Nichts für Feiglinge

Weil Gott mein ganzes Leben will

Dient vielmehr Gott mit allem, was ihr seid und    habt. Weil ihr mit Christus gestorben seid und er euch ein neues Leben schenkte, sollt ihr jetzt Werkzeuge in Gottes Hand sein, damit er euch für seine Ziele einsetzen kann. (Römer 6,13; Hoffnung für alle)

Hingabe ist heutzutage nicht gerade ein populäres Wort, klingt nach  Aufgeben und  Verlieren, und keiner will ein Verlierer sein. In unserer auf Wettbewerb ausgerichteten Kultur bringt man uns bei, nie aufzugeben und nie nachzugeben – von Hingabe ist dabei nicht die Rede. Wenn Gewinnen alles ist, dann ist Hingabe undenkbar. Wir reden lieber von Erfolg, von Sieg, davon, Widerstände zu überwinden, als von Unterordnung, Gehorsam, Selbstaufgabe. Und dennoch ist Hingabe an Gott das Herzstück der Anbetung. Sie ist die natürliche Reaktion auf Gottes Liebe und Gnade. Wir geben uns ihm hin – nicht aus Furcht oder aus Pflichtgefühl, sondern aus Liebe: ...  weil Gott uns zuerst geliebt hat (1 Joh 4,19).

Nachdem Paulus in seinem Brief an die Römer elf Kapitel lang die unglaubliche Gnade Gottes erklärt hat, mahnt er zu völliger Hingabe:  Weil ihr Gottes Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, liebe Brüder, mit Leib und Leben für Gott da zu sein. Seid ein lebendiges und heiliges Opfer, das Gott gefällt. Einen solchen Gottesdienst erwartet er von euch (Röm 12,1). Dieser Akt der persönlichen Hingabe hat viele Namen: Heiligung, Christus zum Herrn des Lebens machen, sein Kreuz auf sich nehmen, das „Ich“ sterben lassen, sich dem Heiligen Geist unterordnen. Entscheidend ist nicht, wie Sie es nennen, entscheidend ist, dass Sie es tun. Gott will Ihr ganzes Leben. Es gibt drei Faktoren, die unsere Hingabe an Gott blockieren: Furcht, Stolz und Missverständnisse.

Vertrauen statt Furcht

Vertrauen gehört zur Hingabe. Sie werden sich Gott nicht hingeben, solange Sie ihm nicht vertrauen. Und Sie können ihm nicht vertrauen, solange Sie ihn nicht besser kennenlernen. Die Furcht verhindert, dass wir uns ihm hingeben, aber die Liebe vertreibt die Angst. Je besser Sie verstehen, wie sehr Gott Sie liebt, desto leichter wird es Ihnen fallen, sich ihm hinzugeben.

Woher weiß ich, dass Gott mich liebt? Dazu gibt die Bibel viele Hinweise: Gott sagt, dass er Sie liebt (Ps 145,9), dass er Sie niemals aus den Augen verliert (Ps 139,3) und dass er sich um jedes Detail Ihres Lebens kümmert (Mt 10,30). Er hat Ihnen die Fähigkeit gegeben, sich zu freuen (1 Tim 6,17), er hat einen guten Plan für Ihr Leben (Jer 29,11) er vergibt Ihnen (Ps 86,5), und er geht liebevoll und geduldig mit Ihnen um (Ps 145,8). Gott liebt Sie viel mehr, als Sie es sich vorstellen können.

Der höchste Ausdruck dieser Liebe ist das Opfer seines Sohnes für uns.  Wie sehr Gott uns liebt, beweist er damit, dass Christus starb, als wir noch Sünder waren (Röm 5,8). Wenn Sie wirklich wissen wollen, wie wichtig Sie Gott sind, dann schauen Sie auf Jesus Christus, der für Sie mit ausgebreiteten Armen am Kreuz hängt: „Sieh her, so sehr liebe ich dich! Ich sterbe lieber, als ohne dich zu leben!“

Gott bricht nicht unseren Willen, sondern wirbt um uns, damit wir uns ihm aus freien Stücken hingeben. Gott ist Liebe und Freiheit. Hingabe an ihn bringt echte Freiheit, keinen neuen Zwang. Wenn wir uns Christus wirklich ganz hingeben, werden wir erleben, dass er kein Tyrann, sondern ein echter Retter ist; kein Vorgesetzter, sondern ein Bruder; kein Diktator, sondern ein Freund.

