Dynamik der Kontemplation

Nichts für Überspannte

Die Dynamik der Kontemplation

Nichts fasziniert mich im Kloster so sehr wie die Kerzen und das Ewige Licht. Man könnte meinen, dass in einer Welt der Neonröhren, der Dimmschalter, der Schwanenhalsleuchten und der Halogenlampen Kerzen, Kerzenständer und Ewiges Licht längst überholt sind. Nicht hier. Nicht in meinem Kloster. Sie brennen in den Korridoren, vor der Kapelle, während der Karwoche. Beim Tod einer Schwester brennt 30 Tage lang eine Kerze. Wir schenken Kerzen als Zeichen der Ewigen Profess und tragen sie, wenn wir unsere Taufgelübde erneuern. Die Kerzen und das Ewige­ Licht lenken unseren Geist auf das Licht, das Christus ist, sie erinnern uns ständig daran, dass unser Leben vergänglich ist. Sie sagen uns, dass der Tag vergeht. Sie sagen uns, dass es Zeit ist, in die dunklen Ecken unserer Seele hineinzuschauen, und bringen das Licht in sie hinein. Sie lehren uns, uns nicht zu übernehmen.

Meine Mitschwestern sind beschäftigt. Sie arbeiten mit den Armen, trösten Sterbende und geben den Hungrigen zu essen, sie nehmen sich der Alten an, unterrichten die Unterprivilegierten, studieren, dienen, heißen willkommen und vermitteln Wärme, wo immer sie sind, Tag für Tag. Aber man hat nicht den Eindruck, dass sie bei aller Belastung vergessen hätten, dass das Leben mehr ist als Aktivitäten. Sie gehen in ihrer Arbeit nicht derart auf, dass sie darüber vergessen, dass wir nur dann Licht spenden können, wenn das Licht zuerst in uns selber ist. Auch die härtesten Asketen, die frühen Wüstenmönche, dachten über diese Frage nach. Soll das ganze Leben eine einzige Buße sein? Soll das ganze Leben harte Arbeit sein? Ist das Leben dazu da, dass wir den Leib überfordern, um die Seele zu retten? Ist das Leben dazu bestimmt, sich selber ganz zu verausgaben? Ihre Antwort war eine Geschichte über den Abba Antonius.

Eines Tages sah ein Jäger in der Wüste, wie sich Abba Antonius mit den Brüdern vergnügte, und war ­schockiert. Was war denn das für ein geistlicher Meister? Aber der alte Mann sagte zu ihm: „Leg einen Pfeil auf deinen Bogen und schieße.“ Das tat der Jäger. Dann sagte der alte Mann: „Nun schieße nochmals.“ Und der Jäger tat es. Dann der Alte: „Schieße mit deinem Bogen nochmals.“ „Und nochmals.“ „Und nochmals. „Und nochmals.“ Schließlich sagte der Jäger: „Wenn ich meinen Bogen zu oft spanne, wird er zerbrechen.“ Da sagte Abba Antonius zu ihm: „Mit Gottes Werk ist es ebenso. Wenn wir uns übermäßig anstrengen, zerbrechen wir. Man muss manchmal auch andere Bedürfnisse stillen.“ Als der Jäger diese Worte hörte, begann ihn das Gewissen zu plagen. Und er ging, von ­Antonius sehr erbaut, weg. Die Mönche aber kehrten gestärkt zurück.

