Die Hoffnung bahnt sich einen Weg

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Straße in der Kongo-Provinz Kivu

Soforthilfe im Kongo aus dem Feuerwehrfonds der OJC-Weihnachtsaktion

von Frank Paul

Die Straßen in der östlichen Großprovinz Kivu in der Demokratischen Republik Kongo sind unpassierbar. Albert K. ­Baliesima, kongolesischer Parlamentarier im Ausschuss für humanitäre Maßnahmen und Gesundheit, kennt die Unwegsamkeiten aus Erfahrung. Über viele Jahre war er ständig auf Achse, bis 2011 als leitender Gesundheitsbeauftragter der Anglikanischen Kirchenprovinz Nord-Kivu, und transportierte Medikamente, medizinisches Gerät, Fachliteratur und jede Menge Hoffnung in die entlegenen Gegenden. Wenn es sein musste, per Motorrad durch die Steppe, im Motorboot über die Seitenarme des Kongoflusses oder im Sportflugzeug. Dieser Tage sind es jedoch nicht die gewohnten Hindernisse, die ihn und seinen Fahrer schlauchen. „Die Gewalt eskaliert wieder“, schreibt er in einer Mail: „Bewaffnete Rebellengruppen aus dem Inland leisten sich blutige Kämpfe mit Freibeutern aus Uganda und Ruanda. Einwohner, die auf die Felder gingen, um Gemüse von ihren Äckern zu ernten, wurden getötet. Geschäftsleute wurden auf dem Weg in die Hauptstadt entführt, im weiten Umfeld von Kamango belagern mehr als zehn Rebellen-Einheiten die Straße. Viele Hilfskonvois kehren wieder um, weil die Fahrt in der Provinz zu riskant ist. Anfang Juli ist unser Medizintransport im Wert von 15.000 US-Dollar überfallen und ausgeraubt worden. Der Fahrer und sechs Insassen wurden entführt. Ich selbst bin sehr erschöpft von den mühseligen Fahrten – die Not der Bevölkerung ist unvorstellbar.“

Ihr seid nicht allein!

Wieder sind Tausende obdachlos und brauchen dringend Trinkwasser, Lebensmittel und medizinische Notversorgung. Die Behörden sind überfordert, das kongolesische Militär und die Blauhelmtruppen sind nicht in der Lage, die Zivilisten zu schützen. Da das Gebiet reich an Bodenschätzen ist, insbesondere an Coltanerz, bleibt es das Ziel gieriger Profiteure weltweit, die auch vor Terror und Krieg nicht zurückschrecken. Der Konsumrausch der ganzen Welt wird hier auf Kosten der kongolesischen Bevölkerung ausgetragen. Als Zeichen der Solidarität mit den Menschen im Kongo und der Botschaft „Ihr seid nicht allein!“ haben wir 5000 Euro Soforthilfe aus dem Feuerwehrfonds unserer Weihnachtsaktion geleistet und einen Spendenaufruf zugunsten der Binnenflüchtlinge gestartet.

Wellblechdächer und Matratzen

Aber es gibt auch Hoffnungsvolles aus dem Kongo zu berichten. Die Projekte, für die wir Ende letzten Jahres mit der Weihnachtsaktion 13.000 Euro Spenden sammeln konnten, kommen ­zügig voran: Von den zwölf geplanten neu zu errichtenden Gesundheitsstationen in der Region Katanga können in sechs bereits Patienten aufgenommen und versorgt werden. Die kleinen Zentren werden vom Kreiskrankenhaus aus bestückt. In ­Eigenarbeit errichten die Dorfbewohner die Wände der Häuser, die Dächer und Matratzen für stationäre Patienten werden von der OJC finanziert. Albert ist zuversichtlich: „Am wichtigsten ist es, die Menschen vor Ort zu motivieren und ihnen Hoffnung zu geben. Vor allem die Schwangeren und Neugeborenen brauchen sachkundige Hilfe und Nachsorge. Unser Ausbildungsprogramm für Hebammen ist erfolgreich angelaufen.“ Aus den Spenden der Weihnachtsaktion werden auch unverzichtbare Impfstoffe- und Medikamentenlieferungen sowie Trainingseinheiten für Ersthelfer, Pfleger und Hebammen in der gesamten Region mitfinanziert. Immer wieder legt uns Albert ans Herz: „Wären wir so reich an Freunden wie an Bodenschätzen, ginge es den Menschen im Kongo ganz anders. Eure Freundschaft und Solidarität ist eine Ermutigung für uns durchzuhalten und die Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit nicht aufzugeben.“

Auch in diesem Jahr unterstützen wir mit der OJC-Weihnachtsaktion den Aufbau weiterer Gesundheitszentren im Osten des Landes; den Leitfaden für OJC-Partnerschaften & Projekte finden Sie hier.

Von

  • Frank Paul

    Koordinator der Internationale Partnerschaften und Projekte der Offensive Junger Christen; lebte von 1990-2008 mit seiner Familie in Argentinien, davon 13 Jahre im Chaco.

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