studenten durch einen überreagierenden Polizeibeamten ließ die Unzufriedenheit explodieren. Außer Links-außen wusste aber niemand recht, was und wie eigentlich konkret besser werden sollte, und das linke Denken war auch reichlich wirklichkeitsfremd.

Horst-Klaus und Irmela Hofmann haben jungen Menschen wie mir eine realistische Plattform zur Veränderung der Gesellschaft auf der Basis der Veränderung von Menschen durch den Geist Gottes angeboten. Ich war erstes männliches Mitglied der damaligen Jahresmannschaft - wie von Hofmanns insgeheim gewünscht: mit Bart - von Oktober 1969 bis Dezember 1971. Das wichtigste Erlebnis aus dieser Zeit: Im Frühjahr 1971 flogen wochenlang in einer nie gekannten Art die Fetzen, und die Großfamilie stand vor dem Zerbruch. Wir dachten viel darüber nach und rätselten herum, doch keiner fand den Grund für die Heftigkeit der Auseinandersetzungen. An einem Abend sagte Irmela Hofmann in der Kapelle leise zu Ingrid, seit gestern sei plötzlich alles anders, die Luft sei klar.

Mich durchfuhr es wie ein Blitz: Ich war der Grund gewesen! Ich hätte nach Gottes Willen etwas Bestimmtes tun sollen, es ging um eine Unternehmung nach draußen. Als introvertierter Mensch mit wenig Selbstbewusstsein traute ich mir das nicht zu, ich hatte Angst. So etwas deklariert man nicht als Sünde. Aber es war Sünde, weil ich Gott nicht vertraute. Dies war es, was die Situation vergiftet hatte - bis, ja bis ich innerlich frei wurde, das zu tun, was ich sollte. Und das war am Vortag geschehen. Heutzutage ist Rückzug in die Privatsphäre angesagt und sachliche Verantwortung wird durch vielfach unwirksame Leitbilder, Imagepflege, beschönigende Öffentlichkeitsarbeit ersetzt. Wir aber wollen den Menschen um uns durch die Erneuerung unseres Lebens dienen.

Die OJC hat mich befähigt, in meiner Tätigkeit als Justizvollzugsbeamter mehr die Menschen in den Mittelpunkt meines Handelns zu stellen.

Mao

... und die Maobibel waren uns Kunststudenten bekannt, das Evangelium hingegen den wenigsten. Ich wollte damals meine 800 Kommilitonen mit der Botschaft Jesu erreichen und suchte Verbündete. Alle, die ich fragte, lehnten jedoch ab - es war ihnen "zu heiß". Ich hörte dann von Horst-Klaus und Irmela Hofmann, denen es gelungen war, junge Revolutionäre für das Gottesreich zu begeistern. Wo treffe ich diese Leute? Bei den Evangelischen Marienschwestern in Darmstadt, hieß es. Wie bitte?? Das kann unmöglich der geeignete Ort sein, um Revolutionäre zu bekehren.

Dann erlebte ich die ersten OJC-Konferenzen in einer unübertrefflich fromm geprägten Umgebung - ein äußerlich zwar ungeeigneter, innerlich aber ein sehr geeigneter Ort. Dort begriff ich, dass ein wirklich revolutionäres und vollmächtiges Leben mit Umkehr zusammenhängt, mit Versöhnungsbereitschaft und  einem Gebetseinsatz, der Gott das völlig Unmögliche zutraut. Diese Schwestern in ihren weißen Hauben waren viel revolutionärer als meine demonstrierenden Mitstudenten!

Doch am meisten hatte mich etwas anderes berührt. Ich war dort nicht allein der Liebe Jesu neu begegnet, sondern einer leidenschaftlichen Liebe zu Jesus, die verändert, befreit, erfüllt und glücklich macht.
Diese Entdeckung hatte Langzeitfolgen, die ich nie bereut habe...

Von

  • Burghart Jäckel

    Jurist, war von 1969 bis 1971 in der OJC- Jahresmannschaft. Seit 1991 leitet er die Justizvollzugsanstalt Bautzen in Sachsen.

    Alle Artikel von Burghart Jäckel
  • Joela Krüger

    ist heute eine leitende Schwester der Evang. Marienschwesternschaft in Darmstadt und OJC-Freundin der ersten Stunde.

    Alle Artikel von Joela Krüger

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