Mein Mann darf bleiben

... wie er ist

Wir preisen dich, Gott, der du Frau und Mann zur Liebe füreinander geschaffen. Erwecke uns, Schöpfer der Liebe, stets wieder neu zur Lust und zur Treue. (Kurt Marti)

Was im Großen gelingen soll, braucht auch die Bewährung im Kleinen. In den persönlichen ­Beziehungen zu Freunden, Eltern und Geschwistern, und in besonderer Weise in der Ehe. Nirgendwo sonst korrespondieren und kollidieren die Temperamente, Eigenheiten und Biographien zweier Individuen so eng und unausweichlich wie hier. In dieser kleinstmöglichen Gemeinschaft sind Mann und Frau herausgefordert, das Gebot und die Verheißung des Erlasses im großen Horizont der Völker und Nationen herunterzubrechen in die kleine Münze der Spannungen des ehelichen Alltags.

Die Art und Weise, die persön­liche Sprache dieses immer neuen Erlassens und Loslassens, ist jedem Ehepaar eigen. In jedem Fall aber erfordert der Erlass in der Ehe eine aktive Entscheidung!

Einige O-Töne aus der OJC-Gemeinschaft möchten Anregung sein, über die Chance eines möglichen oder nötigen Erlasses in der eigenen Ehe nachzu­denken!

Meine Frau rauchte. Und das, obwohl ich ihr ständig in den Ohren lag, doch endlich damit aufzuhören. Wir hatten schließlich Kinder! Und wir waren Christen! Wir wollten doch Vorbilder sein! Jede Zigarette hat mich aufgeregt und ich habe viel mit ihr darüber gestritten. Auch mein Gebet, Gott möge sie doch einsichtig machen, verhallte ohne Wirkung. Gott änderte nicht meine Frau, sondern mich. Eines Tages fiel mir beim Beten der Satz ein: „Du sollst deine Frau lieben und nicht erziehen.“ Sollte ich einfach gar nichts mehr sagen? Ich entschloss mich, dem Impuls zu folgen und von da an keine Zigarette mehr zu kommentieren und es ihre Sache sein zu lassen. So übte ich nach und nach, meine Frau aus meinen Forderungen und Vorstellungen, wie sie zu sein hat, zu entlassen. Allmählich entstand eine innere Freiheit, sie so zu lieben und anzunehmen wie sie war …

Erlass in der Ehe bedeutet für mich, all die anderen 77 Mal (oder 770 Mal in 28 Jahren Ehe?) in denen mein Mann einen wichtigen Termin von mir vergessen hatte und mir das Auto verspätet brachte, zu „erlassen“.  Wenn nämlich alle diese anderen vergangenen Situationen plötzlich und ungerufen wie ein triumphierender ungebetener Gast in meine Erinnerung treten, während ich leisen Ärger in mir verspüre über die jetzige kleine Verspätung – dann brauche ich die Entscheidung zum ERLASS: All die anderen Male gehören nicht hier her, die habe ich ihm bereits lange vorher bei seiner reuevollen Entschuldigung verziehen. Er und ich sind frei davon und ich jage die unheilstiftenden Pseudo-Schuldner in meinen Gedanken wieder davon.

Loslassen musste ich immer wieder
... meinen Ärger und die Enttäuschung, wenn ich mal über einige Tage verreist war und für meine Familie vorgekocht (und das auch meinem Mann genau erklärt) hatte – beim Zurückkommen aber feststellen musste, dass die Vorräte im Kühlschrank unberührt waren und sie sich mit Döner und Fertigpizza durchgefuttert hatten. Ich hatte immer gehofft, sie nutzen mein Angebot und freuen und bedanken sich noch und musste lernen, dass mein Mann das ganz anders machte und auch meine Vorsorge eher lästig fand.
...  die Vorstellung, mein Mann müsste mich unaufgefordert immer wieder fragen, wie es mir geht und was ich mir von ihm wünsche, vor allem wenn er merkt, dass es mir nicht so gut geht.
...  meine Hoffnung, im Laufe unserer Ehe schlanker zu werden (und mich so meinem Mann anzupassen). Stattdessen wurde mein Mann kräftiger – und findet das gar nicht schlimm!

  • den anderen überraschen mit einem Liebeserweis
  • für einen Moment aus mir herausgehen und meine Grenzen überschreiten
  •  etwas Mutiges für den anderen tun, etwas riskieren
  • mich nicht festlegen auf mein „So-bin-ich-halt“, sondern mich frei für die Liebe entscheiden
  • keine Bedingungen (mehr) stellen
  • Lieben um jeden Preis, egal was es mich kostet
  •  glauben, dass es geht: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen!
  • mich selber nicht zu ernst nehmen

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