Durch die Mauern - Buch von Leif Hovelsen

Lieber Leif!

Von ganzem Herzen danke ich Dir für Dein zauberhaftes und wertvolles Buch. Ich habe es in einem Zuge gelesen und bin aus mehreren Gründen sehr beeindruckt: Ich wusste fast gar nichts aus Deinem Leben. Du erzählst so bescheiden und zurückhaltend.

Es tut mir von Herzen leid, was Du unter uns Deutschen zu erleiden hattest, körperlich, seelisch und geistig, dafür bitte ich Dich herzlich um Verzeihung und Vergebung, ich schäme mich für mein Volk und alle Gräueltaten, die es getan hat.

Herzlichen Dank, dass Ihr, Du und Deine Freunde, dennoch die besten Jahre Eures Lebens gegeben habt, um uns nach dem Krieg zu helfen, als wir uns selbst nicht helfen konnten. Danke für Euren Einsatz im Ruhrgebiet, für Euer Ringen um die Erneuerung des Denkens im Menschen. Es hat mich tief beeindruckt, dass Du nie für eine neue Ideologie gekämpft hast, sondern immer um die Erneuerung einzelner Menschen.

Danke für Deinen Einsatz für das erneuerte Verhältnis zwischen unseren beiden Staaten, für alle Mühe und Arbeit für Euren König und unseren Bundespräsidenten. Danke, dass Du Gottes Weisung gefolgt bist, auch wenn das anfangs auf große Widerstände gestoßen ist.

Danke für das Beispiel mit der hübschen Frau in der Nacht im Ruhrgebiet, wo Du Deiner Versuchlichkeit widerstanden hast. Danke für Deine Ehrlichkeit und den Blick, den Du uns in Dein Herz gewährst.

Danke für Deine Treue zu Gott und der immer wieder notwendigen Erneuerung Deiner Entscheidung.

Danke, dass Du Dich im Alter noch einmal aufgemacht hast, um nach Russland zu gehen und dafür ‚Endlich-das-Leben-genießen‘ zurückgestellt hast. Ich weiß selbst, wie ich mich danach gesehnt habe, Radtouren oder tagelange Wanderungen zu machen, wenn ich mal in Rente bin - und das bin ich jetzt seit fünf Jahren -, aber Gott hat mich gerufen, der OJC-Gemeinschaft mit meiner Kraft und Zeit zu dienen, wo Unterstützung gebraucht wird.

Eines muss ich Dir noch sagen. Du schreibst über dein Engagement in der Moralischen Aufrüstung (MRA): "Gelegentlich fiel es mir auch schwer, im angesagten ideologischen Takt zu gehen! Ich wusste, dass ich bei etwas mitmachte, das richtig und wichtig war, aber ich fühlte mich trotzdem darin nicht immer ganz heimisch." Lieber Leif, das habe ich schon bei unserer ersten Begegnung vor mehr als 30 Jahren gespürt, obwohl wir nie darüber gesprochen haben: Du bist anders. Das sage ich ohne Vorwurf gegen die anderen. Du warst immer unangepasst. Gott hat Dir eine "geistliche Blutgruppe" gegeben, die unserer sehr ähnlich ist.

Es ist schön und hilfreich, wie Du über die Stille sprichst. Nicht die alltägliche Pflichtübung ist es, an der Du gewachsen bist, sondern die tiefe, schöpferische Stille in der Gegenwart Gottes.

Lieber Leif, Gott hat Dich gebraucht und Du hast Dich gebrauchen lassen, um seinen Namen unter den Völkern zu verherrlichen. Der Auferstandene segne Dich an jedem neuen Tag. Er gebe Dir seinen Schalom, sein Zur-Ruhe-Kommen.

In herzlicher Freundschaft, Dein

Hermann Klenk

Reichelsheim, den 18. April 2009

Leif Hovelsen: Versöhner zwischen den Nationen

Leif Hovelsen, aktiv im Widerstand gegen die Nazi-Besatzer Norwegens, wurde 1943 an die SS verraten, vier Monate in Einzelhaft gehalten, verhört, gefoltert und mit dem Tod bedroht. Die Zeit bis zur Kapitulation Deutschlands im Mai 1945 verbrachte er in Gefangenenlagern. Dort lernte er von Mitgliedern der Oxfordgruppenbewegung, auf Gott zu hören und sein Gewissen im Licht der vier absoluten moralischen Prinzipien zu prüfen: Ehrlichkeit, Reinheit, Uneigennützigkeit und Liebe.

Nach Kriegsende nahm er, zum Wächter über seine inhaftierten deutschen Lageraufseher bestellt, Rache. Sein Gewissen aber machte ihm klar, dass "in meinem Wesen der Keim zu dem gleichen Bösen lag, das ich bei den Deutschen und denjenigen verurteilte, die mich und meine Mitgefangenen misshandelt hatten." Er beschloss, seinen Peinigern zu vergeben und sein Leben der Versöhnung zwischen Menschen und Nationen zu widmen.

Bald darauf folgte er dem Ruf, zusammen mit anderen Gleichgesinnten im Ruhrgebiet am Aufbau eines neuen, anderen Deutschlands mitzuwirken. Das war revolutionär und zugleich unabdingbar, denn eine Versöhnung der Völker Europas war ohne Deutschland nicht möglich. Als stiller Botschafter vermittelte Hovelsen vor allem zwischen den Regierungen in Oslo und Bonn und verhalf so den beiden Nationen zu neuen partnerschaftlichen Beziehungen.

Ende der 1980er Jahre stellte er sich einer neuen Herausforderung. Statt sich in seiner Heimat zur verdienten Ruhe zu setzen, ging er in die Sowjetunion! Seine bereits bestehenden Kontakte zu russischen und osteuropäischen Dissidenten konnte er während der Perestrojka intensivieren und ausweiten. Er begleitete den unter Hausarrest stehenden Andrej Sacharow, korrespondierte mit Alexander Solschenizyn und unterstützte die freiheitlichen Bemühungen für ein demokratisches Russland. Auf seine leise Anfrage an Gott: Wo bin ich eigentlich zu Hause?, bekam er die Antwort: "Du bist dort zuhause, wo ich dich hinführe!" Seinen Lebensbericht, den er ursprünglich für seine Patenkinder aufgezeichnet hat, schließt er mit den Worten: "Ich habe immer nur versucht, der leisen Stimme zu folgen, mit der Gott zu uns Menschen spricht."

Unsere Buchempfehlung: Leif Hovelsen, Durch die Mauern, Asaph GmbH Lüdenscheid 2009. Das ungewöhnliche Lebenszeugnis eines Mannes, der sich für Versöhnung im Europa nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte.

Von

  • Hermann Klenk

    Architekt und Liturg der OJC-Gemeinschaft. Er ist verantwortlich für den Bau des Mehrgenerationenhauses und gehört zum Gottesdienstteam.

    Alle Artikel von Hermann Klenk

Das Salzkorn im Abonnement

Jede Ausgabe dieser Zeitschrift können Sie kostenfrei bestellen »

Auch künftige Ausgaben vom Salzkorn (erscheint vier Mal im Jahr) senden wir Ihnen gerne zu. Hier können Sie das Salzkorn abonnieren »

Unsere Veröffentlichungen unterstützen

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, christliche Werte und eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit Strömungen der Zeit auf der Grundlage des Evangeliums an nachfolgende Generation zu vermitteln.

So können Sie spenden:

» Bankverbindung
» Spendenformular
» PayPal