Von Muße und Träumen

Anders gesagt: Muße ist ein wesentliches Element der benediktinischen Spiritualität. Das ist weder Faulheit noch Egoismus. Es hat mit der Tiefe und Weite, der Länge und Qualität des Lebens zu tun. In unserer Kultur ist die Muße wohl eine der am schwierigsten zu verwirklichenden geistlichen ­Dimensionen. Man hat uns gelehrt, Täter und Macher, nicht Träumer und Seher zu sein. Benediktinische Spiritualität will aber Menschen formen, die über ihr Tun nachdenken; das Evangelium ist für sie die Brille, durch die sie ihre Welt sehen. Die Regel Benedikts macht klar, dass es keine Arbeit im luftleeren Raum gibt. Ordensleute leben nicht um zu arbeiten. Arbeit muss ins ­monastische Leben integriert sein, so dass keinem von beiden Gewalt angetan wird. Im benediktinischen Lebensverständnis darf keine Dimension etwas Ausschließliches sein. Gebet, Gemeinschaft und persönliche Entfaltung sind für ein gutes Leben ebenso wesentlich wie die Arbeit. Und das ist der Sinn von heiliger Muße. Talmud-Forscher sagen, das Buch Genesis lege nicht deshalb soviel Wert auf den Sabbat, um zu zeigen, dass Gott ausruhen musste – das wäre eine Häresie –, sondern um zu sagen, dass Gott die Ruhe geschaffen hat und die Ruhe wollte. Die Ruhe und der Sabbat, betonen die Rabbiner, sind aus drei Gründen für die Schöpfung wichtig.

Vom Segen des Sabbat

Zum einen sagen sie, der Sabbat stelle Reiche und Arme gleich. Wenigstens an einem Tag der Woche seien alle gleich. Am Sabbat können die Reichen die Armen nicht unterdrücken, nicht beherrschen noch ausbeuten. Zweitens will uns der Sabbat  Zeit geben, wie Gott unsere Arbeit zu begutachten, um zu sehen, ob auch unser Werk „gut“ ist. Schließlich will uns der Sabbat, so die Rabbiner, Zeit geben, um über den Sinn des Lebens nachzudenken. Wenn ein Siebtel jeder Woche der Ruhe gilt, gehört ein Siebtel des Lebens der Ruhe: 52 Tage im Jahr, 3640 Tage in 70 Jahren – das ergibt auf die Lebenszeit bezogen zehn Jahre Sabbat, Ruhe und Zeit zum Nachdenken; diese Zeit soll dem Nachdenken über den Sinn des Lebens dienen. Mit anderen Worten: Der Sabbat ist die Zeit für heilige Muße, die Zeit, die ich mir nehme, um das Leben auf neue und frische Weise zu betrachten. In seinem Lebensentwurf sieht Benedikt vier Stunden pro Tag für das Gebet vor, sechs bis neun Stunden für die Arbeit, sieben bis neun Stunden für den Schlaf, etwa drei Stunden zum Essen und Ruhen und drei Stunden zum Lesen und Betrachten. Ich erinnere mich noch an meine Überraschung, als mir eines Morgens während der täglichen Regellesung in der Kapelle klar wurde, dass Benedikt nicht schreibt, es solle jemand im Kloster umhergehen und sehen, ob alle ihre Arbeit tun. Er schreibt vielmehr, es solle jemand nachsehen, ob die Mönche ihre Lesung und ihre Betrachtung machen; mit anderen Worten: Ob sich alle die Zeit nehmen, um ein bewusstes und fruchtbares Leben zu leben.

Natürlich ist Benedikts Tagesplan von der Landwirtschaft und vom Klosterrhythmus bestimmt. Für Familien mit kleinen Kindern ist er nicht ge­eignet. Auch nicht für die Pendler in großen Städten. Ebenso wenig für jene, deren Arbeitstag in der Frühe mit Bürostunden beginnt und mit Abendterminen aufhört. Aber selbst wenn wir Benedikts Zeitplan nicht übernehmen können, sind seine Ideen mehr als wichtig. Sie und ich können seinen Tagesplan vielleicht nicht genau einhalten, aber wir müssen einen Lebensrhythmus finden, der jedem dieser Elemente irgendwie Platz gibt.

