Rezension

Begleiten statt erobern. Missionare als Gäste im Nordargentinischen Chaco.

Begleiten statt erobern. Missionare als Gäste im nordargentinischen Chaco

In ihrem Buch entwerfen Ute und Frank Paul mit ihren Mitautoren ein Bild von Mission, das ganz vom Geist Jesu geprägt ist: ein einfühlsames Mit-Gehen und Mit-Leben in einer einheimischen Kultur. Hier ist es die indianische Kultur, die entdeckt, dass Jesus Christus nicht „der Fremde“ ist, der Gott der Weißen, sondern die Erfüllung ihres tiefsten Sehnens und Hoffens. „Misión sin Conquista“ – Mission ohne Eroberung: So heißt der Titel des spanischen Originals. Das knallt! Vor allem im lateinamerikanischen Kontext, in dem die spanische „Conquista“ der Indios mit Schwert und Kanonenpulver vermeintlich im Namen des Kreuzes geschah. Ein unseliges Erbe, das sich bis heute in vielen Bereichen Südamerikas auswirkt. Die Koppelung von Thron und Altar, von Schwert und Kreuz war und ist immer ein Irrweg, der den Blick auf die befreiende Dynamik des Evangeliums versperrt.

Dieses Buch ist ein missionstheologischer Rechenschaftsbericht und spannender persönlicher Erfahrungsbericht zugleich. Aber noch viel mehr: Ute und Frank ist es gelungen, die Toba, ein indianisches Volk im argentinischen Chaco, für den Leser zum Nächsten zu machen.

Wir werden hineingezogen in ihr ­Leben, in Ängste und Freuden, 
in Ausweglosigkeiten und tiefe Weis­heiten, in Erfahrungen erlebten Unrechts und in ihre Erfolge. Ute und Frank haben als Deutsche viele Jahre mit ihnen gelebt und gemeinsam mit einem internationalen Team von Missionaren aus verschiedensten Konfessionen ein neues Paradigma von Mission gelernt: ein gemeinsamer Weg, auf dem alle zusammen unterwegs sind, und der Heilige Geist sich als Lehrer aller erweist. Dasein, schweigen, warten, hören, und noch einmal warten. Mate-Tee trinken, Weinen mit den Weinenden, Tanzen mit den Fröhlichen, Protestieren mit den Übervorteilten, das und vieles mehr machte ihren Alltag unter den Toba aus.

Auch ein langjähriger Freund und Wegbegleiter der Toba, der kanadische Mennonit Willis G. Horst, kommt mit einem Beitrag über die Anfänge und Entwicklung einer eigenständigen indianischen Kirche im Chaco zu Wort. Durch das Evangelium begreifen die Toba ihre eigene Kultur als Geschenk der Vergangenheit, das auch für die Zukunft einen Weg zeigt. Der indianische Bibelübersetzer und Anthropologe Orlando Sánchez, der an der Fachhochschule des Chaco indianische Lehrkräfte ausbildet, stellt uns einige Toba-Gewohnheiten und Traditionen vor, die über Jahrhunderte mündlich weitergegeben worden sind. Bei der Begegnung indianischer Weisheit und biblischer Wahrheit können überraschende Einsichten gewonnen werden.

„Begleiten statt erobern“ ist geschrieben mit Liebe und Feuer, mit prophetischer Klarheit und einfühlsamer Zuwendung – ein Buch über den Chaco und die Toba, vor allem aber auch über Gott und seine Wege mit uns.

 

Dr. Roland Werner,

Theologe, Philologe und Bibelübersetzer


Ute & Frank Paul (Hrsg.): Begleiten statt erobern. 
Missionare als Gäste im nordargentinischen Chaco. 
Vorwort: René Padilla u. Siegfried Großmann. 
David Neufeld Vlg., August 2010, 190 S., 16,90 €.

Von

  • Roland Werner

    Dr. phil., ist Sprachwissenschaftler und evang. Theologe. Er leitet mit seiner Frau Elke die ökum. Gemeinschaft Christus-Treff in Marburg, ist Autor vieler Bücher und war bis Anfang 2010 Vorsitzender des Christival.

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