Der Bauch auch!

Eine Hommage an Ites runden Tisch

 
von Ellen Kirchhoff
 

Das ist der Gastfreundschaft tiefster Sinn: 

dass wir einander Rast gewähren 

auf dem Weg nach dem ewigen Zuhause. 

Romano Guardini
 

Auf die Frage, was er als das Zentrum unseres kommunitären Miteinanders betrachte, würde der Vorzeige-OJC-ler erwidern: Unser Abendmahl, die wöchentliche Sammlung um den Tisch des Herrn, an dem unser gemeinsames Leben aus der Vergebung seinen Anfang nimmt, die verborgene Gegenwart des Auferstandenen sich uns einverleibt. Eine schöne Antwort, schließlich sind wir eine geistliche Gemeinschaft. Und dennoch ... ist sie die einzige?
 

Mittelpunkt

Es ist ja nicht nur der Geist, der nach Speise verlangt. Der Bauch auch! Zum Glück, möchte ich sagen, haben wir jeden Tag Hunger, ganz fleischlich! Folglich muss es auch hierfür einen Tisch geben, der den zentrifugalen Kräften des OJC-Lebens als anziehender Mittelpunkt entgegenwirkt. Das ist der Tisch bei Ite.

Ites Mittagstisch, das bedeutet: Sammelplatz für mutterlose Familien, Auffangbecken für sich in Arbeit versprengende Singles, Fleischtöpfe für das entkräftete Bauteam. Wo verstehen sich russische, palästinensische und israelische Gäste ohne viele Worte? Wo findet sich der Teenager ein, dem die Gemeinschaft sonst zum Hals raushängt? Bei Ites Putenschnitzel! Hier findet auch der Überraschungsgast seinen Platz, und wird selbst überrascht davon, wie wenig fremd er sich fühlt unter Unbekannten. Selbstverständlich landen hier die „Ehemaligen“, unsere Hoffnungsträger, denn wen kennt Ite nicht? Wer ihnen begegnen möchte, lade sich bei Ite ein.
 

Angelpunkt

Sicher ist: Bei Ite wird unter dem Vorwand des Frühstückens, Mittagessens oder Vorleseabends (mit kulinarischem Vorspiel) nicht nur der Bauch satt. Hier nährt sich auch der Gemeinschaftsleib in einer Atmosphäre, die von einer kleingewachsenen Person mit unbändig weitem Herzen ermöglicht wird. Hier ist Raum für zwanglose Diskussionen der kleinen und großen Politik, hier kann man sich auch mal internen Ärger von der Leber reden, um sich von den Geschwistern das Herz wieder auf den rechten Fleck rücken zu lassen. Danach gibt es Schokokekse. 

Herzerfrischt, horizonterweitert, an Leib und Seele gerundet, trabt der Gast von dannen, gerüstet dafür, seinen Alltag wieder aufzunehmen. Oder die Welt zu verändern. Übrigens, was den Abwaschberg anbelangt: nur wenigen Auserwählten war es bislang vergönnt, zu seiner Beseitigung beizutragen.
 

Knackpunkt

Willige Nachahmer seien ermutigt: Man braucht weder besonders klein noch weißhaarig zu sein. Nicht einmal strahlend blaue Augen sind unabdingbar. Der Knackpunkt liegt inwendig. Was wirklich nötig ist, hier in Kürze: ein gerütteltes Maß an Mitmenschlichkeit, eine gute Portion Humor ... und viel, viel Liebe. Ganz einfach.

Von

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