Ilan Brunner

MAZEL TOV, ILAN!

Am Israel chai! Israel lebt!

Grüße zum 80. Geburtstag

Ilan Brunner, unser Freund in Israel, feierte am Ostersamstag seinen 80. Geburtstag! Selbst Opfer der Naziverfolgung, hat er sein Leben dafür eingesetzt, Brücken zu bauen, damit Israelis und Deutsche ihre Beziehungen gegenseitig vertiefen.

Zu Gast bei den Enkeln der Täter: Die Annäherung ist und bleibt ein lohnendes Wagnis.

Geboren wurde er 1934 in Prag als Kind jüdischer Eltern. Seine Mutter war eine bekannte Solo- Violinistin. Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen 1938 veränderte sich das Familienleben radikal. Noch heute steht Ilan der brutale Abtransport des kostbaren Konzertflügels durch deutsche Besatzer aus der elterlichen Wohnung lebendig vor Augen. Ebenso der erzwungene Umzug aus der Wohnung an der Moldau mit Blick auf den Hradschin in eine kleine Altstadtwohnung, die sie mit drei weiteren Familien und ihren Kindern teilen mussten. 1939 schickten die Eltern den Fünfjährigen und seinen älteren Bruder mit einem Kindertransport nach England. Dass sie die Söhne allein in die Fremde schickten, haben ihnen Freunde und Verwandte damals sehr übel genommen und sie regelrecht gesellschaftlich isoliert. Damals wusste noch keiner, dass ihnen genau dieses das Leben retten würde. Als Ehepaar „ohne Kinder“ konnten die Eltern noch vor der Deportation der Juden nach Israel auswandern, während viele ihrer Verwandten und Freunde im Holocaust ermordet wurden.

Von der Wüste Juda ins Odenwälder Rapsfeld – Brückenschlag zwischen Lebenswelten

In England wurden die Brüder gut aufgenommen, Ilan aber erlebte die Zeit, ohne die tröstliche Nähe von Vater und Mutter, als überaus schwer. Umso größer war die Freude, als sie nach dem Krieg in Israel Wiedersehen feiern konnten. Weil Ilan Deutsch sprach, wurde er als Reserveoffizier zum Begleiter und Übersetzer für deutschsprachige Gäste. Häufig wurde ihm die Frage gestellt: „Was können wir für Israel tun?“ Diese Frage wurde für ihn zum Auslöser für eine neue Initiative. Gemeinsam mit seiner Frau Esti († 2010) gründete er 1999 das „Disraelis“-Projekt (Disabled Israelis) und regte an, dass Opfer von Anschlägen und beim Militärdienst verwundete junge Israelis in deutschsprachige Länder eingeladen werden, um eine „Auszeit vom Terror“ zu bekommen. Im Laufe der Jahre vermittelte er so ca. 1000 junge Erwachsene nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Wir als OJC hatten mehrere Disraelis-Gruppen in Reichelsheim und Weitenhagen zu Gast. Das waren bewegendeBegegnungen mit prägenden Erfahrungen für beide Seiten. Viele junge Deutsche sind zu Freunden Israels geworden und haben eine neue Sicht auf dieses Land, seine Geschichte und seine Menschen erhalten. Ilan selbst macht häufig die Erfahrung, dass die Israelis als Botschafter für ein anderes Deutschland in ihre Heimat zurückkehren.

Auch die Begegnungen in Weitenhagen und Greifswald mit israelischen Eltern, die Kinder bei Anschlägen und Kämpfen verloren haben, haben einen tiefen Eindruck hinterlassen und für manchen Israeli den Beginn eines persönlichen Heilungswegs markiert.

Golan – die Narben des Krieges sind nicht verheilt. Michael Wolf (re) mit einer Gruppe auf Gegenbesuch.

„Durch diese Begegnungen geschieht ein Abbau von Vorurteilen und durch das Kennenlernen entstehen neue Beziehungen zwischen unseren Völkern. Ich nenne es auch ein Band, eine Mauer der Freundschaft“, sagte Ilan in einer Rede am 9. November 2008 in Reichelsheim. Eine große Freude ist für ihn, die „Kinder Israels“ von heute zu erleben. Die geplante Vernichtung des jüdischen Volkes ist nicht gelungen. Israel lebt und hat Freunde in Deutschland! Seine Liebe zum eigenen Volk hat uns gelehrt, was ein Volk stark und lebendig macht.

Geteiltes Leid: Mit verwaisten israelischen Eltern im Gespräch am Greifswalder Bodden.

Die ojcos-stiftung ehrt Ilan Brunner mit dem zum 10. Jubiläum ins Leben gerufenen ojcos-Stiftungspreis. Die Auszeichnung des Ehepaars Ilan und Esti Brunner für die besonderen Verdienste auf dem Feld von Völkerverständigung und Versöhnung soll ihr Engagement einer weiteren Öffentlichkeit bekannt machen und Menschen der kommenden Generation ermutigen, Wege der Versöhnung zu suchen. Auch im 21. Jahrhundert müssen Verständigung und Frieden in der Welt wachsen! Die Preisverleihung erfolgt am 29. Mai 2014 im Rahmen des Tages der Offensive in Reichelsheim.

Pfarrer-Ehepaar Wolfgang und Elke Breithaupt aus Weitenhagen bei Ilan in Israel.

Lieber Ilan!

Wir sind von Herzen dankbar, dass wir in Dir einen kostbaren Freund gewonnen haben, der trotz schwerer persönlicher Erfahrungen mit unserem Volk stets bereit ist, uns Deutschen die Hand entgegenzustrecken – wenn wir nicht vergessen, was geschehen ist!

Wir gratulieren Dir herzlich zum Geburtstag und zu einem erfüllten Leben. Wir freuen uns auf das Wiedersehen mit Dir in Reichelsheim. Im Namen der ganzen OJC-Gemeinschaft: Schalom!

Dein

Michael Wolf

Von

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