Dreisprunggebet

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Richard Giles. wikimedia commons

Man muss wissen, wie’s geht.
Gwen und Sandy Purdie's Trainingseinheit im geistlichen Dienst

Notiert von Cornelia Geister und Írisz Sipos

Geh im guten Wettkampf des Glaubens an den Start (1. Tim 6, 12) – ergreife, wozu du berufen bist. Nimm wahr und vertraue auf das, was Gott selbst dir schenken will.

Um uns auf den Gebetsdienst vorzubereiten, lesen wir das Wort Gottes, hören es als sein Reden in unsere aktuelle Situation, sinnen darüber nach und lernen, es als Weisung ernst zu nehmen. „Ich bete – und spreche zu meinem Vater. Ich lese – und mein Vater spricht zu mir.“ (Andrew Murray) Das Wort selbst wird uns zum Gebet, gibt unserem Denken und Sehnen eine Richtung. Gott selbst lehrt uns beten und darin seinen guten Willen für einen konkreten Menschen und eine Situation zu suchen und zu erkennen. Aber allem voran steht die Anbetung.

Up and out – den Blick ausrichten

Anbetung ist nicht eine Variante, sondern die Grundhaltung des Betens. Sie lehrt uns, nach oben und nach außen zu blicken, statt trüb­sinnig den Blick zu senken und nach innen auf unser Hasenherz zu sehen. Denn damit ­würden wir Gott begrenzen, der uns weit mehr geben will, als wir erwarten. Aus dem Vaterunser geht hervor, wie Gott sich uns nahen möchte: als Vater – und wie wir uns ihm nahen können: als seine Kinder, bedürftig und bittend. Jesus selbst hat ganz als Bittender ­gelebt. Von ihm wissen wir, dass wir gerade als Bedürftige privilegiert sind, Empfangende zu sein.

Dreisprung im Beten

In vielen, vielleicht sogar in den meisten Menschen steckt ein tiefer Zweifel daran, dass Gott ein liebevoller Vater ist. Sie geben ihm die Schuld für alles, was ihnen Böses und Schweres widerfahren ist. Doch selbst, wenn unsere leiblichen Eltern uns vermittelt haben sollten: „Dass es dich gibt, ist purer Zufall – gar ein Unfall!“, ist Gott eifrig dabei, uns vom Gegenteil zu überzeugen: „Ich habe dich lieb“ (Mt 3, 17) und „ich rufe dich bei deinem Namen“ (Jes 43, 2). Ganz deutlich sagt es der Beter in Psalm 103: Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr. Ihn als liebenden Vater erkennen und annehmen, ist der erste Schritt, um uns ihm mit unserem Leben anzuvertrauen und ihn zu verherrlichen. Er will uns ­heilen, unsere Wunden verbinden, uns wieder aufrichten. Er selbst will Wohnung in uns nehmen (Jak 4, 8) und uns lehren, aus seiner Kraft zu leben und zu wirken.

Erster Sprung: beten für meine Bedürfnisse

Wer sich als Christ in seinen Dienst stellt, muss sich fragen: Wie sehr liebe ich es zu beten? Ist Beten für mich eine notwendige Pflicht oder eine Freude? Wie ehrlich bin ich in meiner Beziehung zu Gott? Hege ich Zweifel und Vorbehalte gegen ihn? Erlebe ich das Gebet als Möglichkeit, meine Bedürfnisse – die hochgeistigen, aber auch alltäglichen – vor Gott zu bringen, damit er ihnen begegnet, sie stillt?

Wer diesen Schritt überspringt, ob aus Scham oder falscher Bescheidenheit, wird nicht mit Vollmacht für andere beten können. Es erfordert Demut, zu dem zu stehen, was wir brauchen, wonach wir uns sehnen. Das bedarf ­eines inneren Raumes der Aufrichtigkeit vor Gott. Jesus spricht von der stillen Kammer (Mt 6, 6), in der wir unverhüllt vor das Angesicht Gottes treten können.

Zweiter Sprung: beten um Führung

Das Erleben in der stillen Kammer ist unsere Wegzehrung für die nächste Etappe. In ihr geht es oft genug darum, uns im Warten zu üben. Warten nicht auf Gott, aber in seiner Gegenwart auf seine Antwort. Wenn wir es ernst mit dem Vatergebet Jesu meinen, wenn wir wirklich dazu stehen, dass „dein Wille ­geschehe“, dann werden wir dafür empfänglich, wie Jesus selbst, der beständig im Gebet blieb und warten konnte, bis er vom Vater Weisung erhielt.

