Unvollkommen - voll im Kommen

Brauchen wir Vorbilder? Meiner Meinung nach ja. Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, habe ich mich stets, bewusst und unbewusst, an Vorbildern orientiert: an Menschen in meinem sozialen Umfeld, an Menschen in der Bibel wie auch an Glaubensvorbildern in der Geschichte, über deren ­Leben ich etwas gehört oder gelesen hatte. Erfahrungsgemäß lernen wir am meisten und leichtesten durch Vorbilder, d. h. durch Menschen, die uns durch ihre Lebensart und ihr (Da-)Sein ansprechen. Als lebendige Anschauung inspirieren sie uns, wecken in uns eine Art Aufbruchsstimmung bzw. das Verlangen, uns aus festgefahrenen Gewohnheiten herauszuschälen und über uns ­hinauszuwachsen. Mit Vorbildern meine ich hier keine unerreichbaren Helden oder umschwärmten Idole – Superstars, die in der Öffentlichkeit ­bewundert werden und um die sich Fanclubs organisieren. Wie oft sind sie dann über Nacht von ihrem Sockel gestürzt und vom Superstar zum Buhmann geworden. Vorbilder sind im Gegensatz dazu für mich Menschen „wie du und ich“, die mit ihrem Beispiel auf die gleichen Herausforderungen des Lebens, in denen auch wir stehen, nachvollziehbare und lebbare Antworten aufzeigen: Menschen, die vertrauenswürdig und authentisch sind, die „sagen, was sie meinen, und tun, was sie sagen“1 – Menschen also, die für ihre Überzeugungen einstehen und bei denen Reden und Tun übereinstimmen; kurzum: „unverfälschte“ Menschen.

Meine Geschichte ist meine Rettung

Einer glaubwürdigen Person im Leben zu begegnen kann zur Schicksalsstunde für den eigenen Lebens- und Glaubensweg werden. So habe ich es selber erfahren.

Vor 15 Jahren hatte ich eine Begegnung mit einem Priester, der mir in einer sehr verzweifelten Situation „zufällig“ über den Weg lief. Ich war gerade in einer heftigen beruflichen Auseinandersetzung, in der ich weder ein noch aus wusste. Ich war soweit, alles hinzuschmeißen. In meiner Not sprach ich ihn unvermittelt an, weil ich jemanden brauchte, dem ich mich anvertrauen konnte und dessen absoluter Verschwiegenheit ich sicher sein konnte. Über eine Stunde lang hörte er mir aufmerksam zu. Nachdem ich mein inneres Durcheinander an Klagen und Anklagen vor ihm ausgeschüttet hatte, schaute er mich nachdenklich an und fragte: „Sind Sie gekommen, um mir meine Geschichte zu erzählen?“ Ich war von der Frage sehr überrascht und verstand zunächst nicht, was er mir damit sagen wollte. Nun erzählte er mir in gleicher Ausführlichkeit seine eigene persönliche Lebensgeschichte und dabei erkannte ich tatsächlich erstaunlich vielen Parallelen. Er endete mit den Worten: „Aber meine Geschichte ist meine Rettung! Meine Geschichte hat sich mir gezeigt als Gottes persönlicher Weg seiner Liebe mit mir. Das gilt ganz genauso auch für Sie, inklusive dem, was Ihnen gerade widerfahren ist und was Ihnen in der Vergangenheit so schmerzlich gefehlt hat. Sie wären heute nicht dieser Mensch, der Gott so leidenschaftlich sucht und den Dingen auf den Grund geht, wenn Sie nicht diese Geschichte gehabt hätten.“ Während er das sagte, durchströmte mich augenblicklich ein Glücksgefühl, das mich innerlich aufwärmte – bedürftig und geborgen zugleich. Wie durch eine Zufuhr frischer Luft war mein Herz schlagartig wieder weit geworden. Tief im Inneren erlebte ich, dass sich jemand vor­behaltlos zu mir stellte, der wie ich ist, mit dem einen­ Unterschied, dass er mit sich gänzlich versöhnt schien und recht lebensfroh auf mich wirkte. Ich spürte wieder Boden unter den Füßen. Der aktuelle Konflikt war dadurch zwar nicht gelöst, aber ich fühlte mich bereit und fähig zu einer erneuten konstruktiven Auseinandersetzung.

