Facetten der Nachfolge
Glaube bewahren und erneuern
Ein kleiner ökumenischer Katechismus
Die Heilsgrundlage
Wir sind erlöst
wozu: zur Nachfolge, zu guten Werken, zum Weg der Heiligung. Der Christenmensch ist gerufen, seinen Charakter in diesem Sinne zu bilden und sein Leben zu heiligen.
wovon: von der Macht der Sünde, der er ohnmächtig ausgeliefert ist. Der Christenmensch ist gewiss, dass Gottes Gnade stärker ist als sein Unvermögen. Im Vertrauen auf den Abba-Vater überlässt er sich der Verwandlung durch den Heiligen Geist.
Das Gottesreich
Wir sind mitten drin!
In diesen Ewigkeitshorizont fügt sich das Leben des Einzelnen ein. Unser Hier und Jetzt bekommt einen Sinn, weil es Anteil hat an dem großen Ganzen der Heilsgeschichte. Dazu gehört die Wolke der Zeugen als Gemeinschaft der Glaubenden durch alle Zeiten. In der tradierten Lehre sind die Glaubensfundamente für alle gültig formuliert. Die Liturgie bewahrt als Gefäß den gemeinsamen Glauben.
Ist mitten unter uns!
Im Leben und Bekennen des Einzelnen, im Hier und Jetzt wird das Gottesreich präsent. Der Kairos Gottes, der rechte Augenblick, ist das Zeitmaß des Heils. Authentisch wird der Glaube, der sich jedem persönlich erschließt. In der Verkündigung wird die ewige Botschaft des Evangeliums aktuell. Das ermöglicht stete Umkehr und Neuausrichtung.
Die Kirche
Wir brauchen Demut, damit sich jeder in den Leib Christi einfügen kann. Die evangelischen Räte der Armut, Keuschheit und des Gehorsams ermutigen zum Verzicht auf Eigenes um des höheren, gemeinsamen Gutes willen. Von Christus, dem Haupt her wird Verantwortung und Leitung delegiert. Der Hirtenstab ist das zentrale Symbol des petrinischen Auftrags: „Weide meine Lämmer“. Die Schlüsselgewalt ist Befugnis „zu lösen und zu binden“. Die klare Leitungsstruktur hilft, die Einheit zu wahren und den Einzelnen zu integrieren. Die Klarheit der Hierarchie fördert die Eindeutigkeit und beugt der Willkür vor.
Wir brauchen Freimut, damit sich jeder mündig einbringen kann. Die Freiheit eines Christenmenschen macht ihn zum mündigen Glied der Gemeinschaft und ordnet ihn ohne Mittler Christus zu. Das Schwert des Wortes zu führen, ist der paulinische Auftrag: „Kämpfe den gerechten Kampf des Glaubens.“ Die Hierarchie ist denkbar kurz - das macht die Formation wendig. Die Dezentralisierung der Macht fördert die Selbstverantwortung und beugt dem Missbrauch vor.
Das Priestertum
Im apostolischen Priestertum wird der priesterliche Dienst von allem Profanen abgesondert. Das Priesterliche geht nicht im Weltlichen auf. Durch das Priestertum strahlt die Kraft Gottes erkennbar und wirkmächtig in die Welt hinein.
Im allgemeinen Priestertum durchdringt die Vollmacht der Getauften alle Bereiche des Lebens. Durch das Priestertum aller Gläubigen strahlt die Wirklichkeit Gottes aus der erlösten Welt heraus.
Die Sakramente
fächern sich auf über die wesentlichen Bereiche des frommen Lebens und verdeutlichen das Handeln Jesu an seiner Gemeinde: Taufe, Ehe, Priester- und Bischofsweihe, Beichte, Krankensalbung und Eucharistie.
konzentrieren sich auf die von Jesus gestifteten Akte, die über das irdische Dasein hinaus auf unser ewiges Heil hinweisen: die Zugehörigkeit zu ihm in der Taufe und zum ewigen Vaterhaus im Abendmahl.
Die Feier des Glaubens
mit allen Sinnen: In der Pracht der Liturgie, der Gewänder, der Bauten, in der Bildlichkeit der Darstellung und der Sinnlichkeit von Weihrauch und Chrisam wird das Heilige anschaulich. Das Schauen von Gottes Herrlichkeit ist für die Gemeinde Angeld der Ewigkeit.
mit Herz und Mund: Die Kargheit des Gottesdienstes leitet zur Konzentration auf das Wort Gottes. Der Gesang der Gemeinde, die Choräle, die Kirchenmusik, die Poesie und Vollmacht der Verkündigung verleiht der Anbetung des Allerhöchsten Gestalt. Im Hören auf die Weisung ergreifen wir das Heil - und werden von ihm ergriffen.
Erschienen in
Salzkorn 1/2012, Es ist eingelassen. Luther, Eck und ihre Erben. Themenheft: Ökumene, S. 32-35.
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