Vertrauen ist ein wichtiger Aspekt eines Lebens voller Hingabe. Abraham folgte Gottes Anweisungen, obwohl er nicht wusste, wohin sie ihn führen würden. Hanna wartete auf Gottes perfektes Timing, obwohl sie nicht wusste, wann das Versprochene eintreffen würde. Maria erwartete ein Wunder, ohne zu wissen, wie es geschehen sollte. Josef vertraute Gottes Absichten, obwohl er nicht wusste, warum die Umstände so waren, wie sie waren. All diese Menschen lebten in völliger Hingabe an Gott.

Sie wissen, dass Sie sich Gott hingegeben haben, wenn Sie ihm ganz vertrauen und nicht versuchen, andere zu manipulieren, Ihre eigenen Pläne zu forcieren und die Situation zu kontrollieren. Sie öffnen Ihren Klammergriff um die Dinge und legen sie in Gottes Hände.

Begrenzungen statt Stolz

Ein zweites Hindernis für völlige Hingabe ist unser Stolz. Wir wollen nicht zugeben, dass wir nur Geschöpfe sind und eben nicht alles im Griff haben. Es ist die älteste Versuchung schlechthin: Ihr werdet sein wie Gott (1 Mo 3,5). Der Pastor und Schriftsteller A. W. Tozer sagte: „Der Grund, warum wir immer noch kämpfen, immer noch suchen, immer noch nicht wirklich vorwärtskommen, liegt darin, dass wir noch nicht an das Ende unserer Möglichkeiten gekommen sind. Wir versuchen immer noch, Befehle zu geben und Gott ins Handwerk zu pfuschen.“ Wir sind nicht Gott, und wir werden nie Gott sein. Wir sind Menschen. Aber wenn wir versuchen, Gott zu sein, dann kann es passieren, dass wir wie der Teufel enden. Auch der Teufel wollte Gott sein.

Unser Verstand akzeptiert, dass wir Menschen sind – aber nicht unser Herz. Wenn wir an unsere eigenen Grenzen stoßen, reagieren wir mit Ärger, Unmut und Unwillen. Wir wollen größer (oder kleiner), klüger, stärker, talentierter, schöner und reicher sein. Wir wollen in der Lage sein, alles zu tun und alles zu haben, und wenn das nicht klappt, regen wir uns darüber auf. Wenn wir dann merken, dass Gott anderen etwas gegeben hat, das wir nicht haben, werden wir neidisch, bitter und verfallen in Selbstmitleid.

Hingabe statt Resignation

Was bedeutet Hingabe? Sich Gott hinzugeben ist keine passive Resignation, kein Fatalismus und auch keine Entschuldigung für Faulheit. Es bedeutet nicht, dass man den Status quo akzeptiert. Es bedeutet genau das Gegenteil: Ich unterstelle mich Gott mit meinem ganzen Leben oder Leiden, um zu ändern, was geändert werden muss. Gott beruft Menschen, die sich ihm hingeben, damit sie für ihn kämpfen. Hingabe ist nichts für Feiglinge oder für Fußabtreter. Und genauso wenig geben wir unsere Fähigkeit zu denken an der Garderobe ab. Gott verschwendet doch nicht den Verstand, den er uns gegeben hat. Gott will doch nicht, dass ihm Roboter dienen. Hingabe bedeutet auch nicht, dass wir unsere Persönlichkeit unterdrücken. Gott will unsere unverwechselbare Persönlichkeit gebrauchen. Sie wird nicht unterdrückt, sondern vielmehr gefördert. C. S. Lewis stellte fest: „Je mehr wir uns Gott hingeben, desto stärker finden wir zu uns selbst – weil er uns gemacht hat!  Er hat die unterschiedlichen Menschen erfunden, die Sie und ich sein sollen. [...] Je mehr ich mich Jesus Christus zuwende und mich seiner Persönlichkeit unterwerfe – desto mehr entwickle ich meine wahre Persönlichkeit.“

Hingabe lässt sich am besten daran ablesen, ob wir Gott gehorsam sind und vertrauen. Sie antworten auf jede Aufforderung Jesu mit: „Ja, Herr!“ Mit „Nein, Herr!“ zu antworten, wäre ein Widerspruch in sich selbst. Sie können Christus nicht „Herr“ nennen und sich gleichzeitig weigern, ihm zu gehorchen. Nachdem Petrus eine Nacht lang vergeblich gefischt hatte, lebte er uns vor, was wirkliche Hingabe bedeutet: Herr, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen (Lk 5,5). Menschen, die sich Gott hingeben, gehorchen seinem Willen, auch wenn sie ihn nicht verstehen.

