Das Beste kommt noch!

Liebe Mitchristen!

Corona hat es gezeigt: in der Krise wird offenbar, was den Menschen zutiefst bewegt – Zuversicht oder Ängste, Solidarität oder Eigennutz, Verbundenheit oder Isolation. Manche verbarrikadieren sich in ihren Wohnungen oder verweigern ihren Nachbarn sogar den Blickkontakt, als wäre der schon infektiös. Andere werden kreativ und stehen den schwer Betroffenen bei. Wenn uns vermeintliche Selbstverständlichkeiten wegbrechen, Dinge wie Sicher­heit, Kontrolle, Wohlstand und Unversehrtheit, werden wir mit den Grundfragen des Lebens konfrontiert: Wofür leben wir – und wie leben wir angesichts unserer Vergänglichkeit?

Im Angesicht des Todes...

Immer höher, besser, weiter – das Streben nach ständiger Optimierung wird dem Wesen des Menschen nicht gerecht. An die Stelle des christlichen Hoffnungsglaubens ist ein säkularer Fortschrittsglaube getreten, der jedoch keineswegs zu dem erhofften irdischen Paradies geführt hat. Die Vorstellung von einem starken, sich selbst reinigenden Menschen erweist sich als eine Illusion. Viele verdrängen ihre Sterblichkeit, weil sie keine Hoffnung auf das Eigentliche haben, das auf uns wartet. Andere verfallen in Depression oder gar Todessehnsucht, weil sie keinen Sinn im Dasein erkennen – ihre Sehnsucht hat kein Ziel, keine Richtung.

Werbefachleute haben herausgefunden: Wer glücklich ist, konsumiert weniger. Unglückliche Menschen sind die besten Konsumenten. Unser Wirtschaftssystem baut darauf, dass der Mensch ein unstillbares Verlangen im Herzen hat. Die Sehnsucht nach Erfüllung richtet ihn auf die Zukunft aus. Soziologische Studien beschreiben den Menschen der Moderne als ein Subjekt, das nur wenig Bewusstsein für Vergangenheit und wenig Perspektive für die Zukunft hat. Er lässt sich treiben in einer andauernden, provisorischen, flüchtigen Gegenwart. An dieser Gegenwart klammert er mit allen Mitteln – aber ohne Hoffnung, weil ihm die Vergeblichkeit seines Klammerns vor Augen steht.

Hoffnung ist so essenziell für unser Dasein, dass wir sie unbedingt wieder neu lernen müssen. So formuliert Benedikt XVI.: Erst wenn Zukunft als positive Realität gewiss ist, wird auch die Gegenwart lebbar. Dazu ist es notwendig, sich daran zu erinnern, dass wir endlich sind: Keiner von uns verlässt diese Erde lebend! Fragen wir uns doch selbst: Woran sollen sich die Leute einmal erinnern, wenn ich gegangen bin?

... orientieren wir uns auf ein Ziel

Als Christen glauben wir: Der Mensch ist von Gott geschaffen worden für seliges, überschwänglich lebendiges Leben. Durch den Sündenfall ­haben wir uns unserer ursprünglichen Heimat entfremdet und leben jetzt als Fremdlinge – ­bestenfalls als Gäste – in einer gebrochenen, durch Sünde entstellten Welt. Deshalb ist ­Jesus Christus, der Sohn Gottes, Mensch geworden, um uns den Weg ins Vaterhaus zu öffnen, wo wir Frieden und in die Gemeinschaft mit Gott finden.

Diesen Weg gehen wir nicht allein, sondern mit ihm als unseren Weggefährten. In Christus gründet unsere Hoffnung auf ungetrübte Freude und ewiges Leben in Fülle. Wo eine noch so kleine Flamme der Hoffnung brennt, ist das Licht des Himmels bereits sichtbar. Keine Sehnsucht wird enttäuscht, kein Verzicht oder Verlust lässt uns als Verlierer dastehen. Darum gibt es keinen Grund zu Verzweiflung und Kleinmut.

Ende und Amen

Für den Christen zählt letztlich nicht, wie lange sein Leben währt, sondern dass er lernt, es sinnvoll zu führen. Meine Lebensspanne ist in Gottes Hand; aber die Frage der Lebensführung hängt von meinem Entschluss ab. Als Christen sind wir geboren zu einer lebendigen Hoffnung. Dazu gehört, dass wir mit beiden Beinen auf dem Boden der Wirklichkeit stehen. Wir wollen nicht nur in den Himmel, sondern auch die Welt verändern, indem wir vor der Welt bezeugen, dass Gott bei den Menschen Wohnung nimmt. Unser Hier und Jetzt ist durchdrungen von seiner Gegenwart. Weil uns der Auferstandene auf der anderen Seite erwartet, muss selbst unser Tod dem Leben dienen. Wer darum weiß, kann mit Lust seinem Ende entgegen leben und – wenn die Zeit gekommen ist – mit Hoffnung fröhlich sagen „Ende – Amen“.

Mit dem Wunsch zu solcher Gelassenheit grüßt Sie herzlich,
Ihr
Rudolf M. J. Böhm
Greifswald, den 3. September 2020

Von

  • Rudolf M. J. Böhm

    Sozialpädagoge, gehört mit seiner Frau Renate zur OJC-Auspflanzung in Greifswald, wo er u.a. als Seelsorger aktiv ist.

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