Die Ohnmacht hat ein Ende

Zwei Stationen am Kreuzweg  der Klosterkirche in Birkenwerder

Das Kreuz

Jetzt ist es also da, das Kreuz.
Was du befürchtet hast,
ist wahr geworden:
Man hat dich festgenagelt!
Schmerz, Verlassenheit, Verzweiflung.

Und du?
Du nimmst es an.
Du trägst es.

Und ich?
Ich will, dass der Kelch an mir vorübergeht.
Ich will das Kreuz so schnell wie möglich loswerden.
Ich will nicht, dass es schmerzt und blutet.
Ich will am liebsten flüchten.

Warum muss ich leiden?
Es scheint kein Ende zu nehmen.
Immer wieder eine neue Wunde.
Warum nimmst du nicht alle Schwierigkeiten und das Leiden einfach weg?
Warum heilst du nicht einfach?
Das frage ich dich. 

Hast du mich denn vergessen,
mein Gott?
„Der große Gott, der alle Geschicke
der Welt in seinen Händen hält,
kann sich nicht um alles kümmern.
Da verlangst du Menschenkind zu viel“,
höhnt es in mir.
Bin ich am Ende selbst schuld?
Oder sind es die anderen?

Ich will vertrauen –
und bin doch gefangen in Angst
und Kleinglauben.
Jesus hat gebeten,
„wenn möglich, lass’ es an mir
vorübergehen…“.

Aber am Ende:
„Vater, in deine Hände lege ich mein Leben.“

Du hast dem geliebten Sohn das Kreuz nicht erspart.

Auch ich bin dein geliebtes Kind.
Auch mir ersparst du es nicht.

Jesus, du weißt, was es heißt,
durchs dunkle Tal zu gehen.
Hilf mir, bei dir zu stehen
in deinem Leiden,
so wie du bei dem meinen bist.

Hilf mir, denen nicht zu fluchen,
die mir diese Schmerzen bereiten,
so wie du gesegnet hast statt zu fluchen.
Hilf mir, zu vertrauen,
so wie du dem Vater vertraut hast
dass das Leid nie das Letzte ist.

Die Auferstehung

Der Sieg ist da.
Das Kreuz ist zerbrochen.
Die Ohnmacht hat ein Ende.
Das Undenkbare ist geschehen:
Gott hat Jesus auferweckt.
ER hat dem Tod die Macht genommen
und dem Leid.
Neues Leben blüht auf –
ein für alle Mal.

Ich kann es noch kaum fassen.
So lange habe ich nichts davon gespürt, 
dass du da bist in meinem Leid.
So lange habe ich gehofft,
dass die Schmerzen vergehen.
So lange habe ich gewartet,
dass du eingreifst und alles änderst.

Irgendwann konnte ich nichts mehr tun
als stillzuhalten. Und alles, was ich bin,
in deine Hände zu legen.

Und nun hast du, Gott, selbst
das Blatt gewendet.
Das Leben hat das letzte Wort!
Du hast uns nicht vergessen.
Jesus nicht.
Mich nicht.
Uns nicht.

Wie unendlich wertvoll wir dir doch sind!
Du, der Größte, liebst auch das Kleinste.
Dein Leben ist mit unserem verwoben.
Dein Geist formt uns neu.
Wir feiern deinen Sieg.
Mit jedem Mahl belebst du uns.
Der Stock des Treibers ist zerbrochen.
Halleluja!

In mir macht sich Freude breit.
Ich möchte singen und tanzen.
Sie mit den anderen teilen.
Zerbrochen ist der Pfeil,
der auf mich gerichtet war. 
Zerbrochen ist die Macht,
die mich zerbrechen wollte.
Zerbrochen ist die Mauer,
die zwischen mir und dir war.

Auch die zwischen mir und dem Anderen.
Einen Durchgang hast du
geschaffen – zum Leben.
Und ich, ich habe mich nur zu verwundern über dich,
du unendliche Liebe. 

Von

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