Der Schwerkraft entgegen

Der Schwerkraft entgegen. Kein leichter Abschied von meiner Kirche.
Der Schwerkraft entgegen. Kein leichter Abschied von meiner Kirche. © dodingo

Kein leichter Abschied von meiner Kirche

von Tobias


Es kostete einige Überwindung, mich auf der Internetseite der EKD nach „Kirchen­austritt“ zu erkundigen. Darüber nachgedacht hatte ich geraume Zeit, doch ein fahler Beigeschmack blieb: die Kirche verlässt man nicht einfach so. Mir war wohl ­bewusst, dass die Evangelische Kirche in meinem Leben mehr repräsentiert als der Gottesdienst, den ich am Sonntag besuche. Durch die Taufe und Konfirmation ist sie meine geistliche Wiege und ist mir als ein Ort der Traditionsweitergabe und Quelle des christlichen Bekenntnisses wichtig. Das lehrte mich auch, sie als Kraft für Gesellschaft und Kultur zu sehen. Je stärker in mir der Glaube an Jesus Christus wurde, desto wichtiger wurde für mich die Kirche, seine Braut. In diesem Licht fiel mir die Evangelische Kirche selten als relevante Kraft auf – weder geistlich, noch gesellschaftlich oder kulturell – sondern durch ­Angebote von Yogakursen, Äußerungen der Ratsvorsitzenden zu Themen der Sozial- und Umweltpolitik, ein Anbiedern an eine ­Geschlechter-„Gerechtigkeit“, die Umdeutung der Schöpfungsordnung und der Eindeutigkeit der Ehe als Bund zwischen Mann und Frau. Ich verstehe dies als Versuch der EKD-­Leitung, eine Sprache zu sprechen, die von der Welt mit Wohlwollen vernommen wird. Vergebens halte ich Ausschau nach Beständigkeit, nach Frucht, von der die Gläubigen und die Welt ­leben können.

Zu wenig Profil

Mein Wunsch, Teil der Kirche, des „Glaubens in verfasster Form“ zu sein, blieb bestehen, denn die gesellschaftlich relevante Kraft der Kirche ist zuvorderst die der frohen Botschaft des auferstandenen Jesus Christus. Der Evangelischen Kirche fehlt hier Profil und vor allem Bekenntnis.

Ich bewundere Menschen, die um Christi Willen für die Sache Jesu in der Kirche streiten, die dort mit Hingabe und Fleiß dem Dreieinigen dienen. Meine Suche nach geistlicher Heimat jedoch sah praktisch so aus: Ich blieb passives Mitglied meiner Kirche und lebte meinen Glauben in freien Gemeinden. Doch dieser Spagat verlangte nach Eindeutigkeit – gerade dazu konnte ich in der Evangelischen Kirche nicht gelangen.

Zu wenig Verbindlichkeit

Ich suche als junger Mann nach Orientierung und Verbindlichkeit, Vorbildern und Hirten für mein Leben mit Jesus Christus. Doch mein Eindruck ist, dass die Volkskirche ihre Mitglieder nicht wirklich dahin führt, Christus zu leben, sondern vor allem sich selbst – was immer ­dieses Selbst sein mag. Dadurch werde ich nicht geleitet, sondern verleitet. Nämlich dazu, ein mir als stimmig, zeitgemäß und korrekt ­erscheinendes Gutmenschentum zu adaptieren, das vor allem politisch intendiert ist.
Anmaßend finde ich, dass das als „Nachfolge“ feilgeboten wird! Ich möchte nicht vorgelebt bekommen, wie ich mich der Welt anzupassen habe. Das tut sie bereits lautstark selbst kund! Das nährt nicht den Glauben, sondern die ­Frustration.

Zu wenig Orientierung

Die evangelische Volkskirche in Deutschland ist in meinen Augen führungslos (im geistigen) und orientierungslos (im geistlichen Sinne) ­geworden. Meine Heimat ist diese Kirche nicht mehr, und ich habe keine Hoffnung, dass sie in den kommenden Jahren wieder Heimat werden könnte. Deshalb trete ich aus. Nach einer ­langen Phase der Annäherung und des Kennenlernens habe ich in der römisch-katholischen Kirche ein geistliches Zuhause gefunden. Ich hoffe und bete, dass die EKD mit ihren Gliedkirchen „ad fontes“ zurückkehren wird. Ich wünsche es ihr. Um GOTTES Willen.

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