Maria Kaißling und Rebekka Havemann

Dein Herz muss Ja sagen

Stabwechsel beim Brennpunkt Seelsorge nach 40 Jahren

Maria Kaissling und Rebekka Havemann im Gespräch

RH: Maria, du hast fast 40 Jahre den „Brennpunkt Seelsorge“ (BPS) verantwortet. Liest du ihn ­eigentlich jetzt noch?

MK: Warum nicht? Ich lese ihn voller Neugier. Ich will doch wissen, in welcher Form und Sprache die nächste Generation den BPS-Auftrag ausführt.

RH: Ist es dir schwergefallen, die Zeitschrift nach 40 Jahren loszulassen?

MK: Damit hatte ich eigentlich gerechnet; der BPS war doch wie „mein Kind“. Aber in Wirklichkeit war das Abgeben in deine Verantwortung gar nicht so schwierig. Ich hatte die innere Gewissheit, dass ich noch ein Heft über „Freude“ machen will und dass dann meine Zeit zum Ende gekommen ist.

RH: Ich finde es schwierig, eine „Nachfolgerin“ zu sein im Gegensatz zu einer „Pionierin“. Denn ich will es nicht einfach genauso machen, und doch hatte es sich ja bewährt. Dieses andere, Neue, gibt es noch nicht. Ich muss tastend suchen, was „Brot“ für unsere Generation sein kann. Warum hast du dich eigentlich noch nie angeboten, mir bei der Entstehung eines neuen Heftes zu helfen?

MK: Weil ich mich nicht einmischen wollte. In der „Grammatik“ unserer Gemeinschaft steht, dass jemand, der ein Leitungsamt abgibt, für einige Zeit weggehen sollte, um dem Nachfolger Freiraum zu ermöglichen. Ich bin aus unterschiedlichen Gründen eher innerlich weggegangen und habe so den Abstand gesucht. Aber du darfst mich gern fragen, ob ich mal Korrektur lese.

RH: Das mache ich. Es war mir wichtig, für diese verantwortungsvolle Aufgabe autorisiert und ­gesegnet zu werden, bevor ich sie antrete. Ich hätte mir gewünscht, dass du mich segnest, aber du wolltest das nicht. Warum?

MK: Weil du einige Zeit davor, als die Anfrage an dich kam, den BPS zu übernehmen, spontan gesagt hattest: „Meint ihr, ich soll einfach machen, was Maria gemacht hat? Dazu habe ich keine Lust.“ Da schoss mir durch Kopf und Herz: Dies ist eine Berufung, du wirst diese Aufgabe von Christus annehmen müssen, nicht von mir.

RH: Ja, es stimmt, dass ich so geredet habe. Am Anfang war ich voller Abwehr.

MK: Ich spürte, dass dein Herz Ja sagen muss und du nicht einfach nur aus Vernunftgründen versuchst, eine Lücke zu schließen.

RH: Na ja, es gab nicht viele Alternativen. Mich hat abgeschreckt, dass du diese Arbeit so lange verantwortet hast. Das erschien mir eine sehr schwere Last, von der ich nicht sicher war, ob ich sie tragen wollte. Ich hatte von der Salzkorn-Redaktionsarbeit „verbrannte Flügel“ und dachte, ich würde nie wieder etwas schreiben. Zudem fand ich die Aufmachung des BPS nicht sehr zeitgemäß.

MK: Mir war in all den Jahren wichtig, dass der BPS Nahrung für die Leser ist.

RH: Ja, das ist inzwischen auch mein Bild und mein Gebet, dass er Brot ist, das Jesus segnet und vermehrt und wir dürfen es austeilen. Aber schön darf er ja trotzdem sein.

MK: Wie kam es denn zu deinem Sinneswandel?

RH: Eigentlich war es vor allem ein Gehorsamsschritt. Ich spürte, dass Gott mich fragt, ob ich die Verantwortung für das Heft übernehmen will, nicht du oder die OJC-Leitung. Und das Verrückte war, dass auf einmal, als ich mit Zittern und Zagen mein Ja gegeben hatte, eine Freude da war, die von ganz tief unten kam und die ich immer noch spüre, jedes Mal wenn ich mit dem BPS beschäftigt bin.

MK: Und was war mit deinem Entschluss, nie wieder zu schreiben?

RH: Gott hat mir in diesem Punkt viel Heilung geschenkt, aber erst im Gehorchen und Tun, nicht vorher. Jetzt bin ich immer wieder fast ehrfürchtig dankbar für das Privileg, mit meinen Gaben mittun zu dürfen an Gottes Werk. Denn es ist sein Heft, nicht meines. Was mein Herz endgültig gewonnen hat, waren die vielen, vielen Antworten, die wir auf die Leserumfrage hin bekommen haben. Es hat mich sehr berührt zu lesen, wie verbunden viele Menschen mit dem BPS sind, was er ihnen bedeutet. Aber das andere ist natürlich auch wahr, ich fühle mich in seelsorgerlichen Dingen noch nicht genügend ausgebildet und mir fehlt deine langjährige Erfahrung.

MK: Das ging mir doch auch nicht anders, als ich vor 40 Jahren dazu kam. An der Stelle bin ich ein Charismatiker: Immer, wenn das Thema des nächsten Heftes feststand, habe ich gebetet und gewartet, wie Gott mich führt. Das war ein Abenteuer und eine Entdeckungsreise, die mir Spaß gemacht und meinen Horizont im Laufe der Jahre sehr geweitet hat.

RH: Dann bin ich wohl auch ein Charismatiker, denn so mache ich es auch. Und ich erfahre, dass Gott tatsächlich führt. Er hat ein großes Interesse daran, dass jedes Heft „Schwarzbrot“ wird. Besondere Freude macht es mir, neben den neuen Texten alte Glaubenshelden wie Roland de Pury oder Joseph Overath für das letzte Heft auszugraben. Das sind echte „Juwelen“, die ich den Lesern zugänglich machen will. Es ist wirklich jedes Mal ein Abenteuer. Das Gute daran ist: Es wird nicht langweilig.

Das aktuelle Heft des Brennpunkt Seelsorge (erscheint zweimal jährlich) heißt: Eng – enger – Ängste. Schauen auf das, was in die Weite führt. Sie können es bei unserem Versand kostenlos bestellen.

Von

  • Maria Kaißling

    Religionspädagogin. Sie lebt in der OJC-Auspflanzung in Greifswald und ist vorwiegend als Seelsorgerin tätig.

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  • Rebekka Havemann

    Krankenschwester, lebt seit 1999 in der OJC. Seit Sommer 2014 verstärkt sie das Team vom Haus der Hoffnung in Greifswald. Seit 2016 gibt sie die Zeitschrift Brennpunkt Seelsorge heraus.

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