Herausforderung Islam
Das Institut für Islamfragen (IfI): Auftrag – Arbeit – Ziele
Das Institut für Islamfragen (IfI) der Deutschen Evangelischen Allianz in Wetzlar untersucht und informiert über den Islam in der heutigen Zeit. Mit der OJC-Weihnachtsaktion 2004 unterstützen wir die wichtige Informations- und Aufklärungsarbeit des IfI.
Prof. Dr. Christine Schirrmacher ist seit 1999 wissenschaftliche Leiterin des Instituts.
Daß der Islam zu einer gewaltigen Herausfor-derung für Kirche, Gesellschaft und Staat geworden ist, bedarf heute keiner näheren Begründung mehr.
Etwa 3,2 Mio. Muslime leben in Deutschland, in ganz Europa sind es rund 20 Mio. Menschen. Aus dem westlichen, vorwiegend säkularen Blickwinkel wurde lange Zeit angenommen, daß die muslimische Minderheit sich mit der Zeit gesellschaftlich anpassen und rasch sprachlich integrieren würde. Das Gegenteil ist jedoch eingetreten; noch immer beginnen viele arabische und türkische Kinder ihre Schullaufbahn ohne oder mit sehr geringen Deutschkenntnissen. Schlechte Bildungs- und Berufschancen sind die Folge, die die Zukunft der zweiten und dritten Generation der Migranten teilweise düster erscheinen lassen.
Zudem ist es ganz allgemein in den letzten beiden Jahrzehnten vermehrt zu einer Neubesinnung auf den Islam gekommen, verbunden mit einer kulturellen Rückorientierung auf die Werte der muslimisch-nahöstlichen Kultur. Mit dem Empfinden, von der deutschen Gesellschaft zurückgewiesen worden zu sein und sich weder hier noch dort zu Hause zu fühlen, ist für viele Muslime wieder der Islam zum Identifikationsmuster und zu ihrer ersten Identität geworden.
Mehr Muslime als vor 20 Jahren vertreten die Auffassung, daß der Islam die einzige Alternative für die entkirchlichte („gottlose“) deutsche Gesellschaft sei. Bei politisch aktiven Gruppierungen (Islamisten) verbindet sich diese religiöse Überzeugung mit der engagierten Werbung für den Islam, mit dem Einsatz für die Durchsetzung vermehrter Rechte in der pluralistischen Gesellschaft, die z. T. öffentlichkeitswirksam gefordert, teils bei obersten Gerichten eingeklagt werden (Schächtungsurteil, Gebetsruf per Lautsprecher, Kopftuchurteil u. a.).
Für Extremisten ist auch der kämpferische Einsatz für den Islam nicht ausgeschlossen. Islamisten sind weder „mittelalterlich“ noch gegen Technik und Fortschritt eingestellt. Im Gegenteil; gut ausgebildete Muslime der zweiten und dritten Generation suchen einflußreiche Positionen in Wissenschaft und Gesellschaft, um der westlichen Gesellschaft den Islam als „Alternative“ zu präsentieren.
Gespräch braucht das Wissen
Obwohl die Zahl der Muslime in Deutschland und Europa steigt und die Werbung sowie die Öffentlichkeitsarbeit der muslimischen Organisationen zunimmt, ist der Kenntnisstand über den Islam insgesamt noch immer recht gering, insbesondere, wenn es um konkrete Fragen wie das islamische Eherecht oder Strafrecht geht, das Verhältnis des Islam zur Demokratie oder das islamische Verständnis der Menschenrechte.
Ohne umfassendes Wissen über den Islam wird jedoch nicht nur das dringend notwendige fundierte theologische Gespräch zwischen Christen und Muslimen schwierig. Es wird auch kaum möglich sein, fordernden politisch aktiven Gruppierungen angemessene Grenzen zu setzen, die einerseits das staatlich garantierte Recht der Religionsfreiheit auch für Muslime nicht einschränken, andererseits jedoch eine Trennlinie zwischen Politik und Religion ziehen.
Eine nüchterne Bestandsaufnahme
Bei Gründung des „Islaminstituts“ der Deutschen Evangelischen Allianz im Jahr 1999 stand deshalb der Gedanke im Vordergrund, auch aus christlicher Perspektive einen Beitrag zu dieser gesellschaftspolitischen Debatte zu leisten. Daher steht zunächst eine sachlich-wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Islam im Vordergrund – eine nüchterne Bestandsaufnahme dessen, wie der Islam sich selbst darstellt und versteht – sodann aber auch ein Vergleich zu christlichen Werten und biblischen Positionen.
