Abgeordnet zum Dienst

Projektpartner aus dem Kongo zu Gast

Von Angela Ludwig

Partnership is relationship!   So brachte eine Freundin aus Argentinien die sozial-diakonische Projektarbeit der OJC auf den Punkt. Dieses Motto hat sich in den Sommermonaten munter mit Leben gefüllt. Gäste aus allen Himmelsrichtungen – von Chile bis Russland, von England bis zum Kongo – haben uns in Reichelsheim besucht. Die einen, um am diesjährigen Internationalen Baucamp teilzunehmen, andere, um Anteil zu geben an den Nöten und Projekten im eigenen Land oder einfach um des Austausches und der Freundschaft willen.


Einer von ihnen war Albert K. Baliesima, Leiter des Gesundheitsdienstes der Anglikanischen Kirche im Kongo und Projektpartner der OJC. Seit 2003 unterstützen wir sein Engagement für die Errichtung von Krankenhäusern und Gesundheitsstationen in ländlichen Gebieten sowie das von seinem Team entwickelte AIDS-Aufklärungsprogramm für Schulen „STAYS“ (Straight Talk Among Youth in Schools).

Ein Projekt der OJC-Weihnachtsaktion

Flüchtlingselend in der Demokratischen Republik Kongo
Flüchtlingselend in der Demokratischen Republik Kongo

Albert, der aus armen Verhältnissen stammt, hatte als kirchlicher Stipendiat die Möglichkeit, in Uganda seinen Master of Public Health zu machen. Attraktive Jobangebote folgten. Doch er wusste sicher, wo Gott ihn haben wollte: Er ging zurück in seine vom Bürgerkrieg gebeutelte Heimat im Ost-Kongo, um sich für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung einzusetzen. Überall fehlte es an sauberem Wasser, Medikamenten und Impfstoffen, sowie medizinischem Gerät und Basiswissen. Die Rate der Kindersterblichkeit dort ist eine der höchsten der Welt. Anfangs machte er die Arbeit allein. „Aber Gott baute von oben mit!“ Inzwischen hat sich die Lage in der Gegend ein wenig entspannt und stabilisiert. Ein großer Erfolg der letzten Jahre ist das neue Krankenhaus in Kamango mit seinen 12 Dorfgesundheitsstationen. Die Wände der Gebäude wurden teilweise von den Dorfbewohnern selber errichtet, Dach und Matratzen für stationär zu versorgende Pa­tienten konnten wir mit der Weihnachtsaktion beisteuern. Nun muss dringend Personal geschult werden. Gerade im Kampf gegen AIDS braucht es sachkundige Geburtshelfer und Krankenpfleger, denn noch immer sterben viele Säuglinge und junge Mütter aufgrund mangelnder Nachsorge. Die OJC-Weihnachtsaktion 2012 finanziert Trainingseinheiten für Ersthelfer, Pfleger und Hebammen in Kamango, sowie den Erwerb von medizinischer Grundausrüstung.


Es war bewegend für uns zu hören, wie viel ­Ansehen und Vertrauen die Arbeit des zahlenmäßig gewachsenen Gesundheitsteams in der Bevölkerung genießt. So war es kein Wunder, dass Albert vor kurzem als Abgeordneter der noch jungen Demokratischen Republik Kongo ins Parlament in Kinshasa gewählt wurde. Die Entfernung zwischen seiner Heimatregion und der Hauptstadt beträgt ca. 2000 km Luftlinie – eine große Herausforderung für ihn und seine Familie. Albert setzt nun darauf, sich mit anderen Christen im Parlament verbünden zu können, um mit politischen Mitteln eine deutliche Verbesserung der Situation zu erreichen: besonders der Frauen – viel zu oft Opfer von Gewalt – und der armen Bevölkerungsschichten. Denn trotz seines großen Rohstoffreichtums zählt der Staat heute zu den ärmsten der Welt, bedingt durch jahrzehntelangen Krieg und hemmungslose Plünderung der Bodenschätze.

Albert gestand, dass er Politik lange verabscheut habe, weil viele Politiker ihr Amt nur benutzen, um ihren eigenen Interessen zu dienen. „Ich war davon überzeugt, dass Politik nichts für Christen ist.“ Doch nachdem Gemeindemitglieder und Kirchenleiter ihn immer wieder ermutigt hatten, „begann ich ernsthaft darüber nachzudenken, ob es nicht doch Sinn machte, wenn ein Christ Gott in der Politik dient.“ Überzeugt hat ihn schließlich die Beschäftigung mit dem Wort Gottes und das Beispiel politischer Führer, die als Christen Veränderung für ihr Land bewirken konnten. „So habe ich mich entschlossen, was Gott mir anvertraut hat, einzubringen, um politische Entscheidungsprozesse zum Wohl der Menschen zu beeinflussen.“ Dem Gesundheitsteam in seiner Heimat bleibt er als Berater erhalten.


Ihm liegt sehr daran, dass sein Dienst vom Gebet getragen wird und er mit seinen Glaubensgefährten in der Politik ein Zeugnis sein kann für Integrität, Versöhnung und Hingabe an die drängendsten Probleme der Mehrheit der Bevölkerung. In der Vaterunserbitte, dass Sein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit komme, ­wissen wir uns über die Kontinente hinweg mit ihm verbunden.

Von

  • Angela Ludwig

    Germanistin und Romanistin, Mitglied des OJC-Redaktionsteams und geistliche Begleiterin für viele innerhalb und außerhalb der OJC-Gemeinschaft.

    Alle Artikel von Angela Ludwig

Das Salzkorn im Abonnement

Jede Ausgabe dieser Zeitschrift können Sie kostenfrei bestellen »

Auch künftige Ausgaben vom Salzkorn (erscheint vier Mal im Jahr) senden wir Ihnen gerne zu. Hier können Sie das Salzkorn abonnieren »

Unsere Veröffentlichungen unterstützen

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, christliche Werte und eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit Strömungen der Zeit auf der Grundlage des Evangeliums an nachfolgende Generation zu vermitteln.

So können Sie spenden:

» Bankverbindung
» Spendenformular
» PayPal