Vom Spielen und Erholen

Was aber ist Ausgewogenheit in einer Gesellschaft, die die Zeit umkehrt und ihr Gleich­gewicht ver­loren hat? In einer Kultur, welche mit ihrem ständigen Licht die Nacht abschafft und ihre ­Maschinen 24 Stunden laufen lässt, weil es teurer ist, diese ein- und auszuschalten als die Menschen zu bezahlen, die sie zu späten und ungewohnten Zeiten bedienen? Zuerst einmal hat Ausgewogenheit nichts mit einer mathematischen Aufteilung des Tages zu tun. Die meisten von uns sind auch gar nicht in der Lage, solche freie Einteilung vorzunehmen. Zweitens bedeutet Ausgewogenheit auch nicht einfach Gleichbehandlung. Wenn ich in einer Woche vierzig Stunden arbeite, dann bedeutet das nicht, dass ich vierzig Stunden Zeit für Gebet und Muße erhalten muss. Es heißt vielmehr, dass ich irgendwie Zeit für beides finde.­ Und diese Zeit muss ich mir nehmen, sonst verkümmere ich seelisch. Muße hat zwei Aspekte: Spiel und Erholung. Eines der Ziele der heiligen Tage und Feste, von denen die meisten ihren Anfang in den Kirchen und Ordensgemeinschaften nahmen, war es, in der Gesellschaft Vornehmen und Bauern Raum und Zeit für gemeinsame Vergnügungen zu bieten. Das Spiel war ein Geschenk der Kirche­ an die arbeitende Klasse, in einer Zeit, da es noch keine Gewerkschaften gab. Eigentlich hätten wir mehr Möglichkeiten zum Spielen als frühere Generationen. Aber Spiel und Freizeit sind inzwischen selbst eine Art Arbeit geworden. Fußball findet in Clubs und Ligen statt, Jogging hat einen Wettbewerbscharakter, Schwimmen wird als Kurs organisiert und das Tennisspiel endet in Turnieren. Unsere Filme sind hoch­gradig gewalttätig und alle Freizeit­beschäftigungen ­kosten Geld. Früher sah man Tiere umsonst im Hof, heute muss man unbedingt mit den Kindern in den Zoo, wo es Eintritt kostet. Eigentlich sollte Spielzeug vor allem erzieherisch wertvoll sein und kreative Vielfalt erlauben. Spielen ist jedoch heute zu einem großen Geschäft geworden. Die Idee, das Leben in Gemeinschaft und Familie gemeinsam zu feiern, und damit die zu Grunde liegende soziale Bedeutung der Kirchenfeste ist schon lange tot. Der Ausgleich zwischen Arbeit, wirklichem Spiel und Aktivitäten, die dazu dienen, Energie abzubauen und neu zu gewinnen, wird immer seltener. In der Folge verdorren unsere Seelen bei der Arbeit und unser Geist wird ganz taub von Fernseh-Nichtigkeiten. Wir müssen wieder lernen zu spielen, wenn unser geistliches Leben gesund bleiben soll.

Von Muße und Gebet

Aber das Spiel ist nicht der einzige Hinweis auf freie Zeitgestaltung oder persönliches Wachstum. Eigentlich spricht Benedikt überhaupt nicht davon. Die Muße im Sinne der benediktinischen Spiritualität ist heilige Muße, Muße für heilige Dinge, Muße, die das Menschliche menschlicher macht, indem sie das Herz mit einbezieht, den Blick weitet, die Einsicht vertieft und die Seele weitet. Benediktinische Spiritualität will eher denkende Menschen formen statt fromme Leute. Es ist eines, Gebete zu beten, es ist etwas anderes, ein Beter zu sein. Richtig verstandene Muße be­deutet, keine Lemminge zu sein, die der Masse, dem Chef und der Parteipolitik folgen. Heilige Muße stellt die Frage: Was heißt es in dieser ­Situation, dem Evangelium zu folgen, im Hier und Jetzt? Heilige Muße heißt, ich nehme mir Zeit, um mich zurückzuziehen und zu fragen, was geht in den anderen und in mir selber vor? Unsere Schuldirektorin sagte uns oft: „Wie wertvoll eure Arbeit auch sein mag, vergesst nicht, ein leeres Gefäß muss wieder gefüllt werden.“ Maschinen können Berechnungen anstellen und Tiere harte Arbeit leisten. Aber nur wir können dem Ort, an dem wir leben, eine geistliche Qualität geben. Und wir müssen sie zuerst selber besitzen. Und sie muss regelmäßig genährt werden.

Heilige Muße ist, mit anderen Worten, die Grundlage der Kontemplation. Es gibt eine weit verbreitete Meinung, Kontemplation sei die Spezialität derer, die in geschlossenen Gemeinschaften leben. Sie sei unerreichbar für den Rest der Menschheit, die die Hitze des Mittags tragen und inmitten einer wuselnden Menge leben müssen. Wenn dem aber so ist, war Jesus, dem die Menschen nicht nur folgten, sondern der auch ständig von ihnen umgeben war, kein Kontemplativer. Auch Teresa von Avila war keine Kontemplative, ebenso wenig wie Katharina von Siena und Thomas Merton. Auch nicht Mahatma Gandhi. Nein, Kontemplation ist kein Rückzug aus der Menschheit.

