Politik mit anderen Mitteln
Einladung zur Fürbitte
Von Jeppe Rasmussen
Wie der Glaube, so auch das Gebet: es beginnt stets persönlich, bleibt aber niemals privat. Unser Mittagsgebet, zu dem wir uns werktäglich um 12 Uhr versammeln, nimmt uns zwar für eine halbe Stunde aus der Geschäftigkeit, um uns neu auf Gott auszurichten. Zugleich jedoch hebt es uns in jenen weltumspannenden Horizont, in den wir als offensive Christen zu verantwortlichem Handeln und Anteil nehmendem Engagement gerufen sind. Betend befassen wir uns mit persönlichen und gemeinschaftlichen Anliegen, lassen aber unser Hoffen und Bangen, unseren Dank und unsere Bitte von den Anliegen des politischen, kirchlichen und ökonomischen Lebens durchweben.
Im freien Teil des Mittagsgebets sind unsere Worte – selbstredend – nicht festgelegt, doch wir räumen dem Einstehen vor Gott für Menschen in kirchlichen Ämtern, für Entscheidungsträger in der Politik, für Medienschaffende und für Freunde, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, einen festen Platz ein. Ebenso unseren Projektpartnern in der Zweidrittel-Welt und für befreundeten Kommunitäten.
Wesentlich ist, dass wir immer für Menschen beten, nie gegen sie. Wir bitten, dass Verantwortliche ihren Dienst im Geist der Menschenrechte und gemäß einer Ethik leiten lassen, die in der Bibel, insbesondere in der Bergpredigt, entfaltet ist. Auch ihre Ehen und Familien befehlen wir dem Schutz und Segen Gottes an.
So ist unser Ora zugleich Labora. Und diese Gebetsarbeit ist ausgespannt zwischen dem Appell, uns dieser Welt nicht gleichzustellen und dem Aufruf, der Stadt Bestes zu suchen. Denn Gott hat uns als soziale Wesen in eine Gemeinschaft gestellt, für deren Wohlergehen wir mitverantwortlich sind. So verstanden wird Fürbitte tatsächlich „Teilnahme an der Weltregierung Gottes“ (A. Tholuck) und das Gebet zur Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.
Liturgie des Mittagsgebets
Einer: Wir beten im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Alle: Amen.
Eingangsliturgie
Einer: Herr, unser Schöpfer, auf der Höhe des Tages kommen wir zu dir. Wir gehören nicht der Arbeit, nicht den Menschen, und nicht uns selbst – wir gehören dir!
Alle: Unsere Zeit steht in deinen Händen!
Einer: Jesus Christus, unser Erlöser, du bist Anfang, Mitte und Ziel der Geschichte. In deinem Namen bitten wir für deine Kirche, deine Welt und deine Menschen.
Alle: Herr, erhöre uns mit deiner treuen Hilfe!
Einer: Heiliger Geist, unser Beistand, der du Frieden stiftest in uns und zwischen uns. Richte unsere Gedanken auf dich und erfülle unsere Gebete mit deiner Kraft.
Alle: Komm, du Geist der Wahrheit!
Einer: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,Alle: wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.
Lied - Wochenlied oder ein Lied, das zum Wochenthema passt.
Lesung - Wochenpsalm oder gemeinsame Psalmlesung aus dem Gesangbuch
Stille
Freies Gebet - eingerahmt von einer Antiphon (kurzer Liedvers, z.B. aus den Taizé-Liedern)
Gebetsthemen
Montag – für Frieden und Gerechtigkeit, Politiker u. Journalisten, Israel, verfolgte Christen
Dienstag – für Ehen und Familien, Ledige, Kinder, für alle, die mit heimatlosen Kindern arbeiten
Mittwoch – für die Allernächsten, Freunde und Patenkinder
Donnerstag – für die Kirche Christi weltweit und vor Ort, für Kommunitäten und Gemeinschaften
Freitag – Wir danken für den erfahrenen Segen der Woche und loben unseren treuen Gott
Vaterunser
Segen
Einer: Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Alle: Amen.
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Erschienen in:
Salzkorn 4/2010: Beten. Scharfstellen auf Gott, Politik mit anderen Mitteln. Einladung zur Fürbitte, S. 208-209.
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