Sie können Ihre Hingabe an Gott auch daran erkennen, dass Sie bei Kritik nicht mehr sofort auf die Barrikaden gehen müssen, um sich selbst zu verteidigen. In Beziehungen müssen Sie andere nicht an die Seite drängen, müssen nicht ständig auf Ihr Recht pochen, und Sie müssen sich nicht mehr darum sorgen, dass Sie zu kurz kommen.

Am schwersten fällt es Menschen, Gott den Bereich „Finanzen“ zu unterstellen. Viele denken: Ich möchte für Gott leben, aber genauso möchte ich gutes Geld verdienen, gemütlich leben und später mit einer netten Rente mein Leben genießen. Aber der Ruhestand ist nicht das Ziel eines hingegebenen Lebens! Das Geld kämpft mit Gott um unsere Aufmerksamkeit. Jesus machte dies deutlich, als er sagte: Ihr könnt nicht beiden zugleich dienen, Gott und dem Geld (Mt 6,24), und: Euer Herz wird immer dort sein, wo ihr eure Schätze habt (Mt 6,21).

Das beste Beispiel für Hingabe ist Jesus selbst. In der Nacht vor seiner Kreuzigung unterwarf er sich noch einmal bewusst dem Plan Gottes. Er betete: Vater, alles ist dir möglich! Erspare mir diesen Kelch am Ende. Aber es soll geschehen, was du willst, nicht was ich will (Mk 14,36).
Wenn es deinem Ziel dient, dann ist es auch mein Wille.

Der Segen der Hingabe

Die Bibel berichtet sehr deutlich über die positiven Folgen der Hingabe für den Einzelnen. Zuerst verspricht sie uns Frieden: Versöhne dich wieder mit Gott, schließe mit ihm Frieden, dann wird er dir sehr viel Gutes tun!  (Hiob 22,21). Auch werden wir Freiheit erleben: Aber jetzt seid ihr vom Dienst der Sünde frei geworden und dient Gott (Röm 6,22). Und schließlich erleben wir Gottes Kraft in unserem Leben. Hartnäckige Versuchungen und überwältigende Probleme können überwunden werden, wenn wir sie Gott anvertrauen.

Als Josua den größten Kampf seines Lebens vor sich hatte (Jos 5,13-15), begegnete er Gott, betete ihn an und gab seine eigenen Pläne auf. Die Selbstaufgabe führte ihn zu seinem größten Sieg bei Jericho. Das ist das Paradoxe: Der Sieg wird erst durch Kapitulation möglich. Hingabe macht Sie nicht schwächer, sondern stärker. Wenn Sie sich Gott hingeben, dann brauchen Sie sich keinem anderen mehr zu beugen. Gott gebraucht hingegebene Menschen. Er wählte Maria als Mutter für Jesus nicht aufgrund ihrer Begabungen, ihres Reichtums oder ihrer Schönheit aus, sondern weil sie sich ihm ganz hingegeben hatte. Als der Engel ihr von Gottes unglaublichem Plan erzählt hatte, antwortete sie ruhig: Ich will mich Gott ganz zur Verfügung stellen. Alles soll so geschehen, wie du es gesagt hast (Lk 1,38). Nichts hat mehr Kraft als ein Leben, das sich ganz in Gottes Hände gibt: Deshalb ordnet euch Gott unter (Jak 4,7).

