Hallo Katze, hier spricht dein Kater

Treue in der Ehe
© 2011 Michele Pringle, USA

Bettgeflüster über Treue in der Ehe

von Anja und Peter Offenhaus


Anja: Unsere Ehe hält schon fast drei Jahrzehnte. Wie ist es uns eigentlich gelungen, einander treu zu bleiben?

Peter: (lacht) Zunächst fällt mir ein, dass es immer noch aufregend mit dir ist!
A: Danke!
P: Das meine ich wirklich ernst! Wir haben Phantasie, haben uns immer mal was Neues einfallen lassen – nicht nur im Bett.
A: Meinst du damit, dass wir unsere aufregenden, kreativen Momente nicht für eine andere Liebschaft aufgehoben haben?
P: Genau. Ist doch schade, dass viele Sex in einer langen Ehe mit Langeweile assoziieren.
A: Vielleicht ist das auch oft so.
P: Ich denke, man kann Sexualität nicht isoliert sehen. Auch in anderen Lebensbereichen ist es mit dir weiterhin spannend und anregend: Mit dir Vorträge vorzubereiten und intensiv darüber zu diskutieren, wie wir uns ausdrücken wollen, erlebe ich zum Beispiel als ungeheuer bereichernd. Auch die Gäste, die wir beherbergen, bringen immer wieder Neues in unser Miteinander hinein. Ich genieße besonders die vertrauten Gespräche über das, was wir uns vom Leben ersehnen, was wir noch erreichen wollen. Für mich ist es ausgesprochen intim, wenn wir zusammen beten und du vor Gott dein Herz ausschüttest und ich zuhören darf.
A: Mir fallen auch unsere Reisen ein – und die Zeiten, die wir uns herausgenommen haben, um unsere Zweisamkeit zu genießen.
P: Stimmt, zwei Nächte in einem schönen Hotel haben da schon viel bewirkt. Obwohl es nicht leicht, einen Babysitter zu finden.

A: Wann war es denn für dich schwer mit der Treue?

P: In unseren Krisenzeiten und bei Durststrecken. Für mich waren die Zeiten rund um die Geburt unserer Kinder mit deiner großen körperlichen Belastung durch die Säuglinge eine Durststrecke. Da warst du so beschlagnahmt, dass ich kaum an dich heran kam.
A: Wenn wir wenig Sex haben, ist für dich die Versuchung, dir jemand anderes zu wünschen, größer?
P: Ja, klar! Ich stell mir auch vor, dass das bei einer andauernden Ehekrise echt schwer werden kann. Dann liegt es so nahe, dem nachzugeben, was mit aller Macht in mir nach Sex schreit.
A: Wir hatten auch immer wieder schwere Zeiten der Entfremdung, des Streits. Was hat dich dann davon abgehalten, dir – wenn auch nur vorübergehend – eine andere Frau zu suchen?
P: Die tiefe Überzeugung, dass ich dir und mir damit Unrecht tun würde. Auch Gottesfurcht. Es wäre vor Gott und den Menschen Unrecht. Mehr noch: Als ich dir die Treue versprochen habe, war mein Fokus nicht, was ich alles nicht darf. Das wäre ja total moralistisch. Du bist ja nicht nur meine Ehefrau, du bist auch meine Freundin, meine tiefste Vertraute. Da hätte ich sehr viel aufs Spiel gesetzt. Außerdem hatte ich mich an die Treue schon gewöhnt.
A: Gewöhnt?
P: Ja, gewöhnt an die Zumutung meiner eigenen Überzeugung. Mir scheint, Treue ist wie ein Muskel. Man kann sie trainieren. Widerstand gegen die eigenen Wünsche macht stark.
A: Klingt ja heldenhaft.
P: Für andere klingt es vielleicht eher nach unterdrückten Sehnsüchten, die sich dann „sowieso“ irgendwie Bahn brechen. Für mich war es aber so, dass ich mit den Jahren merkte, wie ich daran reifte. Das kam mir wiederum in vielen anderen Lebensbereichen zugute. Ich empfand, dass sich die Treue in meinem Leben verankert hat. Was erst mühsam war, wurde mein Glück.
A: Ich finde aber doch, dass du ein Held bist. Ich bin stolz auf dich. Aber es ist noch viel mehr als Stolz: Es ist gewachsenes, tiefes Vertrauen. Keinen Grund für Kontrolle oder Eifersucht gehabt zu haben, hat bei uns viel Kreativität freigesetzt für unsere Aufgaben. Dieser Vertrauensraum war für mich auch die entscheidende Grundlage dafür, mich in den sexuellen Begegnungen zu öffnen und zu entfalten.
P: Das hast du immer wieder gesagt. Frauen ticken wohl so. Und du musstest ja auch mit niemand anderem im Bett konkurrieren!

A: Ist Treue in der Ehe nur etwas für die ganz Willensstarken? Gehört nicht noch mehr dazu als eine klare Überzeugung?

