Sei ein Pirat!

Vom Abenteuer ansteckenden Lebens: FSJ in der Offensive

 Von Klaus Sperr

Wie kommt man zu einem leidenschaftlichen, revolutionären ­persönlichen Glauben, der sich gesellschaftlich auswirkt? Diese Frage an unseren Gründer Horst-Klaus Hofmann stand 1968 am Anfang der Großfamilie und führte zur Urberufung unserer Kommunität: „Schafft und schult eine geeinte, revolutionäre Mannschaft, eine Streitmacht, die Menschen von Gott abhängig macht und in unserer Welt die brennenden Probleme wirksam anpackt …“

Die Ausdrucksweise mag sich gewandelt ­haben, die Herausforderung aber ist geblieben. Bis heute braucht unsere Welt junge Menschen, deren Leben durch Jesus verwandelt wurde und die hoffnungsvoll ansteckend in ihrer Gesellschaft leben. Darum laden wir seit 38 Jahren zum Mitleben auf Zeit im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) ein.

Jesus als Vorbild

Als Gott in Jesus Mensch wurde, gab Er ein großes Ziel vor: Weltmission. Dennoch hat ­Jesus keine globale Organisation angestrebt, sondern sich auf zwölf junge Menschen ­beschränkt. Mit ihnen hat er sein Leben geteilt, sie angesteckt und geprägt. Jesus hat auf Infektion und Multiplikation gesetzt. Auch heute ist das unser Leitbild, so wie Er, junge Menschen für eine leidenschaftliche Gottes­beziehung zu gewinnen und damit zu rechnen, dass diese Saat vielfältige Früchte trägt!

Wir möchten, dass junge Leute bei uns Heimat, Freundschaft und Richtung in Christus finden. Dies entspricht den drei menschlichen Grundfragen, die in der Schöpfungsgeschichte anklingen: Wer bin ich? Wie kann ich mit den anderen leben? Wozu braucht es mich? Wer sich bei Christus als der Quelle seines ­Lebens beheimatet, kann in dieser Verbundenheit auf andere zugehen. Und nur aus der Verbundenheit mit Gott und Mensch findet man seine Richtung und kann richtungsweisend ­leben.

Heimat in Christus

Wir, die wir mit den jungen Leuten leben, sind nicht ihre Meister, sondern Weggefährten. ­Jesus ist der Meister; Er allein ist die Quelle. Darum gehört das Einüben einer persönlichen Stille zu den Grundelementen unseres Lebens. Allein in der Begegnung mit Gott kann unser Leben heil werden. Junge Menschen lernen, sich der Realität ihres Lebens zu stellen und gleichzeitig darüber hinauszuwachsen. Eine junge Frau brachte das auf den Punkt: „Man sieht hier so viel Gutes in mir, obwohl ich so viel Schlechtes über mich weiß.“

Wenn ich weiß, woher ich komme und meine Geschichte annehme, kann ich auch spüren, wohin ich will. Da klingen Fragen an wie: Was macht mein Leben besonders? Wo schlägt mein Herz? Wie klingt meine eigene Stimme und wie kann ich sie in das Getöse dieser Welt einbringen?

Freundschaft in Christus

Wer in der Begegnung mit Gott gelernt hat, sich selbst zu begegnen, ist reif für die Begegnung mit dem Nächsten. In einer Gesellschaft der Beziehungsnomaden braucht es Menschen, die lernen in Verbundenheit zu leben: mit und aus Gott, mit und für Menschen.

Jede FSJ-Gruppe startet als Team: nicht freiwillig zusammengekommen, aber aufeinander bezogen. Wenn es gut läuft, wird aus einem Jahresteam eine Jahresmannschaft. Nicht nur aufeinander bezogen, sondern miteinander verbunden – im gemeinsamen Glauben und Erleben. Verbunden auch als solche, die zunehmend eine Berufung im Herzen ­tragen, die sie in ihrem Leben entfalten wollen.

Richtung in Christus

Die Richtungsfrage ist auch die Frage nach meiner Berufung. Bislang gaben vor allem die Eltern die Richtung vor. Um gesund weiter­zuwachsen, sind junge Menschen herausgefordert, selbst ihrem Leben Richtung zu geben. Das ist die Frage der Berufung: Wie will ich (!) leben? Und sie ist viel umfassender als die ­Frage nach dem Beruf.

Aus der Frage der Berufung kann sich ergeben: Ich will nicht für mich allein leben. Nicht ich bin das letzte Ziel. Gott hat mit meinem Leben etwas vor! Ich bin auch ein Geschenk an diese Welt, durch das Gott ihr Gesicht verwandeln möchte. Wer aus Verwandlung und Verbundenheit seinem Leben eine Richtung gibt, wird richtungweisend leben.

Sei ein Pirat!

Eugen Rosenstock-Huessy schreibt einmal, dass wir Piraten brauchen. Aus dem griechischen peira abgeleitet meint Pirat einen, der etwas versucht und es drauf ankommen lässt. Oder eben einen, der den Mut hat, gegen den Mainstream zu glauben und zu hoffen und entsprechend zu leben. Einen, der aus der Abhängigkeit von Gott unabhängig von Zeitströmungen für eine Kultur des Lebens kämpft.

Wir rufen unsere jungen Leute dazu auf, sich nicht mit irgendeinem Status quo abzufinden. Wir ermutigen sie, ihre Lebenskraft nicht mit Anpassung zu verschwenden. Nicht das konturlose Gesicht dieser Welt, sondern das klare Profil Christi wollen wir in ihnen entdecken und sie dazu ermutigen, in dieses hineinzuwachsen. Wir sehen unsere jungen Leute als Pioniere einer weltweiten Zukunft.

Von

  • Klaus Sperr

    evang. Pastor und Seelsorger, verantwortlich für die Liturgie des Alltags in der OJC-Kommunität.

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