Mein bestes Leben

Jeder gibt sich irgendwann irgendetwas oder irgendjemandem hin. Wenn Sie sich nicht Gott hingeben, dann geben Sie sich vielleicht den Meinungen anderer, dem Geld, der Bitterkeit, der Angst, dem Stolz, der Lust oder Ihrem Ego hin. Sie wurden erschaffen, um Gott anzubeten – und wenn Sie nicht ihn anbeten, werden Sie sich andere Dinge suchen, die Sie zu Ihrem Gott machen, um sich ihnen hinzugeben und sie anzubeten. Sie können sich aussuchen, wem Sie sich unterstellen, aber Sie können sich nicht die Konsequenzen aussuchen, die diese Wahl zur Folge hat. Der amerikanische Indien-Missionar und Autor E. Stanley Jones sagte. „Wenn Sie sich Jesus Christus nicht hingeben, geben Sie sich dem Chaos hin.“

Hingabe ist nicht die beste Art zu leben, es ist die einzige Art! Alles andere funktioniert nicht. Alle anderen Ansätze enden letztlich in Frustration, Enttäuschung oder Selbstzerstörung. Die Luther Übersetzung nennt Hingabe einen „vernünftigen Gottesdienst“, die Hoffnung für alle nennt sie den Gottesdienst, den „Gott von euch erwartet“ (Röm 12,1). Hingabe ist kein dummer, emotionaler Impuls, sondern eine logische, rationale Handlung. Es ist der sinnvollste und verantwortungsvollste Schritt, den Sie in Ihrem Leben gehen können. Deshalb sagt Paulus: Es kommt nur darauf an, alles zu tun, was Gott gefällt (2 Kor 5,9). Ihre besten Momente werden die sein, in denen Sie Ja zu Gott sagen.

Manchmal dauert es Jahre, bis Sie erkennen, dass das größte Hindernis für Gottes Segen in Ihrem Leben nicht die anderen sind, sondern Sie selbst – Ihr Stolz, Ihr Eigenwille, Ihr persönlicher Ehrgeiz. Sie können Gottes Ziele für Ihr Leben nicht erreichen, wenn Sie mit dem Erreichen Ihrer eigenen Ziele beschäftigt sind.

Wenn Gott beginnt, in Ihrem Leben zu wirken, dann fängt er mit der Hingabe an. Geben Sie Gott also alles hin. Geben Sie ihm Ihre Vergangenheit, geben Sie ihm Ihre Gegenwart, geben Sie ihm Ihre Zukunft, Ihre Stärken und Schwächen, Ihre Ängste und Träume, Ihre Angewohnheiten und Verletzungen. 

Lassen Sie Jesus ans Steuer Ihres Lebens, und nehmen Sie die Hände vom Lenkrad. Haben Sie keine Angst: Nichts, was unter seiner Kontrolle steht, kann jemals außer Kontrolle geraten. Wenn Sie sich Jesus Christus anvertrauen, können Sie alles bewältigen. Sie werden wie Paulus sein, der sagte: Das kann ich alles durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt (Phil 4,13). Paulus‘ großer Augenblick der Kapitulation ereignete sich auf der Straße nach Damaskus, als er durch ein blendendes Licht vom Pferd geworfen wurde. Gott kann die Aufmerksamkeit eines Menschen auch durch weniger drastische Mittel auf sich ziehen. Grundsätzlich gilt aber, dass Hingabe niemals nur ein einmaliges Ereignis ist. Es gibt den Zeitpunkt der grundsätzlichen Hingabe, und es gibt das Praktizieren der Hingabe, in jedem einzelnen Augenblick und für den Rest des Lebens. Das Problem mit einem lebendigen Opfer ist jedoch, dass es vom Altar krabbeln kann, deshalb kann es unter Umständen nötig sein, Ihr Leben 50-mal am Tag neu hinzugeben. Jesus macht dies deutlich, als er sagte: Wer mir nachfolgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben, muss Tag für Tag sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen (Lk 9,23).

