Liebe Freunde,

den Herrschern dieser Welt war es schon immer ein Bedürfnis, sich bildlich zu verewigen. Sie ließen und lassen sich in überdimensionierten, prunkvollen Porträts feiern, gottähnlich, eingefasst von Gold und Ruhm, erhaben über alles Profane und über ihre Untertanen. Die goldenen Rahmen markieren die Grenze und betonen die Distanz.

ICH und nicht etwa Etwas

Jahwe, der wahre HERR aller Herrscher aber kehrt dieses Prinzip um. ER lässt sich weder einrahmen, noch in einen Tempel sperren und schon gar nicht bildhaft vereinnahmen. Mit dem ausdrücklichen Bilderverbot (5. Mose 5, 8) fällt der allmächtige Gott aus dem Denk-Rahmen weltlicher Machthaber. Diesem alle Rahmen sprengenden Ruf gibt der biblische Schöpfungsbericht noch Nahrung: Im Gegensatz zu allen bekannten Gottheiten des Altertums betätigt Gott sich selbst als Skulpteur und erschafft aus Lehm – ha’ adam – ein Abbild seiner selbst, ausgestattet mit eigenem Leben, eigener Würde und mit freiem Willen. In eben diesem „Erdling“ will Gott sich vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt offenbaren als einer, der redet und anredet: „Ich bin, der Ich bin.“ Das stellt uns, die wir viel lieber ein kontrollierbares DAS verehren als uns einem autonomen DU auszusetzen, vor enorme Herausforderungen. Es wäre leichter, wenn wir der zweifelnden Welt einen sichtbaren Gott vorweisen könnten. Die Frage, „Wo ist denn euer Gott?“, stellen wir uns ja oft selbst. Er, der sich im Verborgenen hält und doch gegenwärtig ist, erscheint unnahbar und unvernehmbar. Diese Weite der Gotteserfahrungen zwischen einem sich offenbarenden Gott der Beziehungen und dem verborgenen Unbekannten möchte das ­aktuelle Salzkorn ausloten. Wir möchten unseren Freunden damit Einblick geben in unser Jahresthema aus Psalm 8: Was ist der Mensch?, das uns in seinen unterschiedlichen Facetten in verschiedenen Arbeitsbereichen beschäftigen soll. Wenn wir aber nach dem Menschen fragen, müssen wir zuerst nach Ihm fragen, der ihn zu seinem Bilde erschaffen hat.

WER – WIE – WO

Ein geniales Startsignal gibt die Jahreslosung 2014. Klaus Sperr hat das Psalmwort Gott nahe zu sein ist mein Glück in seiner Neujahrspredigt in einen anregenden und weiten Bezugsrahmen gestellt und klargestellt, worauf es beim wahren Glück ankommt und wie wir auf Distanz zu den Dingen gehen, die uns von dieser ersehnten Nähe fernhalten (S. 18).

Nicht selten fragen die jungen Menschen, die ein Jahr mit uns leben, WIE man sich Gott vorstellen kann. Ist er eine Person, was doch sehr menschlich gedacht wäre, oder doch eine allumfassende Energie? WER ist er? Wie kann und will er, der Mächtige und Heilige, angesprochen werden? Der Karmelit Reinhard Körner, Freund und ­Begleiter der OJC, zeichnet den mystischen Weg als den schlichtesten auf: der christliche Mystiker wendet sich „bewusst und von innen her“ zu Gott, den uns Jesus als Vater zeigt (S. 12). Der Jesuitenpater Piet van Breemen fragt nach dem großen WO. Wieder fällt der biblische Gott aus dem Rahmen: Er kommt in seinem Sohn als Mensch auf diese Erde, um uns an unsere Herkunft zu erinnern (S. 32).  

GOTT IST EINER – was sind wir?

Kein Wertesystem hat Europa so geeint und geprägt wie das Christentum, und doch ist die Christenheit immer noch gespalten und zerstritten. Das macht ihr Zeugnis von Jesus unglaubwürdig und widerspricht seinem Wunsch, „dass sie alle eins sind, damit die Welt glaubt (Joh 17,21). Ein überkonfessionelles Hoffnungs­projekt hält dagegen: Miteinander für Europa! Es ist ein Netzwerk von 300 christlichen Bewegungen und Gemeinschaften, das sich seit dreizehn Jahren für ein Europa in Vielfalt und Geschwisterlichkeit einsetzt. Auch die OJC engagiert sich in diesem ökumenischen Aufbruch. Wir haben Gerhard Proß, den verdienten CVJMler und Mitglied des internationalen „Miteinander“-Leitungs­komitees nach den geistlichen Anfängen, der veränderten Qualität des Miteinanders unter den Gruppen und den Zukunftsperspektiven gefragt (S. 24).

Außer über Lehrfragen kann sich die Herde Jesu auch über die Frage in die Wolle kriegen, was eigentlich einen gottgefälligen Lobpreis ausmacht: Stehend, kniend oder sitzend? Hände ­gefaltet oder erhoben? Liturgisch strukturiert oder charismatisch wild? Mit Orgel, mit Schlagzeug oder doch lieber a capella? Und überhaupt – hat Gott unseren Lobpreis wirklich nötig?! Unverhohlen und unwiderstehlich schildert C. S. Lewis sein langes Hadern als Frischbekehrter mit der hartnäckigen Forderung der Psalmen, Gott zu preisen (S. 28).

Gott nahe zu kommen heißt auch, mit sich selbst und mit seiner Geschichte in Berührung zu kommen. Sasha Skvortsov aus St. Petersburg teilte sein Leben mit uns im Rahmen des Jahresteams (S. 21). Sein bewegtes und bewegendes Leben ist ein Zeugnis dafür, dass Versöhnung und Vergebung den Weg in tiefe Freude und eine hoffnungsvolle Zukunft bahnen.

