Schick mir deine Pfeile!

Von Jesu Ruf getroffen

Es schien mir unmöglich, einer Person zu vergeben, obwohl ich es mit aller Kraft versuchte. Die Angriffe und die Ungerechtigkeiten, die von diesem Menschen kamen, waren für mein Herz wie vergiftete Pfeile. Ich war verletzt und wütend, mein Herz voller Bitterkeit. Ich schrie zu Jesus und bestürmte ihn, mir zu zeigen, wie er jenen vergeben konnte, die ihn ans Kreuz nagelten. Während eines Abendgottesdienst, als ich wieder darum rang und auf eine kahle Wand blickte, war mir, als sähe ich Jesus, wie er am Kreuz hängt, und als hörte ich ihn sagen: „Schick mir die vergifteten Pfeile!“ Ich erinnere mich an den starken Widerstand, den ich bei diesen Worten empfand: „Auf keinen Fall will ich das! Ich will Dich nicht verletzen!“ Er verharrte bei seiner Bitte, ich bei meiner Weigerung. Dann wurde der Text über die Fußwaschung verlesen, als Jesus zu Petrus kommt und dieser erwiderte: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir! (Joh 13,5-9). Mir war sofort klar: Wenn Jesus uns etwas geben will und wir das annehmen, dann kommen wir nicht umhin, uns auf die Beziehung mit ihm einzulassen. Die Abwehr des Petrus war die Verweigerung einer tieferen Gemeinschaft. Und Petrus rief: Herr, nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt!

Das war ein Wort an mich! Wenn ich mich weigerte, Jesus meine „Giftpfeile“ zu schicken, verweigerte ich die Gemeinschaft mit ihm. Ich entschied, wie Petrus nachzugeben, und schleuderte Jesus alle Verletztheit und alles Unrecht entgegen. Ich sah innerlich, wie meine Pfeile seinen Leib verletzten und mir den Weg zu seinem Herzen bahnten.

In diesem Moment verstand ich sein Herz. Das Herz ist das Zentrum jeder Person. Es pumpt das Blut (das Leben) in den Körper. Von Jesu Blut hängen Vergebung, Erlösung und Heilung ab. Das Kreuz ist der Ort meiner Vergebung, meiner Heilung, meines Trostes, der Ort, an dem ich ins Leben hineingeliebt werde. In diesem Moment wurde es mir möglich, in einer tieferen und umfassenderen Weise zu vergeben, als ich es mir je hätte vorstellen können – nach Jahren von Bitterkeit, Schmerzen und Unversöhnlichkeit.

Ich war voll inneren Aufruhrs und Verzweiflung in diesen Gottesdienst gekommen. Ich verließ ihn in unerwartetem Frieden und voller Freude. Ich war geliebt, mir war vergeben; so fiel es mir endlich leicht, in tiefer Weise zu vergeben. Der Zorn, der Schmerz und die Bitterkeit waren weg. Ich war frei.

© B. Vitucci, Text wurde gekürzt

Barbara Vittucci ist Musikerin und lebt mit ihrer Familie in Wien. Sie arbeitet mit bei Netzwerk Inkarnation und Seelsorge.

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