Ich möchte Ihnen eine Warnung mitgeben: Wenn Sie sich entscheiden, sich Christus völlig hinzugeben, wird diese Entscheidung immer wieder neu auf die Probe gestellt werden. Manchmal wird es bedeuten, dass Sie etwas tun, das ungewöhnlich oder unpopulär ist, einen hohen Preis fordert oder einfach unmöglich zu sein scheint. Oft wird es bedeuten, dass Sie das Gegenteil von dem tun, was Sie jetzt gerade tun möchten. Einer der größten christlichen Leiter des 20. Jahrhunderts war Bill Bright, der Gründer von „Campus für Christus“. Durch die Mitarbeiter von „Campus für Christus“, durch die „vier geistlichen Gesetze“ und durch den von ihm initiierten „Jesus“-Film (den bislang schon über sechs Milliarden Menschen gesehen haben) sind über 200 Millionen Menschen zum Glauben an Christus gekommen und werden ihre Ewigkeit nun in der Gegenwart Gottes verbringen.

Ich fragte Bill einmal: „Warum hat Gott dein Leben so sehr gesegnet?“ Er antwortete: „Als junger Mann habe ich einen Vertrag mit Gott geschlossen. Ich habe ihn sogar aufgeschrieben und mit meinem Namen unterschrieben. Er lautete:Von heute an bin ich ein Sklave Jesu Christi‘. “ Haben Sie jemals einen Vertrag wie diesen mit Gott geschlossen? Oder diskutieren Sie vielleicht noch mit Gott darüber, ob er das Recht hat, mit Ihrem Leben zu tun und zu lassen, was ihm gefällt? Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um sich Gott ganz hinzugeben und sich ihm anzuvertrauen – seiner Gnade, Liebe und Weisheit.

Hingabe statt Resignation

Was bedeutet Hingabe? Sich Gott hinzugeben ist keine passive Resignation, kein Fatalismus und auch keine Entschuldigung für Faulheit. Es bedeutet nicht, dass man den Status quo akzeptiert. Es bedeutet genau das Gegenteil: Ich unterstelle mich Gott mit meinem ganzen Leben oder Leiden, um zu ändern, was geändert werden muss. Gott beruft Menschen, die sich ihm hingeben, damit sie für ihn kämpfen. Hingabe ist nichts für Feiglinge oder für Fußabtreter. Und genauso wenig geben wir unsere Fähigkeit zu denken an der Garderobe ab. Gott verschwendet doch nicht den Verstand, den er uns gegeben hat. Gott will doch nicht, dass ihm Roboter dienen. Hingabe bedeutet auch nicht, dass wir unsere Persönlichkeit unterdrücken. Gott will unsere unverwechselbare Persönlichkeit gebrauchen. Sie wird nicht unterdrückt, sondern vielmehr gefördert. C. S. Lewis stellte fest: „Je mehr wir uns Gott hingeben, desto stärker finden wir zu uns selbst – weil er uns gemacht hat!  Er hat die unterschiedlichen Menschen erfunden, die Sie und ich sein sollen. [...] Je mehr ich mich Jesus Christus zuwende und mich seiner Persönlichkeit unterwerfe – desto mehr entwickle ich meine wahre Persönlichkeit.“

Hingabe lässt sich am besten daran ablesen, ob wir Gott gehorsam sind und vertrauen. Sie antworten auf jede Aufforderung Jesu mit: „Ja, Herr!“ Mit „Nein, Herr!“ zu antworten, wäre ein Widerspruch in sich selbst. Sie können Christus nicht „Herr“ nennen und sich gleichzeitig weigern, ihm zu gehorchen. Nachdem Petrus eine Nacht lang vergeblich gefischt hatte, lebte er uns vor, was wirkliche Hingabe bedeutet: Herr, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen (Lk 5,5). Menschen, die sich Gott hingeben, gehorchen seinem Willen, auch wenn sie ihn nicht verstehen.

Sie können Ihre Hingabe an Gott auch daran erkennen, dass Sie bei Kritik nicht mehr sofort auf die Barrikaden gehen müssen, um sich selbst zu verteidigen. In Beziehungen müssen Sie andere nicht an die Seite drängen, müssen nicht ständig auf Ihr Recht pochen, und Sie müssen sich nicht mehr darum sorgen, dass Sie zu kurz kommen.

Am schwersten fällt es Menschen, Gott den Bereich „Finanzen“ zu unterstellen. Viele denken: Ich möchte für Gott leben, aber genauso möchte ich gutes Geld verdienen, gemütlich leben und später mit einer netten Rente mein Leben genießen. Aber der Ruhestand ist nicht das Ziel eines hingegebenen Lebens! Das Geld kämpft mit Gott um unsere Aufmerksamkeit. Jesus machte dies deutlich, als er sagte: Ihr könnt nicht beiden zugleich dienen, Gott und dem Geld (Mt 6,24), und: Euer Herz wird immer dort sein, wo ihr eure Schätze habt (Mt 6,21).