P: Es gab auch konkrete Gefahrenzonen, die ich vermieden habe, zum Beispiel mit einer anderen Frau alleine etwas zu unternehmen oder sie als Vertraute zu suchen. Und mit dir offen über meine Versuchlichkeit, meine Sehnsüchte und Bedürfnisse zu reden, hat mir auch sehr geholfen.
A: Als du mir einmal in großem Vertrauen davon erzählt hast, dass du im Internet erotische Fotos von Frauen angeschaut hast, fühlte ich mich dir sehr nah. Da hast du mir viel Vertrauen entgegengebracht, mich in dein Geheimnis eingeweiht und uns dadurch auch geschützt.
P: Du hast mir wiederum erzählt, wie attraktiv du deinen Kollegen fandest.
A: Stimmt, da werde ich heute noch rot. Als mir bewusst wurde, dass ich seine körperliche Nähe suchte ... nur so ein bisschen auf die Schulter klopfen oder nah neben ihm sitzen. Obwohl ich wohl kaum mit ihm ins Bett gegangen wäre. Es war eher ein Spiel – aber ein gefährliches – ich musste mich bewusst entscheiden, es mir nicht zuzugestehen. Denn ich war ja nicht nur für mich verantwortlich, sondern auch dafür, ihn nicht in Gefahr zu bringen.
P: Was war denn so reizvoll an dem Spiel?
A: Es hat mir geschmeichelt, dass er mich hübsch und anziehend fand. Ich bin gleich etwas aufrechter gegangen ...
P: Hättest du dir von mir gewünscht, dass ich dir häufiger Komplimente mache?
A: Ich denke schon. Es zieht mich zu dir hin, wenn du mir signalisierst, dass du mich reizvoll findest. Ich mache mich gerne schön für dich. Aber wenn es allzu selbstverständlich wird, verliert sich das belebende Prickeln. Und das will ich nicht verlieren. Eigentlich hätte ich das auch gerne, wenn wir mal alt sind! Vielleicht finde ich dann sogar noch deine Falten sexy.
P: Ich werde sie für dich pflegen!

A: Wir waren ja in unserer Ehe viel getrennt. Du warst jede Woche mehrere Tage unterwegs. Manchmal sogar einige Wochen lang. Wie hast du diese Zeit in Treue und ohne Sex gestaltet?

P: Einige Tage war es nicht schwierig. Ich war ja auch sehr beschäftigt. Wenn ich dann länger von dir weg war, wurde es mühsamer. Ich bin ein Mann – ein Augentierchen.
A: Was bedeutet das?
P: Dass mir Frauen und ihre erotischen Körperteile ins Auge springen. Besonders, wenn sie auch noch durch tiefe Dekolletees und enge Hosen gut sichtbar sind.
A: Ob wir Frauen uns dessen bewusst sind, was wir da bei euch Männern auslösen?
P: Wie auch immer: Mich erregt das, dagegen kann ich zunächst gar nichts machen. Ich finde es unfair! In einer so sexualisierten Welt hat Mann es wirklich schwer! Ich muss mich dauernd schützen – vor Bildern, Filmen, Werbung. Die Botschaft kommt ganz unverkleidet rüber: Eigentlich hat doch jeder ein Recht auf sexuelle Befriedigung, egal wann und in welchem Rahmen. Jeder soll es so machen, wie sein Penis es will. Da könnte ich richtig wütend werden. In der Versuchung achte ich darauf, dass die Gedanken keine Nester in meinem Kopf bauen, ich es mir nicht weiter ausmale, wenn ich mit den Augen an einer Frau hängengeblieben bin.
A: Schau doch einfach mich an.
P: Tue ich auch, wenn du in der Nähe bist! Einfach ist es aber nicht! Zum Glück kann ich mir mit dir ja auch alles vorstellen! Und ich habe da reichlich schöne Erinnerungen.
 A: Was außer Überzeugung und Gottes Hilfe  könnte noch zählen, um an der Treue festzuhalten?
P: Gute Vorbilder, Menschen, denen man sich anvertrauen kann, Eheseminare, Hoffnung, Ehrlichkeit, vielleicht sogar die schmerzhafte Erfahrung, dass ein momentaner Lustgewinn langfristige zerstörerische Auswirkungen haben kann.
A: Das erinnert mich an eine berührende Szene aus dem Film „Dance with me“: Der gelangweilte Midlife-Mann hat hinter dem Rücken seiner Frau Tanzunterricht genommen und die Tanzlehrerin ist eine total scharfe Frau. Man spürt im Film die Spannung und denkt: Jetzt ist es gleich soweit und sie landen im Bett. Im entscheidenden Moment dreht er sich aber um, geht weg, kauft Rosen, fährt zur Arbeitsstelle seiner Ehefrau und sagt ihr: Ich weiß es jetzt ganz genau: Mit dir habe ich schon so viel durchgemacht, mit dir will ich noch viele Jahre tanzen!
P: Au ja, tanzen!


* Namen geändert. Das Ehepaar ist der Redaktion bekannt.

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