Verleihung des ojcos-stiftungspreises 2017 an Birgit Kelle, links, daneben Konstantin Mascher und Laudatorin Daniela Mascher

Radikaler feministisch

Für echte Wahlfreiheit der Frau
Laudatio für Birgit Kelle

Liebe Freunde,

als vierfache Mutter mit Universitätsdiplom stehe ich hier und kann nur sagen: Birgit Kelle hat den ojcos-Stiftungspreis verdient!

Sie setzt sich mit Nachdruck dafür ein, den verschiedenen Lebensentwürfen von Frauen und ihren Familien Respekt entgegenzubringen. Es verwundert, dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung gerne als rückwärtsgewandt dargestellt wird: Sie sei nur eine Anwältin der Vollbluthausfrauen, denen jegliche Fremdbetreuung ein Gräuel sei.  Dabei ist Frau Kelles Anliegen in erster Linie ein liberales: keine Bevormundung der Frauen von Seiten des Staates, sondern Selbstbestimmung!

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass jede Familie für sich entscheidet, wer wie lange erwerbstätig sein möchte bzw. wer sich wann und wieviel um die Kinder kümmert. Das entspricht auch unserer freiheitlichen und individuell ­orientierten Gesellschaft! Doch wie sieht das in der Realität aus?

Eine aktuelle und repräsentative Studie der Zeitschrift „Eltern“ befragte Familien zu deren Erfahrungen im Spannungsfeld von Beruf und Familie. Demnach sind 86 % (!) der Befragten der Meinung, Familien müssten sich heute eher dem Arbeitsmarkt anpassen als umgekehrt. 84 % sagen, es werde von ihnen erwartet, ihr Kind möglichst früh in eine Kindertagesstätte zu geben. Und 60 %­ fühlen sich nicht frei in ihrer Entscheidung, ob sie trotz Kind wieder in Vollzeit arbeiten möchten.

Ist dies das Ergebnis der viel gepriesenen Vereinbarkeit von Familie und Beruf??

Nein, dies ist der Triumph der Arbeitswelt über die Familie! Frau Kelle spricht mir aus dem Herzen, wenn sie die Regierenden dazu auffordert, endlich wieder Politik für Familien zu machen, und nicht an ihnen vorbei.

Wenige Monate nach Abschluss meines Physikstudiums kam unsere erste Tochter zur Welt. Ich beschloss, der Betreuung meines Kindes bis zum Alter von drei Jahren Priorität einzuräumen, und arbeitete freiberuflich stundenweise weiter, bis unser erster Sohn zur Welt kam. Ab dann war ich einige Jahre lang vollberuflich Familienfrau, mit inzwischen vier Kindern. Heute engagiere ich mich zunehmend in verschiedenen Projekten auch außerhalb der Familie. Ich hätte alternativ auch die Möglichkeit gehabt, die Leitung einer physikalischen Dokumentationsabteilung zu übernehmen. Und man könnte mit diesem Studium auch noch ganz andere Ziele verwirklichen – z. B. in die Politik gehen, wie Frau Merkel das getan hat ... Das nennt man die WahlFREIHEIT der Frau, und für diese setzt Birgit Kelle sich ein, mit frecher Feder, authentischer Ausstrahlung, und mit großer Diskussionsfreude. Wir freuen uns an ihren klugen, erfrischenden Beiträgen in verschiedenen Print- und Onlinemedien, in Rundfunk und Fernsehen. Sie schreckt auch vor keiner Talkshow zurück! Wir hatten als Familie bisher immer unser Auskommen, ich sah mich daher nicht gezwungen, außerhalb der Familie arbeiten zu gehen. Heute weiß ich, dass dies ein Privileg ist. Ich kenne einige Frauen, die allein aus finanziellen Gründen ihre Kleinkinder in die Krippe gegeben haben! Auch und gerade wenn es ums Geld geht, bleibt Frau Kelle hartnäckig: Warum bestraft die Politik ausgerechnet die, die ihre Kinder noch selber erziehen wollen? Ganz abgesehen von der ausfallenden Rente! Familien brauchen keine Sozialleistungen, sondern Gerechtigkeit!

Ich bin dankbar, dass Birgit Kelle für Frauen, Ehe und Familie die Stimme erhebt! Sie erhebt sie für Freiheit und Selbstbestimmung, für das Wohl der Kinder UND der Familien. Sie erhebt ihre Stimme für einen echten Feminismus, der nicht auf halbem Weg stecken bleibt. Für einen Feminismus, der das spezifisch Weibliche, die Fähigkeit zur Mutterschaft, angemessen würdigt.

Herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung, Frau Kelle!

Die ojcos-stiftung hat den ojcos-Stiftungspreis für beson­dere Verdienste im Bereich der Förderung von christlichen Werten, Ehe und Familie, interkulturellem Lernen und Völkerverständigung in diesem Jahr an BIRGIT KELLE verliehen. Damit würdigte sie das Engagement der Publizis­tin für die Belange von Frauen und Familie. Mit ihrem vielfältigen Einsatz setzt Birgit Kelle ein markantes Zeichen für eine Politik, die anerkennt, dass die geleistete Arbeit in der Familie einen signifikanten Mehrwert in volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht darstellt. Mit der Auszeichnung ist die Hoffnung verbunden, dass dieser Einsatz und ihr ausdrückliches JA zu Ehe und Familie den Diskurs in der Öffentlichkeit beleben und sich mediale ­Berichterstattung und Politik nicht allein zunehmend am Wohl des Kindes orientieren, sondern auch die erbrachte­ erzieherische Leistung der Familie eine umfassendere ­Anerkennung findet.

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