Das beste Beispiel für Hingabe ist Jesus selbst. In der Nacht vor seiner Kreuzigung unterwarf er sich noch einmal bewusst dem Plan Gottes. Er betete: Vater, alles ist dir möglich! Erspare mir diesen Kelch am Ende. Aber es soll geschehen, was du willst, nicht was ich will (Mk 14,36).
Wenn es deinem Ziel dient, dann ist es auch mein Wille.

Der Segen der Hingabe

Die Bibel berichtet sehr deutlich über die positiven Folgen der Hingabe für den Einzelnen. Zuerst verspricht sie uns Frieden: Versöhne dich wieder mit Gott, schließe mit ihm Frieden, dann wird er dir sehr viel Gutes tun!  (Hiob 22,21). Auch werden wir Freiheit erleben: Aber jetzt seid ihr vom Dienst der Sünde frei geworden und dient Gott (Röm 6,22). Und schließlich erleben wir Gottes Kraft in unserem Leben. Hartnäckige Versuchungen und überwältigende Probleme können überwunden werden, wenn wir sie Gott anvertrauen.

Als Josua den größten Kampf seines Lebens vor sich hatte (Jos 5,13-15), begegnete er Gott, betete ihn an und gab seine eigenen Pläne auf. Die Selbstaufgabe führte ihn zu seinem größten Sieg bei Jericho. Das ist das Paradoxe: Der Sieg wird erst durch Kapitulation möglich. Hingabe macht Sie nicht schwächer, sondern stärker. Wenn Sie sich Gott hingeben, dann brauchen Sie sich keinem anderen mehr zu beugen. Gott gebraucht hingegebene Menschen. Er wählte Maria als Mutter für Jesus nicht aufgrund ihrer Begabungen, ihres Reichtums oder ihrer Schönheit aus, sondern weil sie sich ihm ganz hingegeben hatte. Als der Engel ihr von Gottes unglaublichem Plan erzählt hatte, antwortete sie ruhig: Ich will mich Gott ganz zur Verfügung stellen. Alles soll so geschehen, wie du es gesagt hast (Lk 1,38). Nichts hat mehr Kraft als ein Leben, das sich ganz in Gottes Hände gibt: Deshalb ordnet euch Gott unter (Jak 4,7).

Mein bestes Leben

Jeder gibt sich irgendwann irgendetwas oder irgendjemandem hin. Wenn Sie sich nicht Gott hingeben, dann geben Sie sich vielleicht den Meinungen anderer, dem Geld, der Bitterkeit, der Angst, dem Stolz, der Lust oder Ihrem Ego hin. Sie wurden erschaffen, um Gott anzubeten – und wenn Sie nicht ihn anbeten, werden Sie sich andere Dinge suchen, die Sie zu Ihrem Gott machen, um sich ihnen hinzugeben und sie anzubeten. Sie können sich aussuchen, wem Sie sich unterstellen, aber Sie können sich nicht die Konsequenzen aussuchen, die diese Wahl zur Folge hat. Der amerikanische Indien-Missionar und Autor E. Stanley Jones sagte. „Wenn Sie sich Jesus Christus nicht hingeben, geben Sie sich dem Chaos hin.“

Hingabe ist nicht die beste Art zu leben, es ist die einzige Art! Alles andere funktioniert nicht. Alle anderen Ansätze enden letztlich in Frustration, Enttäuschung oder Selbstzerstörung. Die Luther Übersetzung nennt Hingabe einen „vernünftigen Gottesdienst“, die Hoffnung für alle nennt sie den Gottesdienst, den „Gott von euch erwartet“ (Röm 12,1). Hingabe ist kein dummer, emotionaler Impuls, sondern eine logische, rationale Handlung. Es ist der sinnvollste und verantwortungsvollste Schritt, den Sie in Ihrem Leben gehen können. Deshalb sagt Paulus: Es kommt nur darauf an, alles zu tun, was Gott gefällt (2 Kor 5,9). Ihre besten Momente werden die sein, in denen Sie Ja zu Gott sagen.