Unser Zeitrahmen auf Erden ist begrenzt. Bis wir Ihn von Angesicht schauen und in Seiner Nähe zu Hause sein dürfen, bleibt uns Sein Geheimnis unaussprechlich schön und groß und es bleibt die Furcht vor dem Übergang von hier nach dort. Für Menschen an der Schwelle, deren Zeit zu Ende geht, gestaltete Michael Blum die Kapelle im Euskirchener Marien-Hospiz (S. 36). Bild­sequenzen von dem dort angebrachten Lebensfries haben uns im OJC-Kalender durch das Jahr 2013 begleitet. Der Künstler gewährt uns Einblick in sein Schaffen und seine Gedanken vom Leben im Angesicht des Todes.

Bildungsrahmen BaWü

Wenn Gott einer ist, der immer aus dem Rahmen fällt, dann darf sich das in seinen Ebenbildern spiegeln. Der Realschullehrer Gabriel Stängle, der sich für seine Schüler engagiert, hat mit ­einer Petition gegen den Bildungsplan 2015 der Baden-Württembergischen Regierung den eng gesteckten Rahmen der political correctness ­gesprengt und wird nun aufs Heftigste von medialer und politischer Seite angegriffen. Sein Einspruch gegen die umfassende Implementierung der „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ ist sachlich begründet und wendet sich ausdrücklich gegen jede Diskriminierung von Menschen mit nicht-heterosexueller Orientierung. ­Stängle und die ­192.334 Unterzeichner der Petition halten ­allerdings nichts davon, dass die Lebensweisen von „Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Transsexuellen und Intersexuellen (LSBTTI)“ zum selbstverständlichen fächerübergreifenden Gegenstand im Unterricht gemacht und als „normale“ Lebensentwürfe vorgestellt werden sollen. Wer die Petition unterschreibt, findet sich schnell in die rechte Ecke geschoben, als homophob verunglimpft und als religiöser Fundamentalist gebrandmarkt. Es ist er­schreckend, mit welcher Erbitterung eine Kultur des vermeintlich toleranten anything goes gegen Meinungen ankämpft, die diesem Mainstream nicht folgen. Die berechtigte Sorge vieler Eltern, dass ihren Kindern mit dem Bildungsplan nicht nur Kennt­nisse, sondern eine ganz neue Haltung und Wertung anerzogen werden soll, stößt in der Regierung auf Unverständnis oder taube Ohren. Dabei soll Schule Wissen und gewiss auch ­Werte vermitteln, aber stets auf der Grundlage des ­geltenden gesellschaftlichen Konsenses. Wenn aber Schule sich anmaßt, eine neue Gesinnung einzuführen, um dadurch einen neuen, zukünftigen gesellschaftlichen Konsens zu generieren, besteht die Gefahr von Indoktrination. Be­stehende, vom Grundgesetz geschützte Werte, zu ­denen die Einehe zwischen Mann und Frau gehört, werden im Sinne einer Ideologie nivelliert und demontiert. Und das alles unter Umgehung der öffentlichen und kontroversen Diskussion über Werte und Konzepte. Wie offen ist so eine Gesellschaft noch?

Wenn wir als OJC unseren Kernauftrag, die Versöhnung zwischen den Nationen, den Generationen und den Geschlechtern zu suchen, weiterhin ernstnehmen, können wir einen solchen faulen Frieden, der uns im Namen der Toleranz verordnet wird, nicht unwidersprochen hinnehmen. Bleiben wir auch im neuen Jahr wachsam und bereit, für unsere Überzeugung einzutreten!

Umrahmung als Umarmung

Wir schauen staunend auf das vergangene Jahr zurück und danken vor allem Ihnen, unseren Freunden, für alles Teilen. Danke für Ihre Briefe und Besuche! Ihr Mittragen im Gebet war uns ein unglaublicher Rückhalt und hat uns geholfen, dem OJC-Auftrag nachzukommen. Ihre groß­zügigen Spenden und unser diszipliniertes Budge­tieren im vergangenen Jahr ermöglichen uns einen soliden und verlässlichen Finanz­rahmen für das Kommende.

Ein weiterer Dankpunkt ist, dass das Erfahrungsfeld Schloss Reichenberg weiter wächst und zunehmend wahrgenommen wird. Wir haben das Team neu aufgestellt (S. 40). Ralf Nölling, der ­bislang für die Koordinierung des Erfahrungsfeldes zuständig war, ist mit der Gesamtleitung des Arbeitsbereichs Schloss und Erfahrungsfeld betraut und im Dezember in sein neues Amt eingesegnet worden. Die Gäste erwartet dort wieder ein breites Angebot. Wir  würden uns freuen, wenn Sie uns helfen, das Erfahrungsfeld noch bekannter zu machen! Dem Heft liegt eine Info-Karte mit einladendem Text und einer Übersicht über die Stationen auf dem historischen Schlossgelände zum Weitergeben bei.

Wir sind gespannt, was uns 2014 erwartet. Eines ist allerdings sicher: Sie sind alle herzlich eingeladen zum Tag der Offensive am Himmelfahrtstag, 29. Mai 2014, hier in Reichelsheim mit Anstößen und Impulsen für ein ansteckendes, offensives Christsein.

Gottes Verheißungen sind ein guter, passge­nauer Rahmen für unser Tun und unser Sein, erst recht in den Verworrenheiten des Lebens. Ich ­grüße Sie in der Gewissheit: Gott umrahmt und ­umarmt uns durch die Wirklichkeit, die auf uns zukommt – Ihm nahe zu sein ist unser Glück!

Ihr

Konstantin Mascher, 
Reichelsheim, am 1. Februar 2014

Von

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