Vertrauen wie Levi

Vertrauen wie Levi

Mein freiwilliges Jahr in Gemeinschaft

von S.

Es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko zu blühen.“ (Anaïs Nin) – genau so habe ich meine OJC-Zeit erlebt, es ging für mich um das große Wagnis, ob ich mich Gott anvertrauen sollte oder nicht.

Ich bin christlich erzogen und aufgewachsen, aber eine persönliche Gottesbeziehung hatte ich nicht. Seitdem mir das bewusst geworden war, schämte ich mich dafür, dass ich heuchelte und doch verdrängte ich die damit verbundene Auseinandersetzung. Auch die Trennung meiner Eltern und eigene Probleme in den vorangegangenen Jahren hatten dazu geführt, dass ich mich immer mehr verschloss. Weil aber der innere Schmerz und der Durst zu groß wurden, kam ich in die OJC. Hier lebte ich mit zwei Frauen in einer WG, die beide etwas Besonderes von Gottes Herzen widerspiegelten. Zu ihnen fasste ich rasch Vertrauen und konnte meine – wie mir schien – größte Schwäche bekennen: Ich habe große Zweifel. Ich weiß gar nicht, ob es Gott gibt. Ist am Ende alles nur Einbildung?

Ich war seltsam aufgewühlt und fühlte mich bodenlos. Wenn ich betete, stieg Misstrauen in mir auf. Ich sprach immer wieder: „Gott, wenn es dich gibt, dann öffne mein Herz für dich!“ Mir war klar: Wenn ich glauben wollte, dann ganz und mit allen Konsequenzen, aber ich spürte auch, wie gewichtig eine Entscheidung für Jesus war und was sie mich kosten würde.

Zeichen am Wege

Als ich mich eines Abends ins Bett legte, fiel mein Blick auf meine Bibel. Für einen Moment dachteich daran, sie noch kurz aufzuschlagen. Sollte mir vielleicht noch etwas zugesprochen werden? Ich entschied mich dagegen. Doch als ich den Radiowecker einstellte, sang eine Stimme: „Ich bin, der ich bin. Ich bin Anfang und Ende.“ Ich wusste nicht, dass ich mich im Sendegebiet des ERF befand. Wie gebannt lag ich da. Es war, als hätte Gott sich mir ganz persönlich vorgestellt.

An einem Stillen Tag schrie ich zu ihm: „Wieso wissen andere so genau, dass du es bist, der zu ihnen spricht? Wie kann es sein, dass sich ihr Glaube nicht einmal durch unbeantwortbare Fragen erschüttern lässt? Wenn es stimmt, dann hilf mir zu glauben, dass DU die Wahrheit bist. Oder muss ich einfach lernen, mit der ungestillten Sehnsucht nach einem Fundament, nach verlässlicher Liebe und sinnerfülltem Leben zu leben?“ Ich bekam zwar keine direkte Antwort, war aber überwältigt, als ich mein Klagen in Psalm 142 wiederfand. Überhaupt sog ich in der Folgezeit Bibelworte auf, als würde ich sie zum ersten Mal vernehmen.

Als ich Gott einmal bat, sich mir erfahrbar zu machen, war mir, als fragte er mich: „Hast du mich denn nicht erkannt in diesem prachtvollen Sonnenuntergang, als du in goldströmendem Licht standst?" Ich war ganz beschämt, denn es stimmte: Gott berührte mich dort, wo ich am empfindsamsten bin: in der Musik, in der Schöpfung, durch Menschen und durch sein Wort. Das zeigte mir: Er kennt mich. Mit der Zeit konnte ich seine Stimme immer besser wahrnehmen.

Wie geht vertrauen?

Ich erkannte, dass Glaube freimachen kann von Abhängigkeiten, und welch unermessliche Weisheit in den Dingen steckt, die von Gott durchdrungen sind. Aber letztlich ging es eben nicht nur um Verstehen, sondern um Vertrauen und da wusste ich nicht weiter. „Herr, wie kann ich dir denn Vertrauen schenken?“ fragte ich immer wieder. Ich schreckte hoch, als ich die Gegenfrage vernahm: „Wie kann Levi, das Kind, mit dem du viel Zeit verbringst, dir vertrauen?“ Und es fiel mir wie Schuppen von den Augen: Levi kannte mich nicht wirklich, aber er hatte erfahren, dass ich es gut mit ihm meinte und dafür Sorge trug, dass seine Bedürfnisse gestillt waren. Und so sollte es auch zwischen Gott und mir sein? Ich konnte nur staunen, wie einfach und klar die Botschaft war.

Ich verspürte tiefen inneren Frieden und war von einer Freude erfüllt, die bestimmt nicht von mir selbst kam. Und doch kamen auch wieder unruhigere Zeiten, in denen Gott fern schien. Irgendwann kam der Augenblick, in dem ich eine Entscheidung für oder gegen Gott nicht länger aufschieben konnte. Und so ging ich am Morgen des 8. April, meines Tauftages, nach draußen und vertraute Gott mein Leben an mit dem Lied „Ich gebe dir mein Herz“.

Zuerst behielt ich es noch für mich, zu heilig war es mir. Dann erzählte ich im Austausch meiner WG, was geschehen war und war überwältigt über ihre unbändige Freude und ihre Tränen! Die Engel im Himmel würden gerade riesig feiern, versicherte mir eine der Frauen jubelnd. Es war der schönste Morgen in diesem Jahr. Wie reich ich beschenkt wurde, wie glücklich ich war! Ein Liebhaber tut nichts lieber, als sein Herzblatt mit Gutem zu überschütten, so habe ich meine neue Beziehung zu Jesus empfunden. Und so konnte ich am Ende meiner Freiwilligenzeit nichts anderes sagen als: Mein Herz ist ruhig geworden, Gott, ich fühle mich wieder sicher; mit einem Lied will ich dich preisen. Ja, das will ich! Ps 108,2 (Gute Nachricht) ■

Das Salzkorn im Abonnement

Jede Ausgabe dieser Zeitschrift können Sie kostenfrei bestellen »

Auch künftige Ausgaben vom Salzkorn (erscheint vier Mal im Jahr) senden wir Ihnen gerne zu. Hier können Sie das Salzkorn abonnieren »

Unsere Veröffentlichungen unterstützen

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, christliche Werte und eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit Strömungen der Zeit auf der Grundlage des Evangeliums an nachfolgende Generation zu vermitteln.

So können Sie spenden:

» Bankverbindung
» Spendenformular
» PayPal