Burst my Bubbles

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Andreas W., Jahresteam 2007/08 auf Schloss Reichenberg, studiert in München Elektro- und Informationstechnik.

Hoffnung wächst auf dem Boden der Wirklichkeit. Kurzzeugnisse

Eine Zweierschaft der leeren Hände 

Obwohl ich in meinem OJC-Jahr intensivste Gemeinschaft erlebt hatte, gab es immer wieder geistliche Durchhänger, Zeiten, in denen ich nicht empfänglich war für Gottes Reden und in Unzufriedenheit und Gottesferne abdriftete. Wenn ich mich während solcher Phasen in den frühen Morgenstunden mit Samuel zur Zweierschaft traf, kam ich wirklich mit leeren Händen. Ich hatte nichts, was ich teilen konnte. So saßen wir dann - meist nach einem mühsam gestammelten Gebet mit der Bitte um Gottes Gegenwart - minutenlang im gemeinsamen Schweigen. Und genau in diesen Momenten passierte jedes Mal das Wunder: Gott war da. Langsam traute ich mich, Samuel etwas von meinen Fragen, Zweifeln und Problemen preiszugeben. Und auch er konnte plötzlich benennen, wie es ihm wirklich geht und was ihm schwerfällt. Durch dieses Anteilgeben und -nehmen wuchs in uns der Mut, Neues zu denken und auszuprobieren. 

Die Zweierschaft war mir vor allem in den schwierigen Zeiten eine unglaubliche Hilfe. Aber auch in guten Zeiten war es ansteckend und mitreißend zu hören, welche Schritte der andere gerade mit Gott geht. Es stimmt wirklich: Wenn man teilt, hat man danach doppelt so viel!

Gemeinsam in der Nachfolge Jesu

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Michael Wolf

Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen." (Lk 24,15) In diesem Vers ist das Kostbarste ausgedrückt, das ich mit Austausch verbinde: Jesus beschenkt uns mit seiner Gegenwart, er tritt zu uns und begleitet unsere Wege. Auch nach über 20 Jahren fällt es mir nicht leicht, im geschwisterlichen Austausch etwas von meinen Nöten, Begrenzungen und Versagen mitzuteilen - immer bleibt es ein bewusster Schritt, das eigene Herz zu zeigen. Aber wenn es gelingt, spüren wir umso deutlicher, dass wir zusammengehören, weil Jesus jeden von uns in seine Nachfolge gerufen hat. Trotz aller Unterschiedlichkeit und zeitweiliger Unverträglichkeit sind wir in gleicher Weise auf ihn angewiesen und wollen einander lieben und tragen - auch dort, wo unsere menschliche Liebe und Tragfähigkeit an ihre Grenzen kommt.Ermutigend ist für mich, wenn mich die Geschwister im Austausch etwas von ihrer Glaubenspraxis sehen lassen. Dadurch habe ich vor allem das Danken gelernt. Wenn ich etwas von ihren Nöten erfahre und wie sie von Gottes Erbarmen her leben und handeln, gibt mir das Hoffnung für die Bereiche meines Lebens, in denen ich zu kämpfen habe.

Falsche Stimmen entlarven

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Sophia H. macht eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester in Dresden.

Austausch bedeutet für mich, in der Wahrheit zu sein und ein Gespür für mein Inneres zu bekommen, in wirren Gedankenkonstrukten den roten Faden zu erkennen. Die regelmäßigen Austauschzeiten im Schlossteam waren ein wichtiges Lernfeld. Anfangs neigte ich dazu, mich in meinem Gedankenwirrwarr einzuigeln und zu denken, meine Gedanken seien belanglos und für andere uninteressant. Allmählich konnte ich diese falschen Stimmen in mir entlarven und in die Offensive gehen. Meine Gedanken klärten sich, während ich sie teilte, und meine Wirklichkeit wurde in Zusammenhängen erkennbar - für mich und für die anderen. Alles, was ich sagte, durfte erst einmal stehenbleiben und ich lernte, dass meine Worte schon deswegen einen Wert haben, weil Jesus mir meinen Wert zuspricht. Ich glaube, dass im Reden über das, was Gottes Wort in mir bewirkt, eine Kraft liegt, die mein Leben verändert - ganz wie Jesus es verspricht: Was wir im Glauben aussprechen, wird Wirklichkeit (Mk 11,23). 
Den Austausch möchte ich auch in meinem Dresdener Leben nicht missen. Der wöchentliche Hauskreis bietet dazu Gelegenheit. Oft staune ich, wie Gott konkret im Leben anderer wirkt - das ist für mich die größte Ermutigung. Wichtig ist auch der Austausch in meiner Zweier-WG mit Denise. In stressigen Prüfungszeiten muss die morgendliche Zeit vor dem Badezimmerspiegel reichen, um einander auf dem Laufenden zu halten. Aber immer wieder zücken wir die Terminkalender und legen einen gemeinsamen Abend für eine intensivere Aussprache fest. Ich hoffe, dass ich nie müde werde, die kostbaren Zeiten, in denen ich anderen begegne, freizuhalten. Sie dürfen mich etwas kosten.

Damit ich weiterleben kann

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Michael Kämpfe, gelernter Bautechniker, war 1993-97 in der OJC. Heute arbeitet er in einem christlichen Medienvertrieb in Giessen.

