Wähle das Leben!

Eine Handreichung zur Freude

von Bernhard Meuser

Die wenigsten Menschen gehören zur sizili­ani­schen Mafia, auch planen sie keine Angriffskriege oder spielen mit dem Gedanken, demnächst ihren Partner umzubringen. Wir werden aber sehen, dass durchaus jeder angesprochen ist, der Christ sein möchte. Wir beginnen mit einer provokanten Frage: Warum sollte es denn nicht erlaubt sein, jemand anderen zu töten? Sofort fallen uns Grenzbereiche ein, in denen es in der Tat hier und heute zur Debatte steht: ­„Aktive Sterbehilfe“ ist ein anderes Wort für „Töten“, auch „Abtreiben“ ist synonym mit „Töten“, ebenso ein so harmloser Begriff wie „therapeutisches Klonen“; da geht es nämlich – man schämt sich, es zu schreiben – um die Zucht von Embryonen zum Zweck der Entnahme heilenden genetischen Materials. Längst sind wir in einem Stadium, in dem das Tötungsverbot nur noch relative Geltung besitzt. Ist es dem Menschen erlaubt zu töten? Immer mehr Menschen antworten: Kommt drauf an!

Dass Christen nie – das heißt: unter keinen Umständen, auch nicht ansatzweise oder in irgendeiner Kompromissformel – vom „Nicht-Töten“ abweichen dürfen, hängt mit einem der wenigen echten Tabus im Christentum zusammen. Auf die Frage: „Wem gehört das Leben ?“ gibt es nur eine Antwort: „Gott“. Die Alternative wäre, dass wir dem gehören, der gerade Macht über uns hat, in dessen Händen wir uns befinden. Nein, das Leben ist am besten in Gottes Hand aufgehoben: „Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt“  heißt es beim Propheten Jeremia (1,5). Gott schenkt Leben – und er nimmt Leben. Leben ist seine Domäne. Es gehört ihm. Der Spruch: „Mein Bauch gehört mir“ ist nicht nur falsch, was das darin befindliche Baby betrifft (seit wann „gehört“ ein abhängiges Menschlein jemand anderem?). Nicht einmal mein Bauch selbst gehört „mir“. Ich gehöre nicht mir, ich gehöre Gott. Wir gehören einander nicht. Niemand gehört sich. An Leben zu rühren, in welchem Zustand auch immer es sich befindet – und wenn es das eigene wäre – ist ein Angriff auf die Heiligkeit des Eigentums Gottes.

… sondern Verrücktes im Leben zulassen

Das Gebot: „nicht töten“ verpflichtet jeden Christen dazu, „Leben als heilige Domäne Gottes" zu schützen, und zwar gegen alle nur denkbaren Übergriffe, sei es beim therapeutischen Klonen, sei es bei der Euthanasie, sei es im Fall von Abtreibung. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, deren andere so lautet: Wer nicht will, dass getötet wird, soll Leben ermöglichen. Das kann viel heißen, auch dass man in seinem Umfeld alles dafür tut, damit keine Frau und kein Mädchen meint, abtreiben zu müssen. Und dann in kunterbunter Folge: Dass man ansteckenden Optimismus verbreitet. Dass man sich nicht hängen lässt. Dass man Kinder liebt und ihnen Raum in seinem Leben und seiner Zeit gewährt. Dass man Farbe zulässt und sterile Wohnungen renoviert. Dass man Spielen-verboten-Schilder klaut. Dass man Gastfreundschaft übt. Dass man einen langweili­gen Laden aufmischt. Dass man auf seinen Körper achtet und seine Gesundheit nicht ruiniert. Dass man dem anderen Raum zur Entfaltung und Luft zum Atmen lässt. Dass man den Lautstärkeregler im Kinderzimmer mal nicht zurückdreht. Dass man jemanden neidlos wachsen und groß werden lässt. Dass man Naturräume schützt. Dass man einen Garten pflegt oder Tiere liebt. Dass man in meiner Nähe aufblühen kann. Dass man leidende und betagte Menschen nicht aus seinem Horizont entfernt. Dass man lebendig ist. Dass man tanzt.

  • Lassen Sie das Lebendige und Verrückte in Ihrem Leben zu.
  • Machen Sie Spaß und Unsinn mit Kindern.
  • Ersticken Sie ungewöhnliche Gedanken nicht schon im Keim.
  • Engagieren Sie sich gegen lebensfeindliche Tendenzen.          

 

Der hier abgedruckte Text stammt aus seinem Buch: Christsein für Einsteiger, fontis-Verlag Basel, 2014.

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