Der Mann, der Bäume pflanzte

Der Mann, der Bäume pflanzte - eine Rezension
Der Mann, der Bäume pflanzte - eine Rezension

Filmempfehlung von Felix


Am Anfang war die Erde wüst und leer. Ein rauer Wind fegte über das trockene Land, dessen Bäche schon lange kein Wasser mehr führten. In solch einer Einöde fand der Hirte Elzéard Bouffier seine Berufung.


Die Kurzgeschichte des Franzosen Jean Giono Der Mann, der Bäume pflanzte (1953) lädt ein zum Träumen und Nachdenken. In einem 30-minütigen Animationsfilm illustrierte der Kanadier Frédérik Back diese in märchenhafter Atmosphäre, mit liebevollen Bleistiftzeichnungen und fließenden Bildübergängen.


Wer einen Wald erschaffen will, muss mit dem Pflanzen von Bäumen beginnen. Auf trockenem Boden Bäume pflanzen – das ­erscheint recht sinnlos, wird aber, wenn man etwas tiefer gräbt, eine Leben schaffende Maßnahme: Unter der ausgetrockneten Oberfläche, die der Hirte durchbricht, um die Eichel hineinzustecken, ist feuchte, fruchtbare Erde, die die Eichel nährt. Sobald diese wächst, durchbricht sie die trockene Kruste und sprießt dem Hirten und dem Licht entgegen. So wächst langsam ein Wald. Ein Wald, der den trockenen Boden fruchtbar macht, der die Bäche wieder Wasser führen lässt und die Steppe ringsum verwandelt. Saftige Bäume statt dürrer Gräser, ein mildes Lüftchen statt rauem Wind, Leben statt Tod. Die Erzählung und ihre Verfilmung motivieren den Visionär in uns. Wer einen Wald erschaffen will, muss mit dem Pflanzen von Bäumen beginnen, beharrlich dabei bleiben und nie aufgeben. Nach 30 Jahren unablässiger Arbeit werden aus 100 gepflanzten Eicheln pro Tag 100.000 große ­Eichen – aber nur, wenn man nicht den 900.000 Eicheln nachtrauert, aus denen keine Bäume ­gewachsen sind. Kommt Zeit, kommt Wald.


Wenn ein einzelner Mann imstande ist, 3000 Hektar Wald zu pflanzen, dann begreift man, „dass der Mensch soviel zu schaffen vermag wie Gott, wenn nur sein Ziel nicht auf Zerstörung gerichtet ist“. Und wenn er nicht jedes Jahr 20 Millionen Hektar Regenwald abholzen und zu Steppe verkommen lassen würde. So stellt mir diese Geschichte die unbequeme Frage: Bebaue ich die Erde, die Gott mir ­geschenkt hat – oder beute ich sie aus?


Frédérik Back: Der Mann, der Bäume pflanzte (30 Min), Oscar-Gewinner 1988.

Zu sehen auf: bit.ly/pflanz

Erschienen in:

Salzkorn 2/2011 „Himmel grüßt Erde. Der Garten, die Vernunft und die Kreatur“, S. 61.

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