Müßiggang oder Kontemplation

Das Problem besteht darin, dass wir im Leben zwischen Absicht und Sinn unterscheiden müssen. Unsere Orientierung an Absichten hat damit zu tun, dass wir von unserer westlichen und hoch industrialisierten Kultur geprägt sind. Eine Absicht hat damit zu tun, dass wir Ziele haben: Wir wissen, was zu tun ist, und wir setzen das auch in die Tat um. Eine Absicht zu haben fällt uns leicht. Absicht ist, heute sieben Briefe zu schreiben, den Boden zu bohnern, diesen Bericht fertigzu­stellen oder diesen Abschluss zu machen. Dagegen hängt der Sinn davon ab, dass ich mich frage, wen kümmert es, wer hat einen Nutzen davon, wen berührt es, wer geht vergessen, wer wird verletzt oder angegriffen sein, wenn ich dieses oder jenes tue. Absicht bestimmt, was ich mit diesem Teil meines Lebens tun will. Bedeutung oder Sinn verlangt zu wissen, warum ich es tue und welche Folgen das für die Welt haben wird. Die wahren Kontemplativen sind jene, die Gottes Willen überall finden und seine Gegenwart überall erspüren. Die wahren Kontemplativen machen keinen Unterschied zwischen politischer und privater Moral. Sie wissen, dass das Leben eines ist. Die wahren Kontemplativen denken nicht in den Kategorien „diese“ und die „nächste“ Welt. Sie wissen, dass das Leben einfach ein laufender Prozess ist, von dem wir im Moment nur einen Teil erkennen. Die wahren Kontemplativen nehmen Tagträume nicht für den Willen Gottes. Sie verbringen ihr Leben nicht damit, zum Himmel zu starren. Eine solche Art von Kontemplation kann ein Deckmantel für bloße Flucht, oder schlimmer noch für Egoismus sein. Müßiggang ist nicht gleichbedeutend mit Kontemplation.

Mit anderen Worten, es gibt keine wahre Kontemplation um ihrer selbst willen. Kontemplation ist die Fähigkeit, unsere Welt so zu sehen, wie Gott sie sieht. Kontemplation ist heiliges Wissen um die Pflicht, mich um die Welt, in der ich lebe, zu sorgen. Kontemplation ist das Bewusstsein, dass Gott in mir und in den Menschen um mich herum ist. Das Wissen um die wahre Fülle des Lebens. Die Kontemplativen lassen nicht zu, dass ein Teilbereich des Lebens ihre ganze Nervenkraft absorbiert oder ihnen die Hoffnung nimmt. Gott ist größer als mein Problem mit der Arbeit, als der ärgerliche Nachbar oder die unselbstständige Verwandte in meiner Familie. Gott ruft mich immer neu über all das hinaus, zu einem guten Leben als Ganzes und zur eigenen Verantwortung für das Leben.

Das ist Erleuchtung. Wenn ich selber das Ganze meiner kleinen Welt bin, ist das Dunkelheit. Wenn meine Schmerzen, meine Erfolge und meine Verpflichtungen meine einzige Sorge sind, so ist das Dunkelheit. Wenn das Leben für mich nur die eigenen Interessen sind, ist das Dunkelheit. Aber wenn ich anfange, das Leben mit den Augen Gottes zu betrachten, hat sich die Erleuchtung eingestellt.

