Mit Gott reden wie mit einem Freund

Das Kreuz im Mauergarten lädt zum Verweilen ein.
Das Kreuz im Mauergarten lädt zum Verweilen ein.

Stilles Abenteuer im Mauergarten

von Antje Vollbrecht

Im religionspädagogischen Erfahrungsfeld „Wege zum Leben“ auf Schloss Reichenberg heißt unser Jahresthema „Abenteuer Freundschaft“. Freundschaft mit anderen Menschen, Freundschaft mit dem Dreieinigen Gott.
Abenteuer, das ist Risiko, ein Erlebnis, das sich vom Alltag unterscheidet. Man denkt an Action, Spaß und Spannung. Freundschaften sind anders. Nicht nur für herausgehobene Tage, auch wenn gemeinsam erlebte Höhepunkte besonders stärkend sind. Mit Freunden möchte man durch den Alltag gehen, verbunden sein, sie kennenlernen und sich dem anderen bekannt machen. ­Geben und nehmen. Freundschaft, das ist auch Abenteuer. Unerwartetes geschieht, über­raschende Veränderungen bleiben nicht aus.

Hoffnung schöpfen

Am Eingang zum Mauergarten steht wie eine Einladung: „Mit Gott reden wie mit einem Freund.“ Dem Lärm des Tuns entfliehen. Eingeladen, an einem Ort der Ruhe anzukommen, Hoffnung zu schöpfen. Eingeladen, im Gespräch mit Gott einen Weg durch den Garten zu gehen. Mauergarten – das kann auch wie der „Garten“ des eigenen Lebens sein, wie der Garten im eigenen Herzen. Verändert durch die Begegnung mit Gott und mit sich selbst zurück in den Alltag gehen. Jesus nennt die Jünger seine Freunde und will auch uns zur Freundschaft mit dem himmlischen Vater führen. (Wie) antworte ich auf Gottes Freundschaftsangebot?

Still werden

Ein schmaler Weg führt zum Gelände. Die Besucher treten einzeln in den Bereich der Stille ein, langsam und bewusst. „Man kann die Stille hören und die Vögel“, sagt ein Kind. Bäume rauschen. Entscheiden: An welche Stationen und in welcher Reihenfolge gehe ich? Das Leben ist ja nicht geordnet, Freude und Leid, Leichtes und Schweres sind in einem großen Durcheinander, oft gar nicht voneinander zu trennen. Nicht auf alle Angebote im Garten muss man sich einlassen, aber für alles soll Raum sein. Ein Teenager meint: „Einfach nur still sein, nichts reden, keinem Menschen zuhören müssen, mich auf die Wiese legen, die Sonne genießen – das war das Beste.“

Empfangen

Am Spielbrunnen kann jeder ein Gefäß kneten, wie es ihm gefällt und entspricht und es in den Wasserlauf einbauen. Man beobachtet, wie das Wasser ins Gefäß läuft, dann weiterfließt, betrachtet die einzigartigen Kelche der anderen. Empfangen, gefüllt werden, nicht festhalten. Aus den Beobachtungen ein Gespräch mit Gott machen. Ein Besucher erzählt: „Ich hatte mein Gefäß zurück­gelegt, weil gerade viele andere am Brunnen bauten. Als ich später noch einmal vorbeikam, hatte es jemand an einer ganz schönen Stelle eingefügt. Ich habe mich so gefreut: Mein Gefäß war wichtig.“

Entlasten

In einer Ecke des Gartens steht ein großes Holzkreuz, in der Mitte ein Korb mit schweren Steinen. Einen Stein nehmen, Gewicht und Form fühlen. Welche Last trage ich mit mir? Welche Schuld beschwert mich? Hier geht es auch um die Mitverantwortung für die Schöpfung und alle Menschengemeinschaft. Paulus ruft uns auf: Bringt Bitten und Fürbitten und Dank für alle Menschen vor Gott!
Den Stein zum Kreuz bringen, dort ablegen. Um das Kreuz herumgehen. Auf dieser Seite Zuspruch entdecken: „Jesus vergibt gerne. Seine Liebe ist grenzenlos. Dafür steht das Kreuz. Du bist frei.“
Das Kreuz ist leer! Gott hat Christus von den Toten auferweckt. Damit ist dem Tod und aller Verzweiflung die Macht genommen. Gott, unser Vater, hat uns seine Liebe erwiesen und uns in seiner Gnade einen ewig gültigen Trost und eine sichere Hoffnung geschenkt. Ihm ist kein Ding unmöglich.

Loben

Gott ist der Geber allen Lebens und aller guten ­Gaben. Uns daran zu erinnern, Gott zu loben und zu danken, macht unser Leben bunt und frei. Wir werden uns des Guten bewusst, der Menschen und Umstände, durch die wir beschenkt sind. Viele Psalmen singen ein großes Lob des Schöpfers und laden dazu ein. Wie ein Segel spannen sich an ­einem Mast mitten im Garten die bunten Dankfähnchen, die jeder Besucher aufhängen kann. Die Farben veranschaulichen die Lebensbereiche, für die wir danken können, z. B. für Familie, Freunde, Lebenskraft, Beruf, für ein Dach über dem Kopf und Schlaf, für Hilfe in Not. Die bunten, im Wind flatternden Fähnchen erinnern an den Regen­bogen. Gott hat ihn zum Zeichen seiner Treue ­gesetzt. „Es sieht einfach schön aus, wie der Dank so bunt zwischen Himmel und Erde hängt“, sagt eine Besucherin mit einem Lächeln.

Was bleibt vom Besuch?

Viele nehmen gerne noch einmal am Spielbrunnen Platz. Sie hören das Wasser plätschern, schauen auf den Fluss des Lebens. Sein dürfen. Sich hinhalten, empfangen, erfüllt werden, weitergeben. Gottes Liebe fließt in mein Leben, fließt durch mein Leben. Gott ist Schöpfer und Töpfer meines Lebensgefäßes. Jesus spricht von sich selbst als dem Wasser des Lebens. Durch den Heiligen Geist ist die Liebe Gottes ausgegossen in unsere Herzen.
Freundschaft mit dem Dreieinigen ist ein Risiko, denn man begegnet dem lebendigen Gott und sich selbst. Aber eines mit gewissem Ausgang: Jesus Christus bietet seine treue Freundschaft an.   

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