Die Begleitung durch diesen lebenserfahrenen Seelsorger blieb mir bis zu seiner Berufung an ­einen anderen Wirkungsort noch zwei weitere Jahre erhalten. Die Gelassenheit in allen Lebenslagen zu bewahren, war ihm immer ein wichtiges Anliegen. In unseren Begegnungen hat er oft und völlig unaufgeregt auch über seine eigenen Schwächen gesprochen, und mir so eindrücklich vorgelebt, wie das Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes umso wirksamer werden kann, je mehr wir es wagen, vor Gott und voreinander wahrhaftig zu sein. In diesem Zusammenhang sprach er manchmal von „kostbaren Unvollkommenheiten“. Unvergess­lich blieb mir der Satz: „Gott hasst die Sünden, weil sie Sünden sind. Andererseits aber liebt er unsere Fehler irgendwie, da sie ihm Gelegenheit geben, seine Barmherzigkeit zu zeigen, und uns, demütig zu bleiben sowie Verständnis und Mitleid für die Fehler der anderen zu haben.“ In seiner Schule lernte ich, dass es gut möglich ist, in den Spiegel zu schauen und nicht vor sich wegzulaufen. Durch sein Vorbild will ich weiterhin üben, meine Sehnsucht nach dem Himmel mit dem Ja zur Erde zusammenzudenken und mit dieser Bodennähe den Sinn für meine Wirklichkeit zu behalten, mehr noch – sie zu lieben.

Sünde ist menschlich

Wir leben in einer Zeit oberflächlicher Schönheitsideale. Vielen Menschen gelingt es immer ­weniger, sich selbst anzunehmen wie sie sind. Die heutigen Stars haben alle den perfekten Body, die gestylten Models sind die großen Idole und viele wünschten sich, doch auch so toll auszusehen. Das Bild, das da entworfen wird, kann zu Krisen führen, denn das Leitbild ist perfekt, der konkrete Mensch nicht. Immer mehr Menschen versuchen, ihr Selbstbild zu perfektionieren. Es ist schon zu einer weit verbreiteten Redensart geworden: „Ich möchte mich morgens im Spiegel anschauen können.“ Sich selbst oder gar anderen einzugestehen, dass es da vielleicht doch Kratzer und Blessuren gibt, so manches, was eben nicht perfekt ist, das ist für manche geradezu unvorstellbar. Es würde ja nicht nur das Selbstbild, sondern auch das vor anderen so mühsam aufgebaute Image zerstören. Das andere Extrem sind Menschen, die nur noch das Unschöne und Unfertige sehen, wenn sie sich im Spiegel anschauen. Hier sind wir bei der Frage der Selbstannahme bzw. der Selbstablehnung. ­Eine der Ursachen dafür scheint das Phänomen des Perfektionismus, ein Grundübel, das bei vielen Menschen Einzug gehalten hat. Über die Unfähigkeit, zu dem zu stehen, was unter dem Lack an Hässlichem zutage tritt, sind in den letzten Jahren so manche Prominente gestolpert, auch Kirchenmänner. In guter Erinnerung sind mir noch Alt-Bundespräsident Christian Wulff, Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der ehemalige Fußballprofi und Präsident vom FC Bayern München Uli Hoeneß, die Bischöfe­ Walter Mixa und Franz-Peter Tebartz-van-Elst. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Alle waren sie in besonderer Weise zu allgemeinen Vorbildern erhoben worden. Von großer Wucht ist auch ihr Sturz in der Öffentlichkeit ­gewesen. Vielleicht wäre es nicht so gnadenlos zugegangen, wenn sie sich zur Tat bekannt und Reue gezeigt hätten. Stattdessen wurde immer nur so viel zugegeben wie nachgewiesen werden konnte. Ansonsten wurde schöngeredet, geleugnet, verdrängt und anderen die Schuld zugeschoben. In der Osterausgabe der Süddeutschen Zeitung von 2014 äußerte sich dazu der Journalist Matthias Drobinski: „Diese Spirale des Reue- und Gnadenlosen ist nicht gut für die Kultur eines Landes. Denn sie lebt auch davon, dass die Mechanismen von Buße und Vergebung, von Bekenntnis und Umkehr funktionieren, ob sie nun religiös ­begründet sind oder säkular. (…) Doch wie soll bekennen, bereuen und Buße tun, wer keine Gnade erhoffen kann? Wie entspannend wäre da ein biss­chen mehr allgemeines Sündenbewusstsein!“