Um die Dinge aufzugreifen, die in Deutschland und weltweit in Bezug auf den Islam diskutiert werden, setzt sich jede Nummer unserer Zeitschrift mit einer konkreten Frage auseinander:
- Sind Selbstmordattentate vom Islam her zu rechtfertigen?
- Betreibt der Islam Mission? Auf welche Weise geschieht sie im Westen?
- Wie ist das Verhältnis der großen muslimischen Dachorganisationen zum deutschen Staat?
- Wie sehen Muslime Christen?
Dazu wird die Sicht des Korans und der islamischen Überlieferung ebenso präsentiert wie Äußerungen zeitgenössischer Theologen. Textauszüge aus islamischen Rechtsgutachten und arabischen Internetseiten geben Einblicke in unterschiedliche muslimische Sichtweisen.
Aufgaben und Ziele
Wir betrachten es als unseren Auftrag als Christen, uns über die gegenwärtigen Entwicklungen zu informieren und gleichzeitig die der Gesellschaft von muslimischer Seite zugemutete Neuerörterung des Themas „Gott“ und „Religion“ zu nutzen, um christliche Werte und Anschauungen neu zur Sprache zu bringen. Als „Institut“ möchten wir dabei auch Ansprechpartner für säkulare Institutionen sein.
Die Arbeit des IfI konzentriert sich auf drei Bereiche:
- Herausgabe einer Zeitschrift
- Unterhalt einer Webseite
- Vorträge und Seminare
1. Die zweimal jährlich erscheinende deutsch-englische Zeitschrift („Islam und Christlicher Glaube“) beschäftigt sich mit dem Islam als religiöses und gesellschaftliches System.
Es greift sowohl aktuelle Themen auf – z. B. „Islamischer Religionsunterricht“, „Muslimische Selbstmordattentate“, die „Charta des Zentralrates der Muslime in Deutschland“ u. ä. – aber auch grundsätzliche Glaubensfragen des Islam – z. B. „Wie Muslime Christen sehen“, „Frauen im Islam“, „Die Scharia“.
2. Die deutsch-englische Internet Website
www.islaminstitut.de bietet in zahlreichen Artikeln Informationen über den Islam, „Aktuelle Meldungen“ aus Deutschland, aus türkischen und arabischen Medien übersetzt sowie „Rechtsgutachten“ muslimischer Gelehrter und Autoritäten.
3. Die zahlreichen Anfragen für Vorträge und Seminare zum Thema Islam bringen das „Islaminstitut“ an die Grenzen der Möglichkeiten seiner ehrenamtlichen Mitarbeiter.
Anfragen aus dem kirchlichen bzw. gemeindlichen Bereich werden ergänzt von Bitten um Information von säkularen Einrichtungen. Die Palette reicht von Erwachsenenbildungswerken zu Schauspielhäusern, von Lehrerfortbildungen, politischen Stiftungen, Bundeswehr, BGS, Polizei zu Menschenrechtsorganisationen, Schulen und natürlich den Medien mit TV- und Hörfunksendungen und Interviews.
Im täglichen email-Verkehr erreichen uns Anfragen von Gerichten, die anläßlich einer Scheidung über die Verteilung des Brautschmucks der Ehefrau nach islamischem Eherecht entscheiden müssen.
Eltern, deren Kind eine Ehe mit einem muslimischen Partner eingehen möchte, fragen ebenso an wie Muslime, die Fragen zum Islam und nicht selten auch zum christlichen Glauben stellen.
Wir möchten uns daher mit dem „Islaminstitut“ zum einen als Christen in die gesellschaftspolitische Debatte zum Thema Islam einmischen und dabei als kompetente, sachkundige Gesprächspartner den Islam ebenso kritisch hinterfragen wie die Alternative des christlichen Glaubens aufzeigen. Um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, brauchen wir Ihr Gebet und Ihre Unterstützung.
Prof. Dr. Christine Schirrmacher
Islamwissenschaftlerin mit Lehrverpflichtungen an Hochschulen in Bonn, Gießen, Hamburg und verschiedenen Universitäten in den USA. Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Missionswissenschaft und im Arbeitskreis für evangelikale Mission (AfeM). Forschungsschwerpunkte: Geschichte der christlich-islamischen Kontroversen, Islamisches Recht (Scharia), Frau und Familie im islamischen Alltag, Menschenrechte im Islam, Schiitischer Islam, Islam in Deutschland, islamischer Fundamentalismus
Erschienen in:
Salzkorn 1/2005 „Miteinander, Nebeneinander, Gegeneinander? Muslime unter uns. Eine Bestandaufnahme”, S. 44 - 47
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