Henri Rousseau, Die schlafende Zigeunerin

Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf

Den Text von Heinrich Spaemann können wir aus urheberrechtlichen Gründen an dieser Stelle nicht wiedergeben. Er stammt aus dem wundervollen Buch: Orientierung am Kinde, © Johannes-Verlag, Einsiedeln 1984

Zehn Minuten für den Tagesrückblick

Den liebenden Rückblick auf den Tag halten viele für das zentrale Element der Exerzitien im Alltag. Ein sinnvolles Element eines spirituellen Lebens ist er allemal.

Im Rückblick auf den Tag geht es darum, Gottes Spur im Alltag zu entdecken – als Einübung in den alltäglichen Umgang mit Gott und seinen Spuren im Leben. Hier ist ein bewährtes Modell für den Ablauf eines solchen Rückblicks:

  1. Wahrnehmen, wie es mir jetzt gerade geht.
  2. Mich innerlich auf Gott oder Jesus Christus hin ausrichten, so wie es jetzt möglich ist.
  3. IHN bitten, dass er mir hilft, mich und meinen Tag heute mit offenen Augen und Ohren und wachem Herzen wahrnehmen zu können.
  4. Den Tag entlang zurückschauen und erinnern, was ich heute erlebt habe; darauf achten, was mich jetzt noch bewegt und berührt. Gott schaut liebevoll auf mich und erinnert mich daran, selbst mit Liebe (ohne Wertung und Urteil) zurück zu blicken, wie ich heute mit anderen – mit Gott – mit mir selbst umgegangen bin.
  5. Ich blicke hin, wo ich Ermutigung – Trost – Hoffnung gespürt habe.
    Ich blicke auch da hin, wo ich Misstrauen – Angst – Entmutigungen gespürt habe.
  6. Bitte – Dank – Klage – Lob
    vor Gott bringen, wie im Gespräch mit einem guten Freund, einer guten Freundin, eventuell für ein aktuelles Anliegen beten.
  7. Vorausschauen auf das, was vor mir liegt, um Kraft, Mut und Beistand bitten.

Diese Weise zu beten beruft sich auf die „Geistlichen Übungen“ (Exerzitien) des Ignatius von Loyola (1491–1556). Studenten gegenüber bezeichnet er diese Gebets-Zeit als „wichtigste Zeit“ des Tages. Warum es sinnvoll ist, sich auf diese Übungen einzulassen:

  • anhalten und zur Ruhe kommen
  • sich mit seinem Leben für einige Minuten bewusst auf Gott hin ausrichten
  • deutlicher wahrnehmen, was sich ereignet (hat) – besonders auch die mit dem Geschehenen verbundenen Gefühle wahrnehmen
  • unterscheiden lernen, was dem Leben dient und was es behindert
  • hindurchhören auf das, was Gott sagen will und wohin er ruft
  • in tiefere Beziehung kommen zu sich, zu anderen, zur Welt, zu Gott/zu Jesus Christus.

Von

  • Heinrich Spaemann

    (1903-2001) studierte zunächst Kunstgeschichte, nach dem Tod seiner Frau studierte er Theologie und wurde später zum Priester geweiht. Vater des Religionsphilosophen Robert Spaemann.

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