Auch wir können und sollen konkrete Fragen an Gott stellen und beharrlich bleiben, bis er unser Augenmerk auf seine Antworten lenkt. In der Grundhaltung des Dialoges wird uns die Heilige Schrift zum lebendigen und ak­tuellen Reden Gottes. Seid klaren Sinnes, ­besonnen und nüchtern, damit ihr beten könnt ­(1. Petr 4, 7-11). Wenn wir dann diese Worte als unser eigenes Gebet sprechen, werden sie lebendig: „Herr, schenk mir einen klaren, ­besonnenen und nüchternen Sinn und lehre mich, in deinem Sinn zu bitten.“ Wenn uns bestimmte Worte oder Themen wiederholt ­begegnen, könnte dies ein Zeichen für Gottes Reden sein.

Es kann passieren, dass wir in dieser Phase zurückgelenkt werden zum ersten Schritt, wenn ungelöste Fragen in unserer Gottesbeziehung oder nicht bekannte Sünden uns daran ­hindern, ihn zu verstehen. In jedem Fall ist es wichtig auszuhalten, wenn Gott nicht auf Abruf Weisung gibt, und die Stille vor ihm nicht mit Worten zu füllen. Gottes Weisungen sind sehr präzise, sein Wille bleibt nicht im Ungefähren. Daher darf dieser Prozess der Klärung dauern.

Das Gebet um Führung beinhaltet auch die Bitte um Kraft, seiner Weisung für uns und für Menschen, die sich uns anvertrauen, zu folgen.

Dritter Sprung: beten im Glauben

Gebet ist nicht die Vorbereitung zum Werk; ­Gebet ist das Werk selbst, durch das wir Gottes Willen umsetzen und zur Realität in unserem und anderer Menschen Leben werden lassen. Die einschränkende Frage des „ob“, oder „sofern es möglich wäre“ oder, „falls du, Herr, es auch so wollen solltest“ – das gehört nicht mehr ins ­Gebet des Glaubens. Wenn uns die Gewissheit fehlt, dann zurück zu Schritt zwei! Jesus hat, wenn er um Heilung, um Brotwunder oder um Gottes Eingreifen bat, sich nicht dagegen abge­sichert, dass es auch anders kommen könnte. Weil er Gottes Willen erkannt hatte, konnte er in Vollmacht darum bitten. Und er spricht auch uns diese Vollmacht zu: „Dein Glaube hat dir geholfen“, sagt er zu mehreren Geheilten.

Die Wirkkraft Gottes hängt nicht davon ab, ­wozu Gott in der Lage ist, sondern, wie groß der Glaube in der Gemeinde ist. Senfkorngröße ­genügt! Unser Glaube misst sich auch daran, wie sensibel wir für die Not unserer Nächsten sind und wie verbunden wir innerlich mit Gott sind. Jesus hat uns versprochen: „Wer glaubt, wird die Werke auch tun, die ich tue.“ (Joh 14, 12)

Das Gebet des Glaubens wird nicht mehr aus der Ungewissheit gesprochen. Zweifeln und Zögern bekommen keine Stimme mehr, sondern wir ­erbitten mit Überzeugung und großem Vertrauen in die Verheißungen Gottes, was wir als notwendig erkannt haben.

Dreifach qualifiziert

Um den Dreisprung des Betens zu meistern, müssen wir also mit dem Dreieinigen Gott einig werden: Mit dem Vater, zu dem wir aufblicken, und mit dem Sohn, dessen Gehorsam uns das Hören auf das Vaterwort lehrt. Und wir bedürfen in besonderer Weise der Kraft des Heiligen Geistes, der unserer Entschiedenheit Richtung gibt und uns den Willen Gottes offenbart. Dann wird er selbst in uns beten und mit unseren Worten um das flehen, was wir so nötig brauchen.

Wie für jeden geistlichen Dienst braucht es für den Gebetsdienst eine klare Berufung. Deshalb ist stets zu prüfen, aus welcher Motivation wir handeln, aber auch, ob und inwieweit der andere bereit ist, sich dem heilenden Handeln Gottes auszusetzen. Und immer gilt: jegliche Heilung – der Gefühle, der Seele, des Geistes und auch des Leibes – kommt von GOTT. Er selbst beruft zum Gebet für andere und möchte, dass wir es im Vertrauen auf seine Größe tun. Wer sich darauf einlässt, wird viel Verunsicherung erleben, wird auf seine Bedürftigkeit vor Gott zurück­geworfen sein und sich in Geduld üben müssen. Ja, er wird viel üben, warten und hören, und wieder warten und hören.

Doch die Mühe lohnt: Es ist eine herrliche ­Disziplin, die den gesamten Leib Christi vorwärtsbringt!

Dieser Text ist aus Mitschriften der Impulsreihe von Gwen und Sandy Purdie während unserer Kommunitätswoche im Oktober 2010 entstanden.

Von

  • Gwen und Sandy Purdie

    arbeiten als Gebetsseelsorger in Schottland und weltweit. Sie gehören zum internationalen Seelsorgeteam ­„Pastoral Care Ministries“. Seit Jahren begleiten sie die OJC-­Gemeinschaft.

    Alle Artikel von Gwen und Sandy Purdie

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