Ite Zimmerer im Oktober 2015

(Uns) einen Schritt voraus

Abschied von Ite - Pionierin durch und durch

Elfriede Zimmerer * 5.8.1937 – † 15.11.2015

Eigentlich wollten wir am Samstag, den 14. Nov. 2015 im kleinen Kreis mit Ite, wie wir sie nannten, Abendmahl feiern. Aber sie kam an diesem Morgen nicht. Als wir sie holen wollten, fanden wir sie friedlich in ihrem Bett liegend. Sie war in den frühen Morgenstunden aus der Zeit in die Ewigkeit abgerufen worden. Mit 78 Jahren hat sich ihr Leben vollendet. Sie kann nun mit ihrem Herrn Jesus Christus Abendmahl feiern. An ihrem Todestag haben wir uns als Kommunität in ihrer kleinen Wohnung zu einer Aussegnung versammelt, an ihrem offenen Sarg gebetet und gesungen. Mit Trauer und mit noch mehr Dankbarkeit haben wir sie aus ihrem Haus geleitet.

Ite gehörte zur Gründungsgeneration der OJC-Kommunität. Auch in die Ewigkeit ist sie uns allen nun vorausgegangen. Eine echte Pionierin eben. Die Beerdigung auf dem Reichelsheimer Friedhof war gleichermaßen von Trauer und Freude getragen. Neben einer Predigt zu ihrem Eintrittswort aus Ps 73,25.26 – Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil – gab es zwei berührende Zeugnisse über ihr Leben: von Friederike Klenk, Weggefährtin seit über 50 Jahren, und von Antje Vollbrecht, die ihr in den letzten Jahren zu einer Vertrauten wurde und deren Abschiedsworte wir hier mit Ites Freunden teilen möchten. Wir sind gewiss: Es ist ein Abschied auf Zeit – wir sehen uns in der Ewigkeit wieder.

... ins Leben hineingeliebt

Ite ist für mich eine „Adoptiv-Oma“, sie hatte mich irgendwie in ihr Herz geschlossen. Jeden Mittwoch hat Ite für uns junge Mitarbeiter lecker gekocht, den Tisch schön gedeckt und Ausschau gehalten, wann wir endlich kommen. Sie schenkte uns Raum, auszuruhen und zu erzählen von dem, was uns bewegt. Ite hatte etwas ganz Warmes und Weiches, sie war einfach „rund“. Sie hat mich an meine Lieblingsoma erinnert und so wohl eine besondere Zuneigung zu ihr in mir hervorgerufen. Als sie mich bat, mit ihr eine Patientenverfügung zu machen und als Vertrauensperson für sie da zu sein, war es dann mehr oder weniger „offiziell“.  Ite, die Älteste unter den Ledigen, hat sich für uns Junge verantwortlich gefühlt. Als die Mutter einer Mitarbeiterin sie halb im Scherz und halb im Ernst bat, „ein Auge auf ihre Tochter zu haben“, hat sie sich das aufs Herz genommen: Sie mahnte unverblümt an, einmal eine Pause von der Arbeit zu machen, gefälligst nicht im Stehen zu essen oder sonst zu „verlottern“. Sie registrierte genau, wenn jemand bei Bibelarbeiten oder im gemeinsamen Abendmahl am Freitagmorgen fehlte; eine zu lange Lebensgruppen-Runde am Vorabend ließ sie als Entschuldigung nicht gelten. Alles Gemeinsame – vor allem die gemeinsamen Zeiten bei Gott – waren ihr besonders wichtig: Wenn Christus unsere Mitte sein soll, dann müssen wir uns auch um ihn herum versammeln, immer wieder. Als ich das Abendmahl öfter habe ausfallen lassen und Ite mich darauf ansprach, erzählte ich ihr, welche Not dahinter steckte. – „Aber Antje“, erwiderte sie, „gerade jetzt ist das Abendmahl besonders wichtig!“ Sie wusste um die Kraft, die darin liegt. Ich habe es mir zu Herzen genommen.  Zu ihrem Talent gehörte es auch, die Stillen, die Leisen und die Fremden an ihrem Tisch zu ermutigen, von sich zu erzählen.

Ite konnte in eigenen Angelegenheiten schon mal ungeduldig werden, aber zuhören, das konnte sie mit großer Geduld, und nachfragen, wenn einer erzählte. Überhaupt waren ihre Tafelrunden herrlich konspirativ. Es gab hitzige Diskussionen, wenn wir gerade mal wieder die Welt retten wollten und wir haben uns dabei nicht selten verhoben. Aber es wurden auch neue Ideen geboren, Wege bedacht für einzelne und unser Miteinander in der OJC. Das einzige, was sie aus unserer Runde reißen durfte, war das Telefon; denn Ite, die freundliche Stimme der OJC, war bis fast zuletzt 24 Stunden am Tag im Dienst.

Sie ist einer der Menschen, die mich ins Leben hineingeliebt haben. Nach meinem 30. Geburtstag, an dem ich weit weg ans Meer gefahren bin und es nicht sicher war, ob ich zurückkommen werde, haben wir meine Rückkehr ins Leben an ihrem Tisch gefeiert. „Ja Antje, wie schön, dass du da bist!“– Diesen Satz sprach sie mit Herz und Mund, Augen und Händen so oft aus. Wenn jemand über viele Jahre einfach nicht aufhört, für einen zu beten, an einen zu glauben, dann kann es nur einen Grund haben, der meint das ernst. So ein Mensch ist Ite für mich.

Jemanden weiterziehen zu lassen, war für Ite besonders schwer. Ich glaube, sie machte für jeden, der je an ihrem Tisch saß, einen Platz in ihrem Herzen, und wenn derjenige dann weiterzog, tat das sehr weh. Jetzt müssen wir aushalten, dass Ite weitergezogen ist. Aber ich freue mich schon jetzt riesig darauf, ihre strahlenden Augen in der Ewigkeit wiederzusehen.

 Bilder und Texte zur Trauerfeier

Von

  • Klaus Sperr

    evang. Pastor und Seelsorger, verantwortlich für die Liturgie des Alltags in der OJC-Kommunität.

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