Manchmal dauert es Jahre, bis Sie erkennen, dass das größte Hindernis für Gottes Segen in Ihrem Leben nicht die anderen sind, sondern Sie selbst – Ihr Stolz, Ihr Eigenwille, Ihr persönlicher Ehrgeiz. Sie können Gottes Ziele für Ihr Leben nicht erreichen, wenn Sie mit dem Erreichen Ihrer eigenen Ziele beschäftigt sind.

Wenn Gott beginnt, in Ihrem Leben zu wirken, dann fängt er mit der Hingabe an. Geben Sie Gott also alles hin. Geben Sie ihm Ihre Vergangenheit, geben Sie ihm Ihre Gegenwart, geben Sie ihm Ihre Zukunft, Ihre Stärken und Schwächen, Ihre Ängste und Träume, Ihre Angewohnheiten und Verletzungen. 

Lassen Sie Jesus ans Steuer Ihres Lebens, und nehmen Sie die Hände vom Lenkrad. Haben Sie keine Angst: Nichts, was unter seiner Kontrolle steht, kann jemals außer Kontrolle geraten. Wenn Sie sich Jesus Christus anvertrauen, können Sie alles bewältigen. Sie werden wie Paulus sein, der sagte: Das kann ich alles durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt (Phil 4,13). Paulus‘ großer Augenblick der Kapitulation ereignete sich auf der Straße nach Damaskus, als er durch ein blendendes Licht vom Pferd geworfen wurde. Gott kann die Aufmerksamkeit eines Menschen auch durch weniger drastische Mittel auf sich ziehen. Grundsätzlich gilt aber, dass Hingabe niemals nur ein einmaliges Ereignis ist. Es gibt den Zeitpunkt der grundsätzlichen Hingabe, und es gibt das Praktizieren der Hingabe, in jedem einzelnen Augenblick und für den Rest des Lebens. Das Problem mit einem lebendigen Opfer ist jedoch, dass es vom Altar krabbeln kann, deshalb kann es unter Umständen nötig sein, Ihr Leben 50-mal am Tag neu hinzugeben. Jesus macht dies deutlich, als er sagte: Wer mir nachfolgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben, muss Tag für Tag sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen (Lk 9,23).

Ich möchte Ihnen eine Warnung mitgeben: Wenn Sie sich entscheiden, sich Christus völlig hinzugeben, wird diese Entscheidung immer wieder neu auf die Probe gestellt werden. Manchmal wird es bedeuten, dass Sie etwas tun, das ungewöhnlich oder unpopulär ist, einen hohen Preis fordert oder einfach unmöglich zu sein scheint. Oft wird es bedeuten, dass Sie das Gegenteil von dem tun, was Sie jetzt gerade tun möchten. Einer der größten christlichen Leiter des 20. Jahrhunderts war Bill Bright, der Gründer von „Campus für Christus“. Durch die Mitarbeiter von „Campus für Christus“, durch die „vier geistlichen Gesetze“ und durch den von ihm initiierten „Jesus“-Film (den bislang schon über sechs Milliarden Menschen gesehen haben) sind über 200 Millionen Menschen zum Glauben an Christus gekommen und werden ihre Ewigkeit nun in der Gegenwart Gottes verbringen.

Ich fragte Bill einmal: „Warum hat Gott dein Leben so sehr gesegnet?“ Er antwortete: „Als junger Mann habe ich einen Vertrag mit Gott geschlossen. Ich habe ihn sogar aufgeschrieben und mit meinem Namen unterschrieben. Er lautete:Von heute an bin ich ein Sklave Jesu Christi‘. “ Haben Sie jemals einen Vertrag wie diesen mit Gott geschlossen? Oder diskutieren Sie vielleicht noch mit Gott darüber, ob er das Recht hat, mit Ihrem Leben zu tun und zu lassen, was ihm gefällt? Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um sich Gott ganz hinzugeben und sich ihm anzuvertrauen – seiner Gnade, Liebe und Weisheit.

Von

  • Rick Warren

    Er ist Gründer und bis heute Pastor der Saddleback Church in Lake Forest, Kalifornien und Autor etlicher Bücher.

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