Wie kommt's, dass sich Gott um mich kümmert?

Wie kommt‘s, dass sich Gott um mich kümmert?

Es gibt Augenblicke im Leben, die so voller Staunen sind, dass man sie nie mehr vergisst. Wenn einer Frau ihr gerade geborenes erstes Kind in die Arme gelegt wird, kann ein Staunen aufbrechen, das unüberbietbar ist. Oder wenn zwei Menschen sich entdecken und einander ihre Liebe bekennen, ist es wie am Anfang der Welt. Sie staunen, dass sie sich fanden. Bei allen traurigen Verwirrungen auf diesem Gebiet, der von Gott gewollte Ursprung darf nicht vergessen werden.

Nicht umsonst denken wir hier an zwei Ureignisse des Lebens, die grundlegend und alles bestimmend sind. Die Liebe und die Geburt. Mag man das Staunen oberflächlich in den Bereich des Sentimentalen einordnen, die alten Philosophen wie Platon und sein großer Schüler Aristoteles haben das Staunen des Menschen zum Ursprung aller Philosophie und zu hohen Ehren erhoben. „Staunen ist der erste Grund der Philosophie.“ (Aristoteles 384-322 v. Chr.)

Ins Einfache übertragen: staunend entdeckt sich der Mensch als Kind, als Frau und Mann, als denkendes und erkennendes ­Wesen. In der Schöpfungsgeschichte, ganz vorne in der Bibel, finden wir eine bildhafte Erzählung über die Erschaffung der Frau, die absolut nicht in den Bereich der Naturwissenschaften gehört und so gewiss auch Fundamentalisten an ihre Grenzen führt. Gott „baut“ (Lutherübersetzung) aus einer Rippe des Mannes den Leib einer Frau, die er dem Mann zuführt. Voller Staunen und Begeisterung nennt der Mann sie eine „Männin“, weil sie „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ ist. (Genesis 2, 21-23) Die Freude an der Gemeinschaft von Mann und Frau wird gepriesen. Und durch alles geht ein Gott anbetendes Staunen über das Menschsein des Menschen. Der Cantus Firmus der gesamten Schöpfungsgeschichte ist das Staunen. Auch wir Menschen des 21. Jahrhunderts dürfen das Staunen über unser Menschsein nicht vergessen. Aus dem Staunen kann Glaube ent­stehen, gewiss die Sehnsucht danach. Der staunende Mensch fragt, er will wissen, um zu verstehen, und begegnet im Evangelium dem „Menschen für alle Menschen: Jesus Christus“ (Bonhoeffer). Und so beginnt das tiefste Staunen.

„Der christliche Glaube tritt staunend ins Dasein“ (E. Jüngel). Wer bin ich, dass sich der „lebendige Gott“ – nicht irgendein Phantom – um mich kümmert? Wer sind denn wir, dass Gott uns bei unserem Namen ruft und uns sein Eigentum nennt (Jesaja 43,1)? So erst erkennen wir uns staunend als von Gott gewollte und geliebte Menschen. Und alles wird übertroffen von dem Evangelium der Menschwerdung Gottes in dem Menschen Jesus von Nazareth, in dem Gott „für uns“ ist und sich unauflösbar mit uns verbunden hat.

Ich staune, dass Gott uns grenzenlos und bedingungslos liebt. Ich staune, dass Gott uns nicht von der Erde abräumt wie wir den Müll in die graue Tonne. Ich staune, dass er uns immer noch segnet und seine Hände über uns hält. Ich staune, dass Jesus uns ­nahe ist wie die Luft, die uns umgibt und die Sonne, die den Tag erhellt. Ich staune und staune und staune und danke meinem Gott. Der Glaube staunt, kommen Sie doch zum Glauben!

© gott.net

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