Vom Heiligen Leben

Benediktinische Spiritualität gibt dem Alltag Tiefe und Perspektive. Sie sorgt sich ebenso um die Weise, wie etwas getan wird, wie um die Tat selber: Gäste sollen wie Christus aufgenommen werden (RB 53); Speisen sollen sorgfältig ausgewählt werden (RB 39); der Besitz des Klosters soll mit Ehrfurcht behandelt werden (RB 32); Pilger und Arme sollen besonders aufmerksam umsorgt werden (RB 66) – und das alles um der Liebe Christi willen. Nach der Regel Benedikts ist das Leben nicht in heilige und profane Dimensionen aufgeteilt. Das Leben als Ganzes ist heilig. Das Leben als Ganzes ist geweiht. Das Leben als Ganzes soll in gesalbten Händen gehalten werden. So ruft Benedikt uns alle zur Bewusstheit. Kein Leben darf so beladen sein, dass für Inventur keine Zeit bleibt. Kein Tag darf so mit Geschäften belegt sein, dass das Evangelium nicht dazwischen treten kann. Kein Terminkalender darf so gefüllt sein, dass es keinen Platz gibt für das Nachdenken darüber, ob das, was wir tun, es auch wert ist, getan zu werden. Keine Arbeit darf uns so sehr in Beschlag nehmen, dass nichts anderes Platz hat: weder mein Gatte, noch meine Frau, meine Hobbys, meine Freunde, die Natur, die Lesung, das Gebet. Wie sollen wir den Geist Christi leben, wenn wir uns nicht die Zeit nehmen, uns zu fragen, was dieser Geist Christi damals und heute für mich ist? So sucht Kontemplation nicht die Nicht-Arbeit; ihr geht es um heilige Muße. Kontemplation verlangt Disziplin...

Vom Abend und Morgen

Am Ende eines langen Tages ist es viel einfacher, es sich mit einer Zeitung gemütlich zu machen oder vor dem Fernseher einzunicken, als mit der Bibel zu ringen. Zu Beginn eines gefüllten Tages ist es viel verführerischer, mit dem, was man ohnehin nicht zu Ende bringen wird, früh anzufangen, als in der Kapelle zu sein und das Wort Gottes als Führer für den Tag langsam in sich einsickern zu lassen. Wir alle sagen uns, das Leben sei einfach zu hektisch und das, was wir wirklich bräuchten, sei Freizeit, nicht heilige Muße. Wir sagen, morgen werde alles anders, und tun dann doch nichts. Wir sagen, unser Terminkalender sei überfüllt, die Kinder seien zu laut und die Müdigkeit so groß. Wenn wir aber nichts tun, um das zu ändern, wird unser Terminkalender immer noch voller, der Lärm wird noch weniger nachlassen und die Müdigkeit fährt uns noch mehr in die Knochen. Tatsächlich ist nicht der Leib müde, sondern die Seele. Wir sind so überstimuliert und in einem Maße energielos, dass die alten Dinge immer gleich bleiben. Das Gefühl von Aufgeregtheit, das mit dem Neuen und Frischen kommt, ist weg. Nur Kontemplation, das Anerkennen der Bedeutung des Lebens, kann uns diese Art von Energie ­zurückbringen. Das heißt aber, dass wir uns für die heilige Lesung, für behutsame Erkenntnis und für tiefe Meditation Zeit nehmen müssen. Wie anders können wir verstehen lernen, was eine Beziehung wirklich ist? Wie anders können wir dem Sinnlosen einen Sinn geben? Wie können wir hoffen, das zu beherrschen, was uns beherrscht, wenn wir die Dinge, das Selbst und auch das Gott-Leben nicht an ihren Platz stellen? Die Kerzen im Kloster sagen mir Tag für Tag: Die Zeit vergeht, das Licht nimmt ab, es gibt gewisse Formen der Zweckfreiheit, die ganz wesentlich sind. Dann muss ich eine Wahl treffen. Wofür ist die Zeit da? Wenn sie nur für die Arbeit da ist, was wird dann von mir bleiben, wenn die Arbeit getan ist? Was wird passieren, wenn in mir kein Licht ist, wenn die Dunkelheit kommt? Sie kommt im Leben eines jeden Menschen. Was bringt es, das Leben nutzbringend zu verbringen, wenn ich nicht auch ein sinnvolles Leben führe?

Abba Antonius wusste, was unsere Kultur wieder lernen muss: Spiel und heilige Muße machen die Arbeit möglich und wertvoll.

Aus: Weisheit im Alltag. Benediktinische Lebensbewältigung. © Eos-Verlag, St. Ottilien 2013 (Kapitel 8)

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