Vertrauen wagen, damit ich weiterleben kann, das war meine Sehnsucht in den schwierigen Kinderjahren. Ein Zuhause finden, angenommen sein, geliebt werden, ohne Angst, dass man mich aushorcht und das Gesagte gegen mich verwendet. Als Vollwaise im DDR-Kinderheim der 60-er und 70-er Jahre lernte ich schnell, nicht durch Fragen aufzufallen, geschweige denn Einblick in mein Innerstes zu gewähren. Aber die Erkenntnis, dass meine politische Erziehung nicht mit der Alltagsrealität zusammenpasste, führte mich als jungen Erwachsenen nicht nur in innere Konflikte, sondern auch in Konflikte mit dem real existierenden Sozialismus. Ich war kaum 20 Jahre alt, als ich wegen unbedachter "Äußerungen", die jemand notiert hatte, von der Stasi abgeholt wurde und "verschwand". Das hatte ich nun von meiner Offenheit.
Als die Mauer fiel, wollte ich "raus" und umreiste die Welt. Nach vielen äußeren und inneren Umwegen landete ich in der OJC-Jahresmannschaft und in der Austauschrunde in Hermann Klenks Wohnzimmer. Um 7 Uhr morgens kamen wir Männer, um unsere Eindrücke aus der Stille zu teilen - miteinander und vor dem Angesicht Gottes. Anfangs schwieg ich noch und konnte nur staunen, wie offen, ehrlich und selbstkritisch Hermann uns berichtete. Das war neu und ungewohnt für mich. Es brauchte eine wirkliche Umkehr, um endlich mein verwundetes Herz zu zeigen. Dann aber erlebte ich, wie meine Vertrauensfähigkeit wuchs, wie unsere Gemeinschaft sich festigte und auch, wie meine Verletzungen zu heilen begannen.  
Heute darf ich, wie damals Hermann, mein Wohnzimmer, mein Ohr und mein Herz öffnen und das Gelernte weitergeben. Gelegenheit dazu bieten mein Hauskreis, die Männerstammtisch-Arbeit, Mentorengespräche mit jungen Erwachsenen, Gespräche mit meinen Freunden und der persönliche Austausch in einer Zweierschaft. Das sind die Übungsfelder, in denen ich Vertrauen wagen, meine Ängste, Sehnsüchte und Pläne offenlegen und für meine Hoffnung auf Gottes Fürsorge Worte finden kann.

Eine Lebenshaltung, die trägt

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Prof. Dr. vet. Heiko Hörnicke, im aktiven Ruhestand, hält mit seiner Frau Christl Seminare zu Themen der "Dritten Lebenshälfte"

Meine erste Stille Zeit wurde zum Einstieg in eine Lebenswende. Ich war ganz ohne christliche Unterweisung aufgewachsen und kannte Gott nicht. Da stieß ich auf einen Kreis junger Menschen, die lebendig von ihren Erfahrungen mit Gott berichteten. Sie waren überzeugt, dass wir durch das Hören auf Gott die nächsten Schritte für unser Leben erkennen könnten und erprobten das gleich mit uns. Gott hat damals tatsächlich so deutlich zu mir gesprochen, dass ich nie wieder an seiner Existenz gezweifelt habe. Mir wurde glasklar, dass ich mit meiner Freundin ehrlich reden musste über mein Leben. Diese rückhaltlose Ehrlichkeit wurde zu einer wichtigen Grundlage unserer Ehe.
Durch die Moralische Aufrüstung (MRA) lernten wir mehr über die Praxis des Hörens auf Gott und den Segen des persönlichen Austausches. Wir haben das als Ehepaar gewissenhaft praktiziert und es ist uns zu einer Lebenshaltung geworden. Als wir später Kinder hatten, nutzten wir die Zeit, solange die Kinder noch schliefen, und dachten in der Gegenwart Gottes über den vor uns liegenden Tag nach. Wir schrieben unsere Gedanken auf und trugen sie dann einander vor. Das war wichtig in einer Zeit, in der wir in zwei verschiedenen Welten lebten, Christel im Haushalt und ich im Beruf. So nahmen wir gegenseitig Anteil an dem, was den anderen gerade bewegte. 
Es gab auch Krisenzeiten. Da meine Frau gelegentlich auf einiges, was ich berichtete, heftig reagierte, begann ich, kritische Themen beim Austausch wegzulassen. Irgendwann aber fasste ich den Entschluss: was aufgeschrieben ist, wird auch ausgetauscht! Zu meiner Überraschung waren die meisten Bereiche, bei denen ich eine Reaktion erwartete, gar nicht problematisch für sie. 
Im Laufe der Jahre haben sich Form und Inhalt unserer Stillen Zeit verändert. Immer wichtiger wurde uns das gegenseitige Anteilgeben an den Entdeckungen während unserer Bibellese. Mehr als früher halten wir bei anstehenden Problemen oder vor wichtigen Gesprächen tagsüber inne, denken darüber nach und tauschen dann aus. Diese gegenseitige Ergänzung ist uns wichtig. So kommt es oft zu weiterführenden Gedanken oder das Aufmerksamwerden auf Gefahren. 
Auch in unseren Hauskreisen haben wir versucht, den persönlichen Austausch einzuführen und einzuüben. Es war ein Geschenk, wenn wir uns mit der Zeit so nahe kamen, dass wir es wagten, einander unsere Erfahrungen und Nöte offen mitzuteilen und dafür zu beten. Was Gott im Leben anderer Menschen an Veränderungen gewirkt hat, hat unseren Glauben mehr wachsen lassen als unsere eigenen Erfahrungen.

Von

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