Der geniale Wiener Schriftsteller Karl Kraus schrieb einmal über eine ihm bekannte Dame: „Zur Vollkommenheit fehlte ihr nur ein Mangel.“ Jeder versteht sofort das Paradox, das er meint: Zur Vollkommenheit eines Menschen gehört, dass er um seine (wesentliche) Unvollkommenheit weiß und sie auch zugibt. Vermutlich empfinden wir alle kaum jemanden so unerträglich wie ­einen, der von sich glaubt, er mache nie einen Fehler oder nie auch nur auf den Gedanken kommt, einen Fehler zuzugeben. Auf diesen Typ Mensch trifft recht gut folgendes Bonmot: „Es gibt doch tatsächlich Menschen, die können ihre Fehler nicht zugeben. Ich würde meine Fehler zugeben – wenn ich welche hätte.“ „Irren ist menschlich“, sagen wir; das bedeutet: das Gegenteil von „menschlich“ ist „fehlerlos“. Gegen diese Versuchung, vor den anderen zu glänzen und möglichst gut, am besten einfach perfekt dazustehen, ist ­sicher niemand gänzlich gefeit. Der Psychotherapeut Albert Görres sagte einmal in einem Gespräch2: „…der Kernbegriff der Psychoanalyse (ist) die Verdrängung – ein biblischer Begriff: Ein großer Jude vor Freud, Paulus, hat ihn entwickelt; er schrieb darüber im Römerbrief (1,18). Verdrängung heißt dort: ‚Die Wahrheit niederhalten.‘ (…) Das Verdrängen ist eine menschliche Haupttätigkeit. Das Evangelium wirft vor, dass sie die Wahrheit der eigenen Schuld, die Wahrheit der eigenen Freiheit, die Einsicht in die eigene Person ‚niederhält‘. (…) Das ist es, worauf der Analytiker häufig stößt: die Unfähigkeit, sich mit Schuld vernünftig und positiv auseinanderzusetzen. (…) Die Unfähigkeit, eigene Schuld zu erkennen, über sie zu trauern, über sie erschüttert zu sein, sie zu bereuen, würde ich als eine schwere innere Krankheit der Seele ansehen; die Kirchenväter haben dies als die eigentliche Krankheit der heidnischen Welt angesehen.“

Wenn das stimmt, dann ist etwas grundlegend krank in einer Gesellschaft, und diese Krankheit reicht bis tief in die Kirche hinein, die das Wort „Sünde“ aus ihrem Wortschatz gestrichen hat. In einem uneigentlichen, oft augenzwinkernden Sinn kennen wir es noch: „Ich habe gesündigt“ heißt eigentlich nur, dass zu viel Sahnetorte gegessen oder Pralinen genascht wurden. Bezeichnungen wie „Haus der Sünde“ oder „sündige Spiele“ und dergleichen gelten eher als interessant und prickelnd, als dass sie Ablehnung hervorriefen. Als Umwelt-, Verkehrs- oder Steuersünder geht das Wort „Sünde“ noch durch, ansonsten aber gehört es in unserer Gesellschaft bis in unsere Kirche hinein höchstens zum altbackenen und längst überholten Wortschatz. Wenn sich dann doch einmal wegen irgendetwas das schlechte Gewissen rührt, spricht man eher von: „Ich habe danebengegriffen“ oder einfach: „Da hab‘ ich einen Fehler gemacht; das war nicht in Ordnung, nicht ok.“ Der durch seine Kriegserlebnisbücher bekannte Schriftsteller Ernst Jünger bezeichnete einmal Hitlers Befehl, Kriegsgefangene zu töten, als einen seiner schwersten „Missgriffe“3. Wie sehr werden doch hier schwerste Verbrechen verharmlost, ja kaschiert.

Vollkommenheit statt Perfektion

Um ein glaubwürdiges Vorbild zu sein, braucht es meines Erachtens eine ganz feine Gewissens­bildung. Zum einen zur Erkenntnis, welche Gaben und Fähigkeiten mir von Gott geschenkt sind, ­damit ich sie für andere und zu ihrem Wohl einsetze. Und zum anderen, dass wir zu unserer brüchigen Natur stehen. Niemand ist vollkommen. Schwächen, Grenzen, Schuld und Versagen gehören zum Menschen. Die Wahrheit wird euch freimachen, sagt Jesus im Evangelium des Johannes. Die Wenigsten von uns sind schon frei genug. Einmal wird jeder Mensch die Wahrheit seines Lebens­ im Licht der ganzen Wahrheit Gottes schauen. Das Licht der Wahrheit Gottes wird alles durchdringen, mehr noch als das Licht der Sonne. Tiefer noch als Röntgenstrahlen, die die Brüche und Fehlbildungen des menschlichen Leibes sichtbar machen können, macht sie uns unsere Unfreiheiten und Verstrickungen deutlich. Aber Gottes glühende Liebe will immer retten, die Brüche heilen und die Wunden reinigen. Unser Teil ist, darin einzuwilligen. Im Johannesevangelium heißt es, als Jesus vor seiner Passion den Jüngern die ­Füße wäscht und damit ein Beispiel von seiner Art zu lieben gibt: Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung (Joh 13,1b). Vollendung, das ist die Krönung von allem Bisherigen. Aber Vollendung ist keine Perfektion. Der Geigenbauer Martin Schleske schreibt: „Es ist wichtig, zwischen Vollkommenheit und Perfektion zu unterscheiden. Der Perfektionist ist ständig bemüht, die Gnade Gottes mit seiner eigenen Großartigkeit anzureichern, denn was ihn treibt, ist die Angst, dass es nicht reicht. Der Vollkommene ist, weiß Gott, nicht perfekt, aber er lässt sich von Christus die Füße ­waschen, und er widersteht dem Impuls, dass er dessen nicht würdig sei. Darum ruht er in seiner Würde. Das ist seine Vollkommenheit: dass die unendlich demütige Gnade Gottes seine Seele berührt.“4 Ehrlichkeit, sich selber und Gott gegenüber, wird überzeugen.

Es braucht eine Haltung kindlicher Offenheit Gott gegenüber beim abendlichen Tagesrückblick und auch in der Vorbereitung auf die Beichte. Papst ­Johannes Paul II. sagte 1984 in seinem apostolischen Schreiben über Versöhnung und Buße: „Die Gewissenserforschung sollte keineswegs eine ängstliche, psychologische Selbstbeobachtung sein, sondern eine aufrichtige und ruhige Konfrontation mit den Normen des Evangeliums …. Ja, mit Jesus Christus selbst, der für uns Meister und Vorbild des Lebens ist, und mit dem himm­lischen Vater, der uns zum Heil und zur Vollkommenheit beruft.“ Unser Gewissen ist wie ein feines Musikinstrument, das beständig gestimmt werden muss. Dazu bedarf es kindlicher Offenheit ­gegenüber dem Heiligen Geist, damit er unser Gewissen wirklich stimmen kann.

Mein Instrument stimmen

Das Bild, dass unser Gewissen wie eine Violine gestimmt werden muss, drückt aus, dass unser Bewusstsein immer wieder „justiert“ werden muss wie die Wirbel eines Saiteninstruments, weil die Saiten immer neu erschlaffen. Das Instrument ist dem Musiker untergeordnet. Wenn ein Instrument verstimmt ist, hilft es nicht, noch inbrünstiger zu spielen. Das Verkehrte kann nicht durch ein noch höheres Maß an Einsatz wettgemacht werden. Man muss das Instrument vor dem Spielen stimmen. Wunderbar hat es Martin Schleske in seinem Buch „Herztöne“ auf den Punkt gebracht: „Der Himmel sucht unsere Stimmigkeit. (…) Die Wahrheit gießt sich nicht in ein verwahrlostes Herz. (…) Alle großen spirituellen Kulturen und alle bedeutenden Schulen der Seelenführung, von der Antike bis zum heutigen Tag, sprechen von der Reinigung des menschlichen Herzens. Still werden, leer werden, sich stimmen lassen, sich schärfen lassen – es meint alles dasselbe. Es ist die Zeit, in der alles Hören zur liebenden Stille wird.“5

In vielen christlichen Gemeinden fehlt es an einer guten geistlichen Begleitung, die Menschen helfen könnte, ihren Weg zu finden und Fehlverhalten abzulegen. In dieser die Wahrheit verdunkelnden Zeit stellt sich daher das Thema Vorbild auf ganz neue Weise. Unsere Zeitgenossen brauchen Zeugen des Evangeliums, die ihnen Glaube, Hoffnung und Liebe geben. Sie suchen nach Mitmenschen, die von Gott erfüllt sind. Wir alle sind von Gott aufgerufen, gute Vorbilder zu sein. Lebendige Christen sind dem Menschen von heute die wertvollste Bibel. Erkennen, lieben und leben sind bei einem solchen Wegweiser zu Gott immer miteinander verknüpft. Und damit will ich noch einmal an den Anfang zurückkommen. Ich habe mich im Nachhinein gefragt, was in meiner damaligen Krise von jenem Priester so glaubwürdig vermittelt wurde, dass die Begegnung mit ihm eine Schicksalsstunde für mich wurde. Ich glaube, ich bin einem wahrhaft demütigen Menschen begegnet, der seine kreatürliche Begrenztheit anerkennt und sich ganz von Gott gehalten weiß. Auf dem Hintergrund dieser Erfahrung wage ich zu behaupten, echte Vorbilder sind demütige Menschen und zwar in dem Sinne, dass sie den Mut haben, die eigene Wirklichkeit zu sehen in all ­ihrer Gebrochenheit. Konkret bin ich herausgefordert, meine Vergänglichkeit und Begrenztheit, meine Licht- und Schattenseiten anzuerkennen und anzunehmen, zu wissen, dass ich armer, ­sündiger Mensch das Evangelium brauche, dass ich den Menschen neben mir brauche, dass ich Gott brauche. Das anzunehmen und zu akzeptieren, dazu gehört Mut.

Es gehört Mut dazu, die Wirklichkeit anzuerkennen, wie sie ist, auch alles Krumme und Bucklige an mir nicht zu verleugnen, sondern anzunehmen, ja sogar als Spielraum Gottes in meinem ­Leben zu sehen. Positiv gesprochen: In der existentiellen Wahrheit, von Gott geschaffen zu sein, und damit von ihm abhängig zu sein, liegt meine Würde, meine Einmaligkeit, letztlich meine gesamte Hoffnung und Freiheit begründet. Wo sind die Menschen, die sich in diesem demütigen Selbstbewusstsein auf den Weg machen und zu vorbildlichen Zeugen des Evangeliums für andere werden? So jemandem zu begegnen, kann das ­Leben verändern.

Anmerkungen:
1 vgl. Martin Buber, Der Weg des Menschen, Lambert Schneider GmbH, Gerlingen 1993, S. 39
2 vgl. www.zeit.de/1983/45/wo-die-schuld-grenzen-hat
3 zit. nach Josef Pieper, Über den Begriff der Sünde, Topos plus, Kevelaer 2019, S. 19
4 Martin Schleske, Herztöne – Lauschen auf den Klang des Lebens, Adeo Verlag, Asslar 2016, S. 32
5 Martin Schleske, ebd., S. 22

Von

  • Rudolf M. J. Böhm

    Sozialpädagoge, gehört mit seiner Frau Renate zur OJC-Auspflanzung in Greifswald, wo er u.a. als Seelsorger aktiv ist.

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