Ins Herz gesät

Was ich an meiner Kirche habe

Eine lebendige Gottesbeziehung

"Meine Kirche“, das ist von meiner Prägung her die evangelische Landeskirche Württemberg, heute die Hessen-Nassauische, dazwischen die Lutherische in Sachsen. Und das ist wahrhaft nicht ein und dieselbe! Trotzdem fühle ich mich dort zu Hause, weil ich darin zu einem lebendigen Glauben an Jesus Christus gefunden habe, weil ich dort gelernt habe, wie ich Bibel lesen und beten und das Erlebte und Erkannte in meinem Alltag umsetzen kann. Durch die sonntäglich und jährlich sich wiederholende Liturgie fordert sie mich heraus, in der festgelegten Form dem lebendigen Gott zu begegnen. Sie lehrt mich, der Liturgie Vorrang zu geben vor der individuellen Glaubenspraxis. Im Gottesdienst verbindet mich meine Kirche mit der weltweiten Kirche Jesu und mit Generationen von Christen, die lange vor mir geglaubt und gebetet haben – ganz gleich wie ansprechend oder leidenschaftlich der Gottesdienst vor Ort gefeiert wird.

Was ich mir von meiner Kirche wünsche? Dass sie sich wieder traut, zu einem verbindlichen Glauben, der sich zur Autorität der Schrift bekennt, einzuladen und herauszufordern. Wie viele Kirchenmitglieder haben noch eine lebendige Gottesbeziehung?

Daniela Mascher lebt mit ihrem Mann Konstantin und ihren vier Kindern in der OJC.

Gottes weltumfassende Familie

Neben unserem Schülerbibelkreis fanden wir als Jugendliche unser geistliches Zuhause in der Freien ev. Gemeinde in Gießen. Wir liebten die Chance zum Mitmachen und selbst Gestalten. Familiär und herzlich ging es zu. Wie alle anderen haben wir Hand angelegt, als es darum ging, das Gemeindehaus umzubauen. Die Älteren nahmen uns ernst, standen als Gesprächspartner zur Verfügung, gaben Orientierung und eigenes lebendiges Lebenszeugnis.

Jugendmitarbeiter wurden gefördert. Wir lernten Verantwortung zu übernehmen, zu beten, zu geben und Teil des Ganzen zu sein. Und das bedeutete: andere mit Jesus bekannt zu machen und in die Gemeinde zu integrieren. Außerdem war der große Horizont der Weltmission immer präsent: Jesus für und in allen Kulturen – Gottes weltumfassende Familie; davon haben wir viel mitbekommen.

Wir lieben bis heute das gelebte Priestertum aller Gläubigen. Und die hohe Identifizierung in allen finanziellen Belangen: der Zehnte (vom Bruttogehalt!), wie er in vielen freien Gemeinden völlig normal ist, legt davon Zeugnis ab. Wer sollte sonst die Kosten übernehmen, den Pastor oder notwendige Umbauten bezahlen?

Bei vielen braucht neben der Berufstätigkeit die Mitarbeit in der Gemeinde das größte Zeitkontingent. Uns beeindruckt, welche Kraft Freiwilligkeitskirchen entwickeln können, große Projekte zu stemmen und über Jahre durchzutragen. Wir freuen uns auch daran, dass und wie man an­geleitet wird, in seiner Bibel zu lesen, sie sich zur Richtschnur für Glaube und Leben werden zu lassen. Dass in den FEGs die Erwachsenen­taufe nicht zur Bedingung für eine Mitgliedschaft gemacht, sondern respektiert wird, dass einige ihre Kindertaufe als für sich vollgültig ansehen, scheint uns ein sehr respektvoller Umgang mit denominationellen Verschiedenheiten.

Worunter wir leiden: dass sich manche FEGs für besser halten als andere Kirchen und sich schwer tun, mit den ev. oder kath. Ortsgemeinden zusammenzuarbeiten, weil irgendwie vermittelt wird, die anderen seien nicht so ganz richtige Christen. 

Wir wünschen uns, dass mehr FEGs sich aktiv am gesellschaftlichen und kirchlichen Leben ihrer Orte und der Gesellschaft insgesamt beteiligen, dass z. B. auch Lebensstil und soziale Fragen selbstverständlich zu glaubwürdiger Mission und Nachfolge Christi gehören.

Frank und Ute Paul gehören zur OJC in Reichelsheim

Neu ergriffen werden

Ich kenne nur einen winzigen Ausschnitt meiner katholischen Kirche, wenngleich ich mit ihr vertraut bin, mit ihrem Glaubensschatz und ihrer Liturgie. In ihr bin ich unterwegs und zuhause, im Gebet, im Nachfragen, Hören, Empfangen, allein vor Gott und gemeinsam mit anderen.

Ein Bild für die Kirche, das mir viel bedeutet, ist das der Mutter. Die Kirche in ihrer geistlichen wie irdischen Realität nährt, trägt und führt ins Leben. Sie ist ein Ort des Wachstums, des Trostes, der Heimat. Als Mutter ist sie in ihrer Beständigkeit auch Widerstand, der zum Reifen anregt.

Für die organisierte Kirche, wie ich sie in Deutschland erlebe, wünsche ich mir, dass kirchliche Mitarbeiter neu von der Wirklichkeit des Rufes Christi, von der Realität ihrer Geschöpflichkeit und des ewigen Lebens ergriffen werden – vom Amtsträger bis zum Winterdienst – dann sähe das katholische Glaubensleben in meiner Generation weit zuversichtlicher aus. Mein Wunsch an jene, denen ein Lehrauftrag oder Hirtenamt anvertraut ist: Die Kirche hat vernünftige Gründe für das, was sie lebt und lehrt! Macht sie den Suchenden transparent und zeigt ihnen die authentischen Quellen, weckt Leidenschaft für das Gebet!

Ich wünsche mir weniger Grabenkämpfe innerhalb der eigenen Konfession, dafür eine Kirche, die mit Johannes dem Täufer sagt: Ich muss abnehmen, Er muss wachsen! Aus dieser Haltung und Ausrichtung gewinnt sie ihre Größe. _

Pia Manfrin war von 2013 bis 2015 Mitarbeiterin in der OJC.

Das Salzkorn im Abonnement

Jede Ausgabe dieser Zeitschrift können Sie kostenfrei bestellen »

Auch künftige Ausgaben vom Salzkorn (erscheint vier Mal im Jahr) senden wir Ihnen gerne zu. Hier können Sie das Salzkorn abonnieren »

Unsere Veröffentlichungen unterstützen

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, christliche Werte und eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit Strömungen der Zeit auf der Grundlage des Evangeliums an nachfolgende Generation zu vermitteln.

So können Sie spenden:

» Bankverbindung